Kupfer: 2 Mio. Tonnen in US-Lagern – Deutsche Bank sieht 50 % Preisplus

Kupfer-Schwemme in den USA: 2 Mio. Tonnen fehlen dem Weltmarkt

In den USA stapelt sich Kupfer – bis zu 2 Mio. Tonnen, schätzt BMO Capital Markets. Grund ist die unklare Zollpolitik von Präsident Trump. Das verknappt den Weltmarkt und treibt die Preise.

Das Wichtigste in Kürze

  • US-Zollunsicherheit zieht Kupfer in US-Lager, bis zu 2 Mio. Tonnen sind gebunden.
  • Die Deutsche Bank erwartet 50 % Preisplus auf 22.050 US-Dollar pro Tonne.
  • Größtes Risiko: US-Lager geben Metall kaum wieder frei, Preise bleiben hoch.

Seit Juli 2025 hängt der Kupfermarkt in der Schwebe

US-Präsident Trump belegte im Juli 2025 Kupferdraht und andere Kupferprodukte mit Zöllen. Raffiniertes Kupfer, das die Industrie direkt verarbeitet, ließ er zunächst aus. Eine Entscheidung darüber steht weiter aus, wie Bloomberg am 1. Oktober 2026 berichtet.

Die Unsicherheit hat US-Käufer dazu gebracht, Metall auf Vorrat zu kaufen. Sie wollen höheren Preisen später entgehen. Kupfer-Futures legten in diesem Jahr um mehr als 16 Prozent zu. US-Preise liegen oft über dem Weltmarkt – ein Anreiz, Metall nach Amerika zu schaffen.

Bis zu 2 Mio. Tonnen Kupfer liegen in US-Lagern

Nach Schätzungen von BMO Capital Markets sitzen die USA auf bis zu 2 Mio. Tonnen Kupfer. Das ist faktisch ein riesiger privater Vorrat. Andere Quellen nennen kleinere Zahlen: Fastmarkets bezifferte die CME-Lagerbestände im Juni 2026 auf rund 541.000 Short Tons. Die Unterschiede zeigen, wie unklar die Datenlage ist.

Für den Rest der Welt ist das relevant. „Sobald das Metall in den USA an Land ist, steht es den globalen Nachfragezentren nicht mehr zur Verfügung“, sagte Daniel Ghali, Leiter der Metallforschung bei der Deutschen Bank, laut Bloomberg. Er schätzt, dass die USA und China bis Jahresende rund 70 Prozent der weltweiten Kupfervorräte dem Markt entzogen haben könnten.

Ghali erwartet 50 Prozent Preisplus – und nennt einen Grund

Ghali rechnet damit, dass Kupfer im nächsten Jahr um 50 Prozent auf 10 US-Dollar pro Pfund steigt. Das entspricht 22.050 US-Dollar pro Tonne. Sein Argument: Erst bei diesem Preis würden Industriekunden auf Aluminium umsteigen – einen billigeren, aber schlechter leitenden Ersatz. Das ist seine persönliche Prognose, kein Konsens. Die meisten Analysten erwarten weniger Dramatik.

Ghali sieht noch ein strukturelles Problem. Normalerweise steigen bei knappem Angebot die Preise für kurzfristige Lieferungen an der London Metal Exchange (LME). Das setzt Anreize, gehortetes Metall freizugeben. Doch die LME hat auch Lagerhäuser in den USA. Lieferungen dorthin könnten das Kupfer nur innerhalb der USA verschieben, statt es dem Weltmarkt zuzuführen.

Goldman Sachs sieht die Zölle als nationales Sicherheitsinstrument

Goldman-Sachs-Analysten schrieben laut Bloomberg, die Zollandrohung erreiche ein sicherheitspolitisches Ziel: Sie ziehe Metall in die USA, ohne dass der Staat große Mengen kaufen oder Verbraucher sofort belasten müsse. Das ist eine nüchterne, fast zynische Beschreibung.

