Anthropic-IPO: Mega-Börsengang vor Thanksgiving trotz 42 Mrd. Verlust

Anthropic-IPO: Mega-Börsengang vor Thanksgiving trotz 42 Mrd. Verlust

Anthropic, Entwickler der KI Claude, will laut Bloomberg noch vor Thanksgiving an die Börse – mit einer Bewertung von 1,8 bis 2 Billionen US-Dollar. Das wäre einer der größten Börsengänge der Geschichte, obwohl das Unternehmen 2025 fast 42 Milliarden US-Dollar Verlust machte. Für Anleger stellt sich die Frage, ob hier eine Zukunftstechnologie oder eine überteuerte Wachstumsstory verkauft wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anthropic peilt IPO für Mitte November an, Handelsstart vor Thanksgiving am 26. November.
  • Bewertung von 1,8 bis 2 Billionen US-Dollar bei 4,6 Mrd. Umsatz und 42 Mrd. Verlust 2025.
  • Größtes Risiko: Die Bewertung hängt an Zukunftshoffnungen, nicht an aktuellen Erträgen.

Anthropic will noch vor Thanksgiving an die Börse

Der KI-Entwickler Anthropic plant, bereits in der Woche ab dem 9. November 2026 mit dem Marketing für seinen Börsengang zu beginnen. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Der Handelsstart soll noch vor Thanksgiving am 26. November erfolgen, spätestens aber bis Jahresende. Ursprünglich war ein früherer Zeitpunkt im Gespräch, doch der Plan wurde nach hinten verschoben.

Anthropic ist die Firma hinter dem KI-Modell Claude. Ein Börsengang in dieser Größenordnung wäre ein Ereignis, das weit über die Tech-Branche hinaus strahlt. Allerdings betont Bloomberg, dass die Überlegungen noch laufen und sich der Zeitplan weiter verschieben kann.

Bewertung von bis zu 2 Billionen US-Dollar bei 4,6 Milliarden Umsatz

Investoren halten laut Bloomberg eine Bewertung von 1,8 bis 2,0 Billionen US-Dollar für angemessen. Das Unternehmen selbst will Berichten zufolge den Rekord-Börsengang von SpaceX erreichen oder übertreffen. Zum Vergleich: Der Umsatz lag 2025 bei rund 4,6 Milliarden US-Dollar. Die Bewertung wäre also etwa das 400-Fache des Jahresumsatzes – ein Vielfaches, das selbst für Wachstumsunternehmen extrem hoch ist.

Der Umsatz wuchs zwar rasant von 386 Millionen US-Dollar im Vorjahr, doch die Verluste stiegen noch schneller. 2025 verbuchte Anthropic einen Nettoverlust von fast 42 Milliarden US-Dollar, nach 8,3 Milliarden im Jahr 2024. Ein Großteil davon – über 34 Milliarden – entfiel auf die Neubewertung von Verbindlichkeiten, nicht auf das operative Geschäft. Der operative Verlust lag bei mehr als 8 Milliarden US-Dollar.

KI-Sicherheitsdebatte und Konkurrenz durch OpenAI

Anthropic-CEO Dario Amodei fordert öffentlich, die Entwicklung von KI-Modellen zu verlangsamen. In einem Essay auf seiner Website argumentiert er, das Tempo des Fortschritts müsse gedrosselt werden. Gleichzeitig bereitet sein Unternehmen einen der größten Börsengänge aller Zeiten vor – ein Widerspruch, der Fragen aufwirft.

Der Wettbewerbsdruck durch OpenAI wächst: Der Rivale hat zuletzt Umsatzdynamik gewonnen und seinen eigenen IPO verschoben. OpenAI-CEO Sam Altman hält einen Börsengang derzeit für unklug. Zudem sorgen Hacking-Vorfälle mit KI-Agenten für öffentliche Kritik an der Branche. TechCrunch weist darauf hin, dass Anthropic in seinem Prospekt selbst vor Risiken warnt, die „die Menschheit beenden“ könnten.

Schwaches IPO-Umfeld und verschobene Börsengänge

Der Markt für Börsengänge ist derzeit angespannt. Mehrere Unternehmen haben ihre Pläne kurzfristig verschoben, darunter Oura, das seinen IPO erst kürzlich absagte. Laut Bloomberg lag die durchschnittliche Rendite der über 100 neu gelisteten Aktien 2026 bei minus 4 Prozent – ohne die Rekord-IPOs von SpaceX und SK Hynix. Der S&P 500 legte im selben Zeitraum 12 Prozent zu, der Nasdaq 100 sogar 20 Prozent.

Anthropic würde sich mit seinem Vorhaben gegen diesen Trend stemmen. Ob der Markt eine so hohe Bewertung bei gleichzeitig hohen Verlusten annimmt, ist offen. Die Stimmung unter Retail-Anlegern ist jedenfalls skeptisch: Auf Reddit fragen Nutzer, wie ein Unternehmen mit Milliardenverlusten Billionen wert sein kann.

Unsere Einschätzung

Was dafür spricht

  • Anthropic gehört zu den führenden KI-Unternehmen und verzeichnet starkes Umsatzwachstum.
  • Der Börsengang könnte frisches Kapital für Forschung und Skalierung bringen.
  • Investoren zeigen trotz Verlusten Interesse an einer Bewertung von bis zu 2 Billionen US-Dollar.

Was dagegen spricht

  • Die Bewertung ist gemessen am Umsatz extrem hoch und setzt enorme Zukunftsgewinne voraus.
  • 2025 betrug der Nettoverlust fast 42 Milliarden US-Dollar – mehr als das Neunfache des Umsatzes.
  • Der IPO-Markt ist schwach, viele Börsengänge wurden zuletzt verschoben oder abgesagt.
  • Regulatorische und sicherheitspolitische Risiken rund um KI könnten den Kurs belasten.

Worauf du achten solltest

  • Offizieller S-1-Prospekt mit detaillierten Finanzzahlen und Risikofaktoren.
  • Start des IPO-Marketings ab der Woche vom 9. November 2026.
  • Erster Handelstag vor Thanksgiving (26. November 2026) oder spätestens bis Jahresende.

Fazit

Anthropic mag technologisch führend sein, doch die Bewertung von bis zu 2 Billionen US-Dollar steht in keinem Verhältnis zu den aktuellen Erträgen. Der Börsengang ist ein Wagnis in einem schwachen Marktumfeld. Anleger sollten die offiziellen Unterlagen abwarten und sich nicht von der Größe des Deals blenden lassen. Ein Investment hier ist eine Wette auf die Zukunft – nicht auf die Gegenwart.

Quellen: bloomberg.com, techcrunch.com, professional.content.cirrus.bloomberg.com, bloomberg.com, techcrunch.com, bloomberg.com

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