Die „Rollbit Files“: Schwere Vorwürfe gegen das Krypto-Casino und sein Umfeld

ChatGPT Image Aug 19, 2026, 11_00_26 AM

Rollbit gehört seit Jahren zu den bekanntesten Namen im Krypto-Glücksspiel. Das Unternehmen verbindet Online-Casino, Sportwetten und Krypto-Trading und wurde insbesondere durch aggressives Influencer-Marketing auf YouTube und Crypto Twitter bekannt. Ein neues, 149 Seiten langes Dossier mit dem Titel The Rollbit Files erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Plattform und versucht gleichzeitig, die weitgehend anonym auftretenden Personen hinter Rollbit zu identifizieren.

Dabei geht es nicht nur um einzelne unzufriedene Kunden. Der Autor versucht eine Geschichte nachzuzeichnen, die bei Glücksspielseiten im Jahr 2016 beginnt, über eine mittlerweile eingestellte Krypto-Derivatebörse führt und schließlich bei Rollbit sowie weiteren Casino-Projekten endet.

Vorweg ist allerdings eine wichtige Einordnung notwendig: Bei den „Rollbit Files“ handelt es sich nicht um einen Bericht einer Behörde, ein Gerichtsurteil oder eine unabhängige Wirtschaftsprüfung. Der Autor bezeichnet sich selbst als ehemaligen Rollbit-Nutzer, der nach Problemen mit der Plattform angefangen habe zu recherchieren. Das Dokument kombiniert Unternehmensregister, archivierte Webseiten, Social-Media-Beiträge und Nutzerberichte mit eigenen Schlussfolgerungen. Einige Verbindungen sind dabei deutlich besser dokumentiert als andere.

Wer steckt hinter Rollbit?

Rollbit selbst trat lange mit zwei pseudonymen Mitgründern auf: „Lucky“ und „Razer“. Eine der wichtigsten Thesen der Rollbit Files lautet, dass es sich bei Lucky um den Briten Daniel Robert Dixon handeln soll. Als Belege führt der Autor unter anderem Aussagen von Personen aus der früheren CS sowie britische Unternehmensregister an.

Dixon taucht bei Companies House unter anderem als Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter zweier Unternehmen auf:

  • DAX Financial Technologies Ltd
  • International Digital Assets Exchange Ltd

Bei beiden Firmen hielt Dixon laut den im Dossier wiedergegebenen Unterlagen zeitweise 80 Prozent der Anteile und wurde als Person mit maßgeblicher Kontrolle geführt. Besonders interessant ist dabei International Digital Assets Exchange Ltd. Hinter diesem Unternehmen stand die Krypto-Trading-Plattform Interdax.

Und genau dort beginnt eine der auffälligsten Verbindungen zu Rollbit.

Interdax: Rollbit vor Rollbit?

Interdax ging 2019 live und bot Krypto-Perpetuals mit bis zu 100-fachem Hebel an. Zusätzlich veranstaltete die Plattform sogenannte Trading Battles, bei denen Nutzer mit identischen Startguthaben gegeneinander antraten. Das Geschäftsmodell richtete sich damit sehr deutlich an dieselbe Zielgruppe, die später auch Rollbit ansprach: risikofreudige Krypto-Trader. Interdax vermarktete sich zudem als Non-KYC-Plattform.

Auffällig ist zudem das Marketing. Interdax bezahlte Crypto-Twitter-Influencer dafür, die Plattform zu nutzen und über Referral-Links zu bewerben. Laut Rollbit Files gehörten ausgerechnet zwei Personen, die später zu den ersten Rollbit-Partnern wurden, zuvor zu den sichtbarsten Interdax-Promotern.

Genannt werden insbesondere die Accounts Romano (@RNR_0) und Majin (@majinsayan). Auch Gainzy taucht im Zusammenhang mit Rollbits frühem Crypto-Twitter-Marketing auf. Der Autor sieht darin keine zufällige Überschneidung. Seine These: Rollbit habe beim Start schlicht bestehende Kontakte und Marketingstrukturen aus der Interdax-Zeit weiterverwendet. Dazu passt auch die Produktentwicklung.

Im Mai 2021 führte Rollbit selbst Krypto-Trading ein. Bitcoin und Ethereum konnten damals laut Dossier mit bis zu 1.000-fachem Hebel gehandelt werden. Interdax war zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend inaktiv. Der letzte von Interdax selbst verbreitete Link zur Plattform stammte laut Dossier aus April 2021. Einen Monat später startete Rollbit sein Derivate-Angebot. Für sich genommen beweist das keine direkte Übernahme. Die Kombination aus Personen, Influencern, Zielgruppe und Produktstruktur macht die Verbindung allerdings zu einem der interessanteren Teile der Rollbit Files.

Die Geschichte beginnt bereits bei CSGO Diamonds

Noch weiter zurück führt das Dossier zur Glücksspielplattform CSGO Diamonds. Bei solchen Plattformen konnten Nutzer wertvolle Counter-Strike-Skins einzahlen und anschließend damit spielen. Mitte der 2010er-Jahre waren solche Angebote insbesondere unter jungen Gaming-Zuschauern extrem populär. 2016 geriet CSGO Diamonds in einen schweren Skandal. Der bekannte CS m0E behauptete öffentlich, der Betreiber der Plattform habe ihm im Voraus die Ergebnisse bestimmter Glücksspiel-Runden mitgeteilt. Dadurch seien große Gewinne im Stream inszeniert worden. Die Zuschauer sollten den Eindruck bekommen, dass hohe Gewinne auf der Plattform tatsächlich relativ einfach möglich seien.

CSGO Diamonds bestritt offenbar nicht vollständig, dass die Wetten inszeniert waren, argumentierte jedoch, dies sei lediglich zu Unterhaltungszwecken geschehen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass m0E nicht mit eigenem Geld spielte, sondern mit vom Casino bereitgestelltem Guthaben. Das Rollbit-Dossier ordnet Daniel Dixon als damaligen Betreiber von CSGO Diamonds ein. Diese Identifikation basiert unter anderem auf Aussagen früherer Geschäftspartner und Personen aus der damaligen Szene.

Genau dieser Punkt ist für die gesamte Argumentation entscheidend: Wenn Dixon tatsächlich sowohl hinter CSGO Diamonds als auch später hinter Rollbit stand, würde sich eine ungewöhnlich lange Kontinuität innerhalb derselben Glücksspiel- und Influencer-Szene ergeben.

m0E und Sparkles tauchen später wieder bei Rollbit auf

Besonders bemerkenswert ist, dass einige bekannte Gesichter aus der CSGO-Diamonds-Zeit später auch Rollbit bewarben. Dazu gehört erneut m0E. Im April 2020 veröffentlichte er ein gesponsertes Rollbit-Video. Das geschah nur wenige Wochen nach dem Start der Plattform. m0E erklärte später allerdings, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass hinter Rollbit dieselbe Person gestanden haben könnte wie hinter CSGO Diamonds. Das Dossier hält ausdrücklich fest, dass diese Aussage durchaus wahr sein könne. Ein weiterer wichtiger Name ist der CS Sparkles. Er hatte zuvor Inhalte rund um CSGO Diamonds veröffentlicht. Bereits im April 2020 – rund einen Monat nach dem Start von Rollbit – produzierte er laut Dossier ebenfalls Rollbit-Inhalte.

Der Autor sieht darin eine klare Marketingstrategie: Rollbit habe gleichzeitig zwei Communities angesprochen. Auf der einen Seite die vergleichsweise junge CS von YouTube. Auf der anderen Seite die spekulativ orientierte Crypto-Twitter-Szene mit hoch gehebeltem Trading.

Welche Influencer werden noch genannt?

Neben m0E, Sparkles, Romano, Majin und Gainzy tauchen im Dokument weitere bekannte Namen auf.

Ayezee wird im Zusammenhang mit einem weiteren schweren Vorwurf genannt. Laut Rollbit Files habe Rollbit an sogenannten „Fake Money“-Arrangements mit dem Gambling-Streamer teilgenommen. Dabei soll nach außen der Eindruck entstanden sein, dass Ayezee mit eigenem realem Kapital spiele, obwohl die dafür verwendeten Mittel letztlich vom Casino stammten.

