Die Sparkassen bieten ihren Kunden seit dem 19. Oktober 2026 Bitcoin und vier weitere Coins direkt in der App an. Vertragspartner ist die DekaBank, nicht die Sparkasse. Das Angebot ist günstig bei der Ordergebühr – aber Kunden halten keine eigenen Schlüssel und können ihre Coins nicht auf eine eigene Hardware-Wallet übertragen.
Das Wichtigste in Kürze
- Deka startet Krypto-Handel in der Sparkassen-App: 0,99 Euro pro Order plus unbekanntem Spread.
- Coins liegen in einer Sammel-Wallet, Übertragung nur an ausgewählte Dienstleister, nicht auf eigene Hardware-Wallet.
- Größtes Risiko: Der Spread ist nicht offengelegt, die Gesamtkosten bleiben damit vorab unklar.
Fünf Sparkassen starten, 30 bis 40 sollen monatlich folgen
Zum Start sind laut BTC-ECHO fünf Institute dabei: Frankfurter Sparkasse, Taunus Sparkasse, Sparkasse Karlsruhe, Sparkasse Rottal-Inn und Niederrheinische Sparkasse RheinLippe. Pro Monat sollen 30 bis 40 weitere dazukommen. Über 230 Sparkassen hätten Interesse signalisiert, berichtet BTC-ECHO unter Berufung auf den Sparkassenverband.
Jede Sparkasse entscheidet selbst, wann sie startet, sagt DSGV-Vorstand Joachim Schmalzl. Beraten wird nicht, aktiv beworben wird das Angebot ebenfalls nicht. Die Deka spricht von einem Selbstentscheider-Angebot ohne Beratung – das lässt sich als Schutz vor Fehlberatung lesen, aber auch als Entlastung der Sparkassen von Verantwortung.
Wer mitmachen will, braucht ein Girokonto bei einer teilnehmenden Sparkasse, aber kein Depot. Das Krypto-Konto wird in der App Sparkasse eröffnet. Handelbar sind Bitcoin, Ethereum, XRP, Solana und POL.
0,99 Euro pro Order – der Spread bleibt im Dunkeln
Eine Order kostet 0,99 Euro plus Spread. Wie hoch dieser Aufschlag zwischen Kauf- und Verkaufskurs ist, nennt die Deka in ihrer Produktdarstellung nicht. Damit lassen sich die Gesamtkosten vorab kaum mit anderen Anbietern vergleichen.
Auf X rechnet ein Nutzer mit rund 1,34 Prozent Spread, bei 5.000 Euro Einsatz wären das etwa 67 Euro. Diese Zahl stammt aus einer externen Messung vor dem offiziellen Start und ist nicht unabhängig bestätigt – sie bleibt eine unbestätigte Rechnung. Wer die tatsächlichen Kosten wissen will, sollte sie selbst nachrechnen oder bei der Deka anfragen.
Zum Vergleich: Bei unserem Kryptobörsen-Vergleich liegen die Spot-Gebühren etwa bei Bitpanda bei 0,25 Prozent und bei Coinbase Advanced bei 0,25 Prozent Maker und 0,50 Prozent Taker. Diese Sätze gelten aber nur für den reinen Handel – hinzu kommt dort ebenfalls ein Spread.
Keine eigenen Schlüssel, keine Übertragung auf die Hardware-Wallet
Die Coins liegen treuhänderisch in einer gemeinsamen Sammel-Wallet bei der DekaBank. Die privaten Schlüssel halten die Kunden nicht selbst. Auszahlungen sind laut BTC-ECHO nur an Adressen bestimmter zugelassener Kryptodienstleister möglich – welche das konkret sind, ist offen.
Eine Übertragung auf die eigene Hardware-Wallet ist nach aktuellem Stand ausgeschlossen. Für viele Krypto-Nutzer ist das der größte praktische Nachteil: Wer seine Coins selbst verwahren will, kann das hier nicht.
Für die Handelsinfrastruktur arbeitet die Deka laut dpa und Handelsblatt mit der Börse Stuttgart zusammen. Ob die Börse Stuttgart auch selbst verwahrt oder nur technisch eingebunden ist, geht aus den Berichten nicht eindeutig hervor.
BaFin-Lizenz nach MiCA – aber keine Einlagensicherung
Die Deka hat eine BaFin-Lizenz nach MiCA, der europäischen Verordnung für Kryptowerte. Eine Einlagensicherung gibt es nicht, und die Deka warnt ausdrücklich vor einem Totalverlust.
Zur Steuer nennt die Deka nur die Freigrenze von 1.000 Euro pro Jahr für private Veräußerungsgeschäfte. Die Haltefrist von einem Jahr, nach der Gewinne aus Bitcoin-Verkäufen steuerfrei sein können, thematisiert sie nicht. Stattdessen warnt die Deka vor „rückwirkenden Änderungen“.
Das ist bemerkenswert: Gerade die Haltefrist ist für viele Anleger ein Argument für den langfristigen Kauf. Wer steuerlich planen will, sollte sich unabhängig informieren, statt sich auf die Produktdarstellung zu verlassen.
Die Sparkassen kommen als Spätstarter – nach jahrelanger Skepsis
BTC-ECHO bewertet den Schritt als bemerkenswerte Kehrtwende der größten deutschen Finanzgruppe. Die Sparkassen hatten Krypto lange skeptisch gesehen. Jetzt bringen sie Bitcoin in die App, in der Millionen Kunden ohnehin ihr Girokonto verwalten.
Der Markteintritt kommt spät. Trade Republic, Bitpanda, N26 und die Volksbanken bieten Krypto schon länger an. Wer heute Bitcoin kaufen will, hat die Wahl zwischen vielen Anbietern – unsere Anleitung zum Krypto-Kauf zeigt die Unterschiede.
Die Deka will nach eigenen Angaben einen möglichst großen Teil der Wertschöpfungskette in der Sparkassen-Finanzgruppe halten. Das erklärt die zentrale Verwahrung: Sie ist bequem für die Bank, schränkt aber die Verfügungsgewalt der Kunden ein.
Unsere Einschätzung
Was dafür spricht
- Ordergebühr von nur 0,99 Euro pro Transaktion
- Zugang ohne Depot direkt in der Sparkassen-App
- BaFin-Lizenz nach MiCA als regulatorischer Rahmen
Was dagegen spricht
- Keine eigenen Schlüssel, Verwahrung in gemeinsamer Sammel-Wallet
- Keine Übertragung auf die eigene Hardware-Wallet möglich
- Spread wird nicht offengelegt, Gesamtkosten unklar
- Keine Einlagensicherung, Warnung vor Totalverlust
Worauf du achten solltest
- Konkreten Spread bei der eigenen Sparkasse erfragen, bevor die erste Order läuft
- Prüfen, ob die eigene Sparkasse zum Start dabei ist – Rollout mit 30 bis 40 Instituten pro Monat
- Steuerliche Haltefrist von einem Jahr unabhängig klären, da Deka sie nicht nennt
Fazit
Die Sparkassen machen Bitcoin für Millionen Kunden zugänglich – aber nur als verwahrtes Produkt ohne eigene Schlüssel. Der niedrige Orderpreis von 0,99 Euro verdeckt, dass der Spread unbekannt ist und die Gesamtkosten damit offen bleiben. Wer Selbstverwahrung will, ist hier falsch. Wer einfach und reguliert in der gewohnten App kaufen will, sollte zumindest den Spread seiner Sparkasse vorab erfragen.
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