Vier große Finanz-Podcasts haben seit gestern neue Folgen veröffentlicht: Wall Street mit Markus Koch, Handelsblatt Today, Ohne Aktien wird schwer und Alles auf Aktien. Die wichtigste Erkenntnis: Bei Volkswagen gehen die Meinungen auseinander – die einen sehen eine Trendwende, die anderen nur ein Dividendenpapier. Bei US-Staatsanleihen und dem S&P 500 überwiegt Skepsis.
Auf einen Blick: Empfehlungen und Warnungen
| Asset | Einschätzung | Podcast | Sprecher |
|---|---|---|---|
| Siemens Energy ENR | Kaufen | Alles auf Aktien | Holger Zschäpitz |
| Volkswagen VOW3 | Kaufen | Alles auf Aktien | Holger Zschäpitz |
| CTS Eventim EVD | Kaufen | Alles auf Aktien | Holger Zschäpitz |
| Hyperliquid Strategies | Kaufen | Alles auf Aktien | Ha Duong |
| Vonovia VNA | Meiden | Alles auf Aktien | Hendrik Leber |
| Micron MU | Kaufen (Tendenz) | Wall Street mit Markus Koch | Markus Koch |
| Rohöl | Kaufen (Tendenz) | Wall Street mit Markus Koch | Markus Koch |
| Volkswagen VOW3 | Kaufen (Tendenz) | Handelsblatt Today | Lazar Bakovic |
| BMW BMW | Kaufen (Tendenz) | Handelsblatt Today | Lazar Bakovic |
| Kingfisher KGF | Kaufen (Tendenz) | OHNE AKTIEN WIRD SCHWER | Christoph |
| S&P 500 | Kaufen (Tendenz) | Alles auf Aktien | Holger Zschäpitz |
| S&P 500 | Verkaufen (Tendenz) | Wall Street mit Markus Koch | Markus Koch |
| US-Staatsanleihen | Meiden (Tendenz) | Handelsblatt Today | Judith Henkel |
Alle Folgen und Empfehlungen der letzten Tage findest du in unserem Podcast-Radar.
Was die Podcasts heute bewegt
Einig sind sich die Podcasts beim Thema Volkswagen nur teilweise: Handelsblatt Today hält VW und BMW wegen der Familienbeteiligung und des kleinen Free Floats nicht für klassische Investmenttitel, sondern eher für Dividendenpapiere. Alles auf Aktien sieht bei VW dagegen die Trendwende erreicht und stuft die Aktie als Kaufidee ein. Beim S&P 500 dominiert Vorsicht: Markus Koch warnt vor dünner Marktbreite und einem großen Gap zum Equal Weight, während Alles auf Aktien auf die historische Midterm-Statistik verweist, aber kurzfristige Schwankungen einräumt. US-Staatsanleihen werden nach dem schwächsten Quartal seit 1994 kritisch gesehen. Bei Energie und Rohöl erwarten mehrere Sprecher steigende Preise.
Wall Street mit Markus Koch: Micron liefert den KI-Hammer. Kursgewinne entstehen aber woanders.
Markus Koch sieht ein hohes Abwärtsrisiko für den S&P 500, solange Anleiherenditen und Öl- sowie Dieselpreise nicht sinken. Die Marktbreite sei extrem dünn, das Gap zum Equal Weight groß. Micron überzeugt ihn mit besser als erwarteten Zahlen und sehr hohen Bruttomargen, die Aktie profitiert davon aber zunächst nicht. Für Energie erwartet er wegen des bevorstehenden Winters und möglicher Panikkäufe weiter steigende Preise. Eigene Kauf- oder Verkaufsempfehlungen spricht er nicht aus.
Empfohlen
Koch nennt Microns Zahlen entschlossen und überzeugend besser als erwartet und verweist auf extrem hohe Bruttomargen, obwohl die Aktie zunächst nicht profitiert.
Zitat & Begründung
„Die Tatsache ist einfach, dass das, wie JP Morgan richtig gesagt hat, entschlossen und überzeugend höher und besser als erwartet.“
- EPS, Umsatz und Bruttomarge übertrafen die Erwartungen deutlich.
- Auch die Aussichten für das laufende Quartal liegen über den Schätzungen.
- Die Aktie sinkt dennoch, was Koch als merkwürdig hervorhebt.
Koch erwartet, dass der bevorstehende Winter und mögliche Panikkäufe den Energiebedarf und damit die Ölpreise weiter nach oben treiben.
Zitat & Begründung
„Das kann auch noch mal die Preise hier weiter mit nach oben treiben.“
- China storniert Exporte von weiterverarbeiteter Energie für die heimische Industrie.
- Der Winter erhöht den Energiebedarf in der westlichen Welt.
- Panikkäufe könnten die Preise weiter nach oben treiben.
Abgeraten
Koch warnt, dass die dünne Marktbreite und das große Gap zum Equal Weight ein hohes Risiko für eine Abwärtsauflösung bergen, solange Anleiherenditen und Energiepreise nicht sinken.
Zitat & Begründung
„solange wir keine Beruhigung sehen bei den Renditen der Anleihen und beim Öl- und den Dieselpreisen bleibt das Risiko eben doch sehr groß, dass dieses Gap durchaus auch nach unten aufgelöst werden kann.“
- Das Gap zwischen S&P 500 und Equal Weight ist derzeit ungewöhnlich groß.
- Steigende Anleiherenditen und Energiepreise setzen viele Einzelwerte unter Druck.
- Koch sieht das Risiko, dass sich die Lücke nach unten auflöst.
Handelsblatt Today: VW: Mit Mehrarbeit aus der Krise? / Wirtschaftsweise Monika Schnitzer zur Pflegereform
Handelsblatt-Redakteurin Judith Henkel sieht US-Staatsanleihen nach dem schwächsten Quartal seit 1994 kritisch und fragt, ob man eher auf einen hoch verschuldeten Staat oder auf KI-Unternehmen setzen sollte. Mobilitätsexperte Lazar Bakovic hält VW und BMW wegen der Eigentümerfamilien und des geringen Free Floats nicht für Investmenttitel, als Dividendenaktien aber für interessant. Längere Arbeitszeiten könnten bei VW nur dort Kosten senken, wo ohnehin Mehrarbeit anfällt. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer und Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Mattes kritisieren vertagte Pflege- und Rentenreformen sowie ein Potenzialwachstum von 0,1 Prozent, ohne konkrete Anlageempfehlungen zu geben.
Empfohlen
Bakovic hält VW wegen der Eigentümerfamilie Porsche/Piech und des geringen Free Floats nicht für einen klassischen Investmenttitel, als Dividendenaktie aber für durchaus interessant.
Zitat & Begründung
„Deswegen sind die jetzt für Investoren ohnehin, würde ich sagen, als Dividendentitel durchaus interessant, aber halt jetzt nicht so sehr irgendwie als Investment.“
- VW hat in diesem Jahr rund ein Drittel des Kurswerts verloren.
- Die Familie Porsche/Piech bindet viel Kapital, der Free Float ist gering.
- Für ihn daher eher ein Dividendentitel als ein Investment.
Auch BMW sieht Bakovic wegen der Familienbeteiligung der Quandts und des kleinen Free Floats nicht als Investmenttitel, sondern eher als Dividendenpapier.
Zitat & Begründung
„Jetzt sind die deutschen Autokonzerne, namentlich vor allen Dingen Volkswagen und BMW, insofern noch Special Animals, weil da gibt es ja Eigentümerfamilien“
- Die BMW-Aktie hat laut Bakovic in diesem Jahr rund 40 Prozent verloren.
- Die Familie Quandt bindet einen großen Teil der Aktien, der Free Float ist klein.
- Damit sei BMW kein klassischer Investment-, sondern eher ein Dividendentitel.
Abgeraten
Nach dem schwächsten Quartal seit 1994 mit über 5,3 Prozent Rendite zweifelt Henkel, ob man auf einen hoch verschuldeten Staat statt auf KI-Unternehmen mit besserer Zukunftsaussicht setzen sollte.
Zitat & Begründung
„Und na ja, auf was will man wetten? Ein verschuldeter Staat oder KI Unternehmen, die vielleicht noch ja eine bessere Zukunftsaussicht haben?“
- Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg um 0,87 Punkte auf über 5,3 Prozent – stärkster Anstieg in einem dritten Quartal seit 1994.