Außerdem spielen Ansem und Banks später eine Rolle beim Onchain-Casino Luck.io. Beide sollen zuvor bereits mit Rollbit zusammengearbeitet haben. Damit zieht sich eine bemerkenswerte Konstante durch fast die gesamte Geschichte: Influencer sind nicht nur Werbung am Rand des Geschäftsmodells, sondern scheinen ein zentraler Bestandteil der Nutzergewinnung gewesen zu sein.

Der schwerste Vorwurf: Probleme bei Auszahlungen

Der größte Teil der Rollbit Files beschäftigt sich allerdings nicht mit der Vergangenheit des Teams, sondern mit aktuellen und ehemaligen Nutzern.

Dabei beschreibt das Dokument ein wiederkehrendes Muster:

Nutzer können zunächst relativ problemlos Geld einzahlen und spielen. Schwierigkeiten entstehen laut den Berichten häufig erst dann, wenn größere Gewinne ausgezahlt werden sollen.

Dann folgen zusätzliche Prüfungen.

Genannt werden unter anderem:

  • Verdacht auf mehrere Accounts
  • Nutzung aus gesperrten Ländern
  • AML- beziehungsweise Geldwäscheverdacht
  • angeblicher Missbrauch bestimmter Märkte
  • zusätzliche KYC-Prüfungen

Teilweise sollen Nutzer nach einer normalen Dokumentenprüfung zusätzlich an Video-Calls teilnehmen und Kontoauszüge, Wallets oder weitere Finanzinformationen zeigen müssen. Die zentrale Kritik des Autors lautet dabei nicht grundsätzlich, dass ein Glücksspielanbieter KYC- oder AML-Kontrollen durchführt. Problematisch sei vielmehr der Zeitpunkt. Kontrollen würden laut den gesammelten Beschwerden teilweise erst durchgeführt, nachdem ein Nutzer größere Gewinne erzielt habe und diese auszahlen wolle.

Ein Fall über rund 200.000 US-Dollar

Besonders ausführlich beschreibt das Dossier einen Fall aus Juni 2026. Ein Nutzer habe nach einer Serie von Blackjack-Spielen einen Kontostand von rund 200.000 US-Dollar sowie zusätzliche ausstehende Rewards erreicht. Der Nutzer spielte laut Darstellung über ein VPN aus einer bei Rollbit eingeschränkten Region. Dies sei während der Zeit, in der er verlor oder ungefähr ausgeglichen spielte, kein Problem gewesen. Erst beim Versuch einer Auszahlung sei eine KYC-Prüfung verlangt und das Konto anschließend gesperrt worden. Zunächst habe Rollbit als Grund die geografischen Einschränkungen genannt. Nach öffentlicher Kritik erklärte Rollbit-Mitgründer Razer laut den im Dokument wiedergegebenen Aussagen jedoch, die ursprüngliche Begründung sei eine Fehlkommunikation gewesen.

Tatsächlich habe ein Drittanbieter den Nutzer wegen möglichen Card Countings markiert; bei weiteren Prüfungen habe man außerdem Hinweise auf einen möglichen Versuch gefunden, mit Dealern zusammenzuarbeiten. Der Autor des Dossiers hält diesen Wechsel der Begründung für unglaubwürdig. Rollbit wiederum stellte damit eine wesentlich schwerwiegendere mögliche Regelverletzung in den Raum. Gerade dieser Fall zeigt auch, warum eine neutrale Einordnung schwierig ist: Die Rollbit Files dokumentieren zwar die unterschiedlichen Aussagen, können letztlich aber nicht unabhängig feststellen, welche Darstellung korrekt ist.

Weitere Nutzer berichten von ähnlichen Problemen

Das Dossier dokumentiert zahlreiche weitere Fälle. Ein chinesischer Nutzer berichtete beispielsweise von rund 4.000 US-Dollar, die nach einer erfolgreichen Serie von Fußballwetten eingefroren worden seien. Zunächst sei nach weiteren Accounts gefragt und später ein Geldwäscheverdacht geäußert worden.

Ein anderer Nutzer berichtet über 3.189 USDC. Nach eigener Darstellung hatte er rund 1.198 US-Dollar eingezahlt und etwa 2.000 US-Dollar Gewinn erzielt. Trotz bereits abgeschlossener Verifikation sei bei der Auszahlung plötzlich der Vorwurf mehrerer Accounts aufgetaucht.

