Kraken startet Optionen in der EU: BTC und ETH, aber nur nach Fragebogen

Kraken startet Optionen in der EU: BTC und ETH, aber nur nach Fragebogen

Kraken hat am 26. Oktober 2026 Optionen auf Bitcoin und Ethereum für Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum freigeschaltet. Der Zugang läuft über die CySEC-regulierte Einheit Payward Europe Digital Solutions (CY) Limited und ist an einen Eignungsfragebogen geknüpft. Für dich als Trader ändert sich damit vor allem eines: Du kannst künftig auf Volatilität und Zeit setzen, nicht nur auf den Kurs.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kraken bietet seit 26. Oktober 2026 Optionen auf BTC und ETH in der EEA an
  • Zugang nur nach Eignungsfragebogen und TIN, gehandelt wird über die CySEC-Einheit
  • Portfolio Margin ist standardmäßig aktiv – Verrechnungseffekte können Verluste verstärken

Was Kraken in der EEA genau anbietet

Laut dem offiziellen Kraken-Blog sind die Optionen europäisch, cash-settled und in US-Dollar linear notiert. Zum Start gibt es Kontrakte auf BTC (XBT/USD) und ETH (ETH/USD). Laufzeiten bietet Kraken wöchentlich, monatlich, quartalsweise und halbjährlich an.

Europäisch bedeutet: Die Option lässt sich nur am Verfallstag ausüben, nicht vorher. Cash-settled heißt, dass am Ende kein Bitcoin oder Ether geliefert wird, sondern ein Ausgleich in US-Dollar erfolgt. Wer physische Lieferung erwartet, wird hier nicht fündig.

Wer sich vor dem Einstieg einen Überblick über die Plattform verschaffen will, findet im Kryptobörsen-Vergleich 2026 Gebühren und Lizenzen der großen Anbieter. Wie du BTC und ETH dort konkret orderst, steht in unserer Anleitung zu Bitcoin kaufen 2026 und in Ethereum kaufen 2026.

Volatilität und Zeit als zweite und dritte Dimension

Kraken erklärt den Unterschied zu Futures so: Futures geben dir eine Dimension, nämlich den Preis. Optionen geben dir drei – Preis, Volatilität und Zeit. Wer eine Bewegung erwartet, aber keine Richtung festlegen will, kann das über eine Optionsstrategie abbilden.

Der zweite beworbene Vorteil ist das Hedging: Du kannst eine bestehende Position absichern, ohne sie zu verkaufen. Als Käufer einer Option ist dein maximaler Verlust auf die gezahlte Prämie begrenzt – das ist ein struktureller Unterschied zu gehebelten Futures, bei denen Nachschüsse fällig werden können. Das gilt aber nur für die Long-Seite. Wer Optionen verkauft, trägt ein anderes Risikoprofil.

Ein Konto, ein Wallet, gemeinsames Kollateral

Kraken führt Spot, Futures und Optionen in einem Wallet zusammen, das Kollateral wird gemeinsam genutzt. Die Prämie wird laut Kraken nicht vollständig im Voraus bezahlt, stattdessen wird der Gewinn oder Verlust gegen das Kollateral mark-to-market verrechnet. Das ähnelt dem Margining bei Futures.

Portfolio Margin ist standardmäßig aktiviert. Gegenläufige Positionen reduzieren dadurch den Margin-Bedarf. Kraken verkauft das als Effizienzgewinn. Kritisch betrachtet ist es aber auch ein Hebel: Wer sich auf die Verrechnung verlässt, unterschätzt womöglich, wie schnell sich Verluste in einer scharfen Bewegung ausweiten. Eine unabhängige Kritik an dieser Standardeinstellung war in den öffentlich auffindbaren Quellen nicht zu finden – das heißt nicht, dass es sie nicht gibt.

Zugang nur nach Fragebogen und mit Steuernummer

Der Handel ist nicht für alle Kunden sofort offen. Kraken verlangt einen Eignungsfragebogen auf der Plattform sowie eine Steueridentifikationsnummer (TIN). Das gilt laut Kraken-Support für neue Futures- und Derivativkunden in der EEA und wird beim Options-Start erneut genannt.

Hintergrund ist die Regulierung: Kraken wickelt diese Derivate über Payward Europe Digital Solutions (CY) Limited ab, die über eine MiFID-Lizenz der CySEC verfügt (Nummer 342/17). Damit laufen die Optionen auf einem regulierten Handelsplatz. Wie viele Kunden nach der Prüfung tatsächlich freigeschaltet werden, veröffentlicht Kraken nicht – dazu gibt es keine Zahlen.

Die Medienresonanz ist dünn, die Erzählung kommt von Kraken

CoinDesk berichtete im Juli 2026, Kraken wolle mit einfacheren, in US-Dollar abgerechneten Optionen den Zugang zu Krypto-Derivaten verbreitern. Auch CryptoBriefing und AMBCrypto griffen die Linie auf, komplexitätsärmere Produkte für professionelle Trader zugänglicher zu machen.

Der Satz von den drei Dimensionen stammt allerdings aus Kraken-eigener Kommunikation, nicht von unabhängigen Beobachtern. Belastbare Marktstudien, die belegen, dass vereinfachte Optionen tatsächlich neue Nachfrage freisetzen, waren in der Recherche nicht auffindbar. Breite Nutzerreaktionen speziell auf den EEA-Start vom 26. Oktober 2026 ließen sich ebenfalls nicht finden. Wer den Launch einordnen will, sollte diese Lücke im Hinterkopf behalten.

Was bei Kraken schon vorher kritisiert wurde

In Nutzerforen tauchen rund um Kraken wiederkehrend Beschwerden über schwachen Support, eine komplexe Oberfläche und Kontoprüfungen auf. Diese Beiträge sind eine Auswahl, keine Auszählung, und sie beziehen sich nicht auf die Optionen. Für die Frage, wie reibungslos der Derivatenhandel für neue Kunden läuft, sind sie trotzdem ein Hinweis.

Wer Optionen nutzen will, sollte vorher klären, wie er im Ernstfall Unterstützung bekommt. Ein Blick in unseren Kryptobörsen-Vergleich 2026 zeigt, wie sich Kraken bei Gebühren und Lizenzen gegenüber Bitpanda, Coinbase und Bybit EU positioniert. Wie du dort ein Konto eröffnest und erste Coins orderst, erklärt unsere Anleitung zu Kryptowährungen kaufen 2026.

Wenn du die Optionen direkt bei Kraken ausprobieren willst, geht es hier zum Anbieter: Kraken im Kryptobörsen-Vergleich 2026.

Unsere Einschätzung

Was dafür spricht

  • Optionen erlauben Hedging ohne Verkauf der zugrunde liegenden Position
  • Als Käufer ist der maximale Verlust auf die Prämie begrenzt
  • Regulierte Abwicklung über eine CySEC-lizenzierte Einheit mit MiFID-Lizenz

Was dagegen spricht

  • Portfolio Margin ist standardmäßig aktiv und kann Verluste über Verrechnungseffekte verstärken
  • Zugang nur nach Eignungsfragebogen und TIN – die tatsächliche Reichweite ist unklar
  • Die Vorteile werden vor allem von Kraken selbst beworben, unabhängige Belege für neue Nachfrage fehlen
  • Nutzerberichte zu Kraken nennen wiederholt Support- und UI-Probleme

Worauf du achten solltest

  • Ob Kraken Zahlen zur Nutzung der EEA-Optionen veröffentlicht – bislang keine Angaben
  • Wie sich der Margin-Bedarf bei aktivierter Portfolio Margin in scharfen Marktbewegungen entwickelt
  • Ob weitere Underlyings neben BTC und ETH angekündigt werden

Fazit

Kraken liefert ein sauber reguliertes Produkt, das Hedging ohne Verkauf möglich macht – ein echter Zugewinn für erfahrene Trader. Die Standardeinstellung für Portfolio Margin solltest du aber bewusst prüfen, statt sie zu übernehmen. Und die Erzählung, einfachere Optionen würden den Markt öffnen, ist bislang eine These des Anbieters. Belege für eine breite Nachfrage fehlen weiterhin.

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