- Als Gründe nennt sie Zinserwartungen, Energiekosten, die US-Verschuldung von über 40 Billionen Dollar und KI-Anleiheemissionen.
- Daraus leitet sie rhetorisch ab, dass KI-Unternehmen die bessere Perspektive bieten könnten als Staatsanleihen.
OHNE AKTIEN WIRD SCHWER: 50% pro Jahr mit Social-Media-Trading, Accenture, Broadcom Zirkel-Deals, Kingfisher
Christoph hält den britischen Baumarktkonzern Kingfisher für einen spannenden Fall: Das Handwerkergeschäft Screwfix wachse auf vergleichbarer Fläche um mehr als 5 Prozent, Eigenmarken und Marktplatz stützten die Marge. Die Bewertung liege bei rund dem Zwölffachen des erwarteten Gewinns, dazu 3,5 Prozent Dividendenrendite und Aktienrückkäufe. Als Risiken nennt er höhere Lieferantenpreise und den angekündigten, noch ungeklärten CEO-Wechsel. Eine explizite Kaufempfehlung spricht er nicht aus. Der übrige Teil der Folge ist ein Nachrichtenüberblick ohne eigene Wertung sowie die Zusammenfassung des Buchs "Unknown Market Wizards" über den Trader Chris Camino.
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Christoph sieht Kingfisher als wenig beachteten Value-Titel: wachsendes Handwerkergeschäft (Screwfix), margenstarke Eigenmarken und Marktplatz, rund 12-faches Gewinn bei 3,5 % Dividende – bei Risiken durch Lieferantenpreise und CEO-Wechsel.
Zitat & Begründung
„Klingt recht positiv, gibt aber auch paar Risiken.“
- Handwerker stehen für fast ein Drittel des Umsatzes; Screwfix wuchs auf vergleichbarer Fläche über 5 %, während der britische Markt leicht schrumpfte.
- Eigenmarken machen fast 45 % des Umsatzes, der Marktplatz bringt 10–15 % Provision; Bewertung rund zwölffaches Gewinn plus 3,5 % Dividendenrendite.
- Risiken: Lieferanten wollen höhere Preise durchsetzen, der CEO geht nächstes Jahr und ein Nachfolger steht noch nicht fest – daher keine klare Kaufempfehlung.
Alles auf Aktien: Die 4 Aktien-Ideen des AAA-Summit-Dinners und der Midterm-Effekt
Beim Vorabend-Dinner des Triple-A-Summit kürte jeder Tisch eine Aktien-Idee: Siemens Energy wegen Energiewende und KI-Rechenzentren, Volkswagen wegen der erwarteten Trendwende nach den Sparmaßnahmen und CTS Eventim, weil Verbraucher in schwierigen Zeiten Geld für Events ausgeben. Fondsmanager Ha Duong schlägt Hyperliquid Strategies als HYPE-Horter vor, weist aber auf drohende Verwässerung durch neue Aktien bis 2,5 Mrd. US-Dollar hin. Hendrik Leber lehnt Vonovia wegen Regulierung und Zinsrisiko ab. Zum Midterm-Effekt verweisen die Moderatoren auf JP Morgans Statistik: 19 von 19 Zwischenwahlen seit 1950 brachten dem S&P 500 im Folgejahr Gewinne, kurzfristig sei aber mit Schwankungen zu rechnen. Rücksetzer sehen sie als Einstiegschance, vom Traden der Wahl raten sie ab.
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Kein Geheimtipp mehr, aber mit Momentum aus Energiewende und KI-Rechenzentrums-Boom; Analysten sehen im Schnitt noch 35 Prozent Aufwärtspotenzial.
Zitat & Begründung
„kein Geheimtipp, aber natürlich wirklich eine Aktie, die weiter viel Momentum hat, weil sie gleich von mehreren Trends profitiert.“
- Ein Tisch einigt sich auf Siemens Energy als gemeinsame Triple-A-Idee.
- Die Aktie profitiert gleichzeitig von Energiewende und dem KI-Rechenzentrums-Boom.
