Der Krypto-Markt hat seit dem Abend des 21. Oktober rund 133 Mrd. US-Dollar an Wert verloren. Bitcoin fiel in der Nacht zum 22. Oktober auf 80.513 Dollar – und damit auf den Einstandspreis vieler ETF-Käufer. Ein klassischer Crash ist das aber nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Gesamtmarkt verlor seit dem 21. Oktober rund 133 Mrd. Dollar, Bitcoin nur etwa 5 Prozent vom Hoch.
- Der steilste Rückgang fiel mit dem Ausverkauf bei US-Tech-Aktien und dem Ölpreis zusammen.
- Größtes Risiko: Fällt Bitcoin dauerhaft unter 80.000 Dollar, könnten weitere ETF-Abflüsse folgen.
Der Gesamtmarkt verliert 133 Milliarden Dollar
Nach Daten von CoinMarketCap fiel der Gesamtwert aller Kryptowährungen vom Hoch am 21. Oktober um 20:30 Uhr MESZ bei 2.833 Mrd. Dollar auf zuletzt rund 2.700 Mrd. Dollar. Das sind etwa 133 Mrd. Dollar oder minus 4,7 Prozent.
Auf 24 Stunden gerechnet verlor Bitcoin nur rund 1 Prozent. Seit dem Monatshoch am 2. Oktober summiert sich der Rückgang im Gesamtmarkt auf rund 250 Mrd. Dollar.
Bitcoin fällt auf 80.513 Dollar – die Marke der ETF-Käufer
Bitcoin notierte in der Nacht zum 22. Oktober zeitweise bei 80.513 Dollar (Binance, zwischen 1 und 2 Uhr MESZ). Aktuell steht die älteste Kryptowährung bei rund 80.750 Dollar oder 72.065 Euro.
Das sind etwa 5 Prozent unter dem Hoch von 84.898 Dollar am 21. Oktober. Auf 24-Stunden- und Wochenbasis liegt Bitcoin jeweils rund 1 Prozent im Minus. Seit Mitte Oktober pendelt der Kurs zwischen 80.000 und 85.000 Dollar.
Bei rund 80.000 Dollar liegt ungefähr der Einstandspreis der ETF-Käufer und der Unternehmen mit Bitcoin in der Bilanz. Wie genau diese Marke ist, dazu gibt es unterschiedliche Angaben: Glassnode nennt laut CoinDesk 82.313 Dollar, Cointelegraph rund 81.000 Dollar, andere Stimmen rund 80.200 Dollar.
Die Altcoins fielen stärker: Ethereum verlor seit dem Hoch rund 6 Prozent auf etwa 2.377 Dollar, Solana rund 7 Prozent auf 102 Dollar, XRP rund 8 Prozent auf 1,285 Dollar. BNB hielt sich besser.
Der steilste Abschnitt fiel mit dem Tech-Ausverkauf zusammen
Der stärkste Rückgang im Gesamtmarkt fiel auf den 22. Oktober zwischen 3:30 und 4:30 Uhr MESZ: rund 40 Mrd. Dollar in einer Stunde. Das war asiatischer Handel – und zeitgleich mit dem Ausverkauf bei US-Tech-Aktien.
Der Nasdaq 100 verlor am 22. Oktober 2,9 Prozent, so viel wie seit Juni nicht mehr. Meta fiel um 7 Prozent, Nvidia um 4,4 Prozent. Auslöser waren die Quartalszahlen von Meta und Tesla sowie wachsende Zweifel an der Rendite der KI-Investitionen, wie Reuters berichtet.
Auch Gold war kein sicherer Hafen: Am 23. Oktober fiel der Preis erstmals seit Juli unter 4.000 Dollar. Der Fear & Greed Index sank von 68 („Greed“) auf 50 („Neutral“).
Öl bei 116 Dollar: Iran-Sorgen treiben die Inflation
Brent schloss am 23. Oktober bei 116,72 Dollar, plus 3,1 Prozent am Tag und der höchste Schlusskurs seit Ende April. WTI lag bei 103,27 Dollar.
Einen neuen Angriff gab es nicht. Die New York Times berichtete am 21. Oktober, die USA und Israel planten neue Angriffe nach den Midterms am 3. November. Laut ABC sagt das Weiße Haus, vor der Wahl werde nicht angegriffen. Dazu kamen Angriