Coinbase Ireland: 3,25 Mio. Euro Strafe für lückenhaft gesicherte Euro-Guthaben

Coinbase Ireland: 3,25 Mio. Euro Strafe für lückenhaft gesicherte Euro-Guthaben

Die Central Bank of Ireland hat gegen Coinbase Ireland Limited eine Strafe von 3,25 Mio. Euro verhängt. Über Jahre war das Treuhandkonto für Euro-Guthaben der Kunden zeitweise nicht vollständig gedeckt. Für deutsche Kunden ist das ein Fall für die Frage, wie viel Fiat-Guthaben sie dauerhaft bei einer Börse liegen lassen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Coinbase Ireland muss 3,25 Mio. Euro zahlen, weil Euro-Guthaben zeitweise nicht vollständig gesichert waren.
  • Vom 1. Januar 2023 bis 27. Juni 2024 war das Treuhandkonto an jedem Tag unterdeckt.
  • Das größte Risiko: Bei einer Insolvenz hätten Kunden ihr Geld womöglich nicht sofort vollständig zurückbekommen.

Die Strafe fällt erst nach Bestätigung durch den High Court

Die irische Zentralbank hat die Sanktion am 22. Oktober 2026 veröffentlicht, der Vergleich wurde laut CBI am 21. Oktober geschlossen. Ursprünglich standen 4.646.597 Euro im Raum. Nach einem Vergleichsrabatt von 30 Prozent bleiben 3.252.618 Euro, dazu kommt eine Rüge.

Wirksam wird die Strafe erst, wenn der High Court sie bestätigt. Nach den Regeln der CBI brauchen solche Vergleichssanktionen seit dem 19. April 2023 diese gerichtliche Bestätigung. Ob das Gericht bereits entschieden hat, ist öffentlich nicht belegt.

Das Treuhandkonto war über Monate an jedem Tag unterdeckt

Der Verstoßzeitraum reicht vom 1. November 2020 bis zum 19. August 2025. Von Juli 2022 bis Oktober 2024 war das Treuhandkonto unterdeckt, vom 1. Januar 2023 bis 27. Juni 2024 an jedem einzelnen Tag.

Der höchste Fehlbetrag an einem Tag lag laut CBI bei 3,4 Mio. Euro im Jahr 2023 und bei 5,2 Mio. Euro im Jahr 2024. Im Schnitt fehlten 0,54 Prozent der Pflichtsumme, die 2024 bei rund 470 Mio. Euro lag. Auslöser war eine Änderung an Datentabellen im Reporting-Tool „Looker“ im Juli 2022.

Gelder anderer Coinbase-Gesellschaften liefen über das irische Konto

Ein Teil der Kunden zahlte auf ein Konto von Coinbase UK ein. Bis zum 19. August 2025 hatten 33 Kunden noch Zugriff darauf. Bis zum 19. Januar 2024 wurden Euro-Auszahlungen für Kunden von Coinbase UK und Coinbase Inc. aus dem irischen Treuhandkonto bezahlt.

Nach dem Aus von Silvergate und Signature sollten rund 30 institutionelle Kunden auf ein US-Konto einzahlen. Viele dieser Schritte liefen manuell, obwohl im Lizenzantrag Automatisierung zugesagt war. Coinbase hat diese Änderungen der Aufsicht nach CBI-Angaben nicht gemeldet.

Wichtig für die Einordnung: Laut CBI wurde das Geld vor allem mit Kundengeldern anderer Coinbase-Gesellschaften vermischt, nicht mit Firmengeld. Posts auf X, die eine Vermischung mit Coinbase-eigenem Geld behaupten, deckt die Aufsicht nicht.

Die Aufsicht hatte schon 2022 und 2023 Mängel angemahnt

Die CBI verlangte bereits 2022 und 2023 Mängelprogramme. Diese wurden nicht ausreichend umgesetzt, weshalb die Strafe um 5 Prozent erhöht wurde. Die Aufsicht kritisiert damit offen, dass Zusagen aus dem Lizenzantrag nicht eingehalten wurden.

Coinbase hält dagegen, man habe vieles im Januar 2024 selbst gemeldet und alle Probleme behoben. Kein Kunde habe Geld oder den Zugriff verloren, heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens, die Reuters wiedergibt. Die CBI nennt nach ihrem jetzigen Kenntnisstand keinen Beleg für einen tatsächlichen finanziellen Schaden.

Das ist das zentrale Entlastungsargument. Es ändert aber nichts daran, dass Kunden bei einer Insolvenz in diesem Zeitraum ihr Geld womöglich nicht sofort und vollständig zurückbekommen hätten.

Euro-Guthaben liegen in Irland, die Coins in Luxemburg

Coinbase Ireland Limited ist ein E-Geld-Institut und kein Krypto-Dienstleister. Sie führt das Euro- und Fiat-Guthaben der Kunden im EWR. Laut CBI hat sie früher alle Kunden der Coinbase Germany GmbH übernommen. Wann genau dieser Übergang stattfand und wie viele deutsche Kunden betroffen sind, ist öffentlich nicht belegt.

Das MiCA-Kryptogeschäft läuft dagegen über Coinbase Luxembourg S.A., die als CASP in Luxemburg zugelassen ist. Betroffen ist also die Euro-Seite, nicht die Verwahrung der Coins. Wer wissen will, wie die Anbieter in Deutschland lizenziert sind, findet die Details im Kryptobörsen-Vergleich 2026.

E-Geld ist keine Einlage und fällt nicht unter die Einlagensicherung. Wer größere Beträge in Euro bei einer Börse parkt, sollte das wissen – unabhängig von diesem Einzelfall.

Es ist nicht die erste Strafe der Iren gegen Coinbase

Die CBI hat 2025 bereits eine andere Coinbase-Tochter mit 21.464.734 Euro wegen Verstößen gegen die Geldwäsche-Überwachung belegt. Der High Court bestätigte diese Sanktion am 12. Januar 2026. Reuters ordnet die neue Strafe als weiteren Regulierungsschlag gegen Coinbase in Irland ein.

Fachmedien lesen die frühere Strafe als Signal an andere Krypto-Firmen. Die Law Society of Ireland und die Kanzlei Pinsent Masons werteten sie als deutliche Warnung zur Einhaltung von AML-Pflichten. Für die aktuelle Debatte um eine stärkere ESMA-Aufsicht über große Anbieter ist das ein passender Beleg dafür, wie unterschiedlich die Aufsicht in Europa bislang greift.

Unsere Einschätzung

Was dafür spricht

  • Coinbase hat die Probleme nach eigener Darstellung selbst gemeldet und behoben.
  • Die CBI nennt keinen Beleg für einen tatsächlichen finanziellen Schaden bei Kunden.
  • Die Kryptowerte selbst liegen bei der Luxemburger Einheit und sind von dem Fall nicht betroffen.

Was dagegen spricht

  • Das Treuhandkonto war über Monate an jedem Tag unterdeckt, zeitweise um bis zu 5,2 Mio. Euro.
  • Die Aufsicht hatte schon 2022 und 2023 Mängel angemahnt, ohne dass sie ausreichend behoben wurden.
  • E-Geld-Guthaben fallen nicht unter die Einlagensicherung – bei einer Insolvenz wäre die Rückzahlung nicht garantiert gewesen.
  • Coinbase hat Änderungen an den Zahlungsströmen der Aufsicht nicht gemeldet.

Worauf du achten solltest

  • Ob der High Court die 3,25-Mio.-Euro-Strafe bestätigt – erst dann wird sie wirksam.
  • Wie Coinbase Germany und die BaFin auf Anfragen reagieren und wie viele deutsche Kunden betroffen sind.
  • Wie hoch dein ungenutztes Euro-Guthaben bei einer Börse ist – Beträge oberhalb des täglichen Bedarfs gehören eher auf ein eigenes Konto.

Fazit

Die Strafe ist im Verhältnis zu den verwahrten Kundengeldern klein, die Mängel bestanden aber über Jahre trotz Warnungen. Wer daraus Panik macht, überzeichnet die Lage – einen dokumentierten Kundenschaden gibt es nicht. Wer Euro-Guthaben dauerhaft bei einer Börse parkt, sollte trotzdem wissen, dass es dafür keinen Einlagenschutz gibt. Der entscheidende Termin ist die Bestätigung durch den High Court; erst dann ist die Sanktion rechtskräftig.

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