- Die meisten Analysten raten weiter zum Kauf und sehen rund 35 Prozent Aufwärtspotenzial.
Eckerts Tisch sieht die Trendwende erreicht, weil der Betriebsrat Sparmaßnahmen zustimmte und das Chinageschäft abgeschrieben ist; die Aktie sei zu stark abgestraft.
Zitat & Begründung
„Bei VW ist jetzt die Trendwende erreicht, weil es einen revolutionären Durchbruch gegeben hat“
- Eckerts Tisch sieht bei VW die Trendwende erreicht, weil der Betriebsrat echten Sparmaßnahmen zustimmte.
- Das Chinageschäft sei abgeschrieben, die negativen Effekte bereits voll eingepreist.
- Der Tisch hält VW für übermäßig verprügelt; Sprecher 2 widerspricht bei der Software-These.
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten geben Verbraucher Geld für Events und Konzerte aus – kleiner Eskapismus; der schnelle CFO-Abgang bleibt ein Risiko.
Zitat & Begründung
„grade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten würden die Verbraucher Geld für Events oder Konzerte ausgeben, sone Art kleiner Eskapismus aus dem Alltag.“
- Die Tisch-Idee setzt auf Events und Konzerte als eine Art kleinen Eskapismus.
- Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten gäben Verbraucher dafür Geld aus.
- Risiko bleibt der überraschende CFO-Rücktritt und die hohe Fluktuation in der Finanzspitze.
Fondsmanager Ha Duong schlägt den HYPE-Horter Hyperliquid Strategies vor, doch drohende Verwässerung durch neue Aktien bis 2,5 Mrd. Dollar belastet.
Zitat & Begründung
„er schlug Hyperliquid Strategies vor. Ist ein Unternehmen, das nur einen einzigen Coinhort ist, son bisschen wie die Micro Strategy“
- Ha Duong schlägt Hyperliquid Strategies als Triple-A-Idee vor.
- Das Unternehmen hält 35,1 Mio. HYPE-Token im Wert von rund 3,2 Mrd. Dollar, ist selbst aber unter 3 Mrd. wert.
- Sprecher 2 warnt vor Verwässerung durch neue Aktien für bis zu 2,5 Mrd. Dollar.
Historisch lag der S&P 500 ein Jahr nach Midterms 19 von 19 Mal im Plus; Rücksetzer sehen die Moderatoren als Einstiegschance, vom Traden der Wahl raten sie ab.
Zitat & Begründung
„Rechnet in den nächsten Wochen mit mehr Schwankungen und seht Rücksetzer eher als Einstiegschance, denn die Geschichte ist ziemlich eindeutig.“
- Nach allen 19 Zwischenwahlen seit 1950 lag der S&P 500 ein Jahr später im Plus, im Schnitt 14,6 Prozent.
- Kurzfristig fiel der Markt nach Wahlen aber häufiger ins Minus, 2002 nach drei Monaten über 8 Prozent.
- Deshalb raten die Moderatoren vom Traden der Wahl ab und sehen Rücksetzer als Einstiegschance.
Abgeraten
Hendrik Leber will keine Aktien, die politisch stark reguliert sind und ein hohes Zinsrisiko bergen – deshalb keine Vonovia im Depot.
Zitat & Begründung
„nee, er würde keine Aktien haben wollen, die politisch so stark reguliert sind und auch noch ein solches Zinsrisiko bergen.“
- Hendrik Leber lehnt Vonovia als politisch stark regulierte Aktie ab.
- Zusätzlich bestehe ein erhebliches Zinsrisiko.
- Der Tisch einigte sich deshalb auf eine andere Aktie.
Fazit
Die Podcasts zeigen kein einheitliches Bild: Während Alles auf Aktien bei VW und Siemens Energy klare Kaufideen formuliert, bremsen Handelsblatt Today und Markus Koch bei US-Staatsanleihen und dem S&P 500. Bei Micron und Kingfisher bleiben die Sprecher vorsichtig, obwohl sie die Fundamentaldaten positiv sehen. Anleger sollten beachten, dass es sich bei allen genannten Einschätzungen um die Meinungen der Podcast-Sprecher handelt, nicht um Tatsachen oder Empfehlungen der Redaktion.
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