Ein weiterer Fall betrifft einen langjährigen Nutzer, der laut Dokument seit 2023 bei Rollbit aktiv gewesen sein und allein im Sportwettenbereich mehr als 5,5 Millionen US-Dollar umgesetzt haben soll. Nachdem zwei größere Fußballwetten gewonnen wurden, habe eine Auszahlung über rund 29.000 US-Dollar festgehangen. Anschließend sei erneut der Vorwurf mehrerer Accounts aufgetaucht.

Auch deutsche Nutzer tauchen auf. Ein im Dossier als „LucaNotBase“ bezeichneter Nutzer soll sein Konto zu einem Zeitpunkt erstellt haben, als Deutschland noch akzeptiert worden sei. Jahre später habe er sich erneut eingeloggt und ohne Warnung weitergespielt. Nachdem sich ein Guthaben von rund 6.500 US-Dollar angesammelt hatte, sei bei der Auszahlung auf die mittlerweile bestehende geografische Einschränkung verwiesen und das Konto gesperrt worden.

Die Rollbit Files enthalten darüber hinaus zahlreiche Screenshots von Trustpilot, BitcoinTalk und X mit ähnlichen Vorwürfen. Das allein beweist natürlich nicht, dass jede einzelne Beschwerde korrekt ist. Die Anzahl und Ähnlichkeit der Berichte ist allerdings auffällig.

Ist „SmokeyLisa“ Peter Robertson?

Ein weiterer großer Teil des Dossiers beschäftigt sich mit einem früheren Rollbit-Mitarbeiter unter dem Pseudonym SmokeyLisa. Der Autor vermutet dahinter Peter Kerr Robertson.

Robertson taucht gemeinsam mit Daniel Dixon in britischen Unternehmensunterlagen auf und war unter anderem Director bei Interdax. Außerdem betrieb er PKR Hosting, ein Unternehmen, das nach Darstellung des Dossiers eng mit der früheren CSGO-Gambling-Szene verbunden war.

Für die Identifikation von Robertson als SmokeyLisa werden anschließend verschiedene Indizien zusammengetragen: Beide hätten einen starken Bezug zu Schottland, SmokeyLisa habe selbst mehrfach über Schottland geschrieben und Nutzer hätten einen schottischen Akzent beschrieben.

Ein eindeutiger Beweis für die Identität wird im Dokument allerdings nicht präsentiert. Gerade hier ist daher Vorsicht angebracht: Die geschäftlichen Verbindungen Robertsons zu Dixon sind dokumentiert. Die Gleichsetzung mit SmokeyLisa bleibt dagegen eine Schlussfolgerung des Autors.

Auch die Identität von „Razer“ bleibt ungeklärt

Noch spekulativer wird das Dossier bei der Frage, wer hinter Rollbits zweitem Mitgründer Razer steckt. Dabei richtet sich der Blick auf den Entwickler Illya Tyschenko, der zuvor bei Interdax tätig war. Nach Aussagen ehemaliger Teammitglieder sollen am Ende der Interdax-Zeit nur noch Dixon und Tyschenko zum Kernteam gehört haben. Daraus entwickelt der Autor die These, Tyschenko könnte entweder Razer sein oder zumindest detaillierte Kenntnisse über den Übergang von Interdax zu Rollbit besitzen.

Für die Behauptung „Illya = Razer“ gibt es im Dokument jedoch keinen belastbaren Beweis. Sie sollte daher klar von den wesentlich besser dokumentierten Unternehmensverbindungen getrennt werden.

Und dann gibt es noch Luck.io

Die Geschichte endet nicht bei Rollbit. Das Dossier beschäftigt sich außerdem ausführlich mit Luck.io, einem später gestarteten Onchain-Casino auf Solana. Auch dort erkennt der Autor zahlreiche Parallelen: ähnliche Influencer, aggressives Marketing und Personen aus dem Rollbit-Umfeld. Rollbit und Luck.io erklärten laut Dokument öffentlich, Rollbit sei lediglich einer von mehreren Investoren und beide Plattformen würden nicht vom selben operativen Team betrieben.

Im April 2026 kündigte Luck.io schließlich die Einstellung des Betriebs an. Die Rollbit Files behaupten, dass dabei nicht alle ausstehenden Nutzer-Rewards vollständig ausgezahlt worden seien. Auch hier geht der Autor weiter und bezeichnet Luck.io letztlich als weiteres Projekt des Rollbit-Teams. Diese Schlussfolgerung ist allerdings deutlich weniger eindeutig belegt als etwa Dixons Beteiligung an Interdax.

Was ist tatsächlich gut dokumentiert?

Nach 149 Seiten bleibt deshalb vor allem eines wichtig: Man muss zwischen Fakten, Indizien und Vorwürfenunterscheiden. Gut dokumentiert erscheinen unter anderem:

Die britischen Unternehmensverbindungen von Daniel Dixon, die Existenz von Interdax, die Beteiligung verschiedener Personen an diesen Unternehmen, das damalige Produktangebot von Interdax sowie die Wiederverwendung verschiedener Influencer im Umfeld späterer Projekte.

Ebenfalls öffentlich nachvollziehbar ist der CSGO-Diamonds-Skandal rund um m0E und inszenierte Glücksspielergebnisse. Auch die zahlreichen Beschwerden über Rollbit-Auszahlungen existieren und werden im Dossier ausführlich dokumentiert. Was daraus jedoch nicht automatisch folgt, ist, dass jeder einzelne Vorwurf gegen Rollbit korrekt oder jede eingefrorene Auszahlung unberechtigt war.

Wo wird es spekulativ?

Deutlich vorsichtiger sollte man bei einigen anderen Schlussfolgerungen sein.

Dazu gehören insbesondere:

  • SmokeyLisa sei definitiv Peter Kerr Robertson.
  • Illya Tyschenko sei Razer.
  • bestimmte Unternehmen würden Geldwäsche betreiben.
  • Rollbit sei technisch ein Ponzi-System.
  • Luck.io sei zweifelsfrei vom gleichen operativen Team geführt worden.

Für solche Aussagen liefert das Dossier Indizien, teilweise sogar interessante Indizien. Für eine abschließende Feststellung reichen diese aber nicht aus.

Fazit: Ein unangenehmes Bild für Rollbit

Die Rollbit Files sind kein unabhängiger Untersuchungsbericht. Der Autor verfolgt erkennbar das Ziel, Rollbit und mehrere Personen aus dessen Umfeld zu belasten, und verwendet an vielen Stellen entsprechend drastische Sprache. Trotzdem wäre es zu einfach, das gesamte Dokument deshalb als bloßen Angriff abzutun.

Besonders die historische Kontinuität ist bemerkenswert: Personen, Unternehmen, Influencer und Marketingmethoden tauchen über Jahre hinweg immer wieder in ähnlichen Konstellationen auf. Noch relevanter für Nutzer sind allerdings die zahlreichen Berichte über eingefrorene oder beschlagnahmte Guthaben.

KYC- und AML-Prüfungen sind bei Krypto-Plattformen grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Problematisch wäre jedoch ein System, bei dem Verstöße über lange Zeit toleriert werden, solange ein Nutzer Geld einzahlt und verliert, und erst dann konsequent verfolgt werden, wenn größere Gewinne ausgezahlt werden sollen.

Genau dieses Muster versucht der Autor der Rollbit Files auf 149 Seiten zu belegen.

Ob sich daraus tatsächlich systematischer Betrug ableiten lässt, müsste letztlich von Regulierungsbehörden oder Gerichten geklärt werden. Für Nutzer liefert das Dossier aber zumindest einen guten Grund, sich vor größeren Einzahlungen genau damit auseinanderzusetzen, welche rechtliche Gesellschaft das eigene Guthaben tatsächlich hält, welche Gerichtsbarkeit zuständig ist und unter welchen Bedingungen eine Auszahlung verweigert oder ein Konto gesperrt werden kann.

Denn bei einem Offshore-Krypto-Casino ist nicht nur entscheidend, ob eine Einzahlung innerhalb weniger Sekunden funktioniert.

Entscheidend ist am Ende, was passiert, wenn man sein Geld wiederhaben möchte.

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