Dahinter steht ein handfester Interessenkonflikt. Das Weiße Haus hat laut Reuters vom 10. September 2026 noch keine Entscheidung zu raffinierten Kupferzöllen getroffen. Als Grund nannte die Nachrichtenagentur Kosten- und Inflationsbedenken für die Industrie. Eine Entscheidung gegen Zölle könnte also aus Rücksicht auf die Fertigungskosten fallen – ein klarer Gegensatz zur Sicherheitslogik.

Auch das Minenangebot steht unter Druck

Die Zollfrage ist nicht der einzige Preistreiber. BMO Capital Markets schrieb laut Bloomberg, die globale Minenversorgung habe „nie problematischer“ ausgesehen. Wetterbedingte Störungen in Chile, dem größten Produzenten, spielen eine Rolle. Hinzu kommt die erwartete Nachfrage durch Elektroautos, Stromnetz-Ausbau und Rechenzentren.

Gleichzeitig hat China über Jahre Kupfer gehortet. BMO hat chinesische Import- und Exportdaten ausgewertet und kommt zu dem Schluss, dass Peking zuletzt eher Bestände abgebaut hat – und sie später wieder auffüllen könnte. Solche Schätzungen bleiben unsicher, solange die Zollfrage offen ist.

Die Knappheit ist politisch gemacht, nicht natürlich

Reuters betont, dass es keine klassische globale Kupferknappheit gibt. Der Preisanstieg lasse sich auch ohne weltweiten Mangel erklären: Die Zölle verschieben Metallströme und verknappen damit nur die regionale Verfügbarkeit. CRU-Analyst Robert Edwards sagte laut Reuters, die Tarifdrohung habe aus einem erwarteten Überschuss bestenfalls einen ausgeglichenen Markt gemacht – wenn das US-Kupfer für andere Regionen ausfällt.

Das ist die schärfste Kritik: Was wie ein Angebotsschock aussieht, ist eine politisch erzeugte Marktverzerrung. Offen bleibt, wie viel Metall dauerhaft in den USA eingeschlossen ist. Selbst wenn Washington später gegen Zölle entscheidet, könnte das Kupfer wegen der Lagerstruktur nur langsam abfließen.

Unsere Einschätzung

Was dafür spricht

  • Kupfer profitiert langfristig von Elektrifizierung, Netzausbau und Rechenzentren.
  • US-Zollunsicherheit stützt die Preise und schafft Anreize für Lagerhaltung.
  • Goldman Sachs sieht in der Politik ein Instrument zur Stärkung der US-Versorgungssicherheit.

Was dagegen spricht

  • Die Knappheit ist politisch gemacht, nicht natürlich – eine Entscheidung gegen Zölle könnte die Preise schnell drücken.
  • Die Datenlage zu den US-Beständen ist widersprüchlich: 541.000 Short Tons in CME-Lagern gegen bis zu 2 Mio. Tonnen insgesamt.
  • Ghali ist mit seiner 50-Prozent-Prognose ein Außenseiter; die meisten Analysten erwarten weniger Dramatik.
  • Hohe Kupferpreise könnten Industriekunden auf Aluminium umsteigen lassen und die Nachfrage brechen.

Worauf du achten solltest

  • Entscheidung des Weißen Hauses zu raffinierten Kupferzöllen – laut Reuters vom 10. September 2026 noch offen.
  • LME-Preisstruktur: Steigen die Kurzfrist-Preise stärker als die Terminkurse, wird Metall knapp.
  • US-Lagerbestände: Sinkt die Menge in CME-Lagern deutlich, entspannt sich der Weltmarkt.

Fazit

Die Kupferknappheit ist keine Naturkatastrophe, sondern Folge einer unentschiedenen US-Zollpolitik. Wer auf weiter steigende Preise setzt, wettet auf politische Untätigkeit – ein riskantes Spiel. Ghali mag mit seiner 50-Prozent-Prognose richtig liegen, doch er ist Außenseiter. Entscheidend ist, wann Washington Klarheit schafft und wie viel Metall dann schon dauerhaft in US-Lagern festsitzt.

Quellen: bloomberg.com, investing.com, investing.com, d3cobg6h0snvt3.cloudfront.net, reddit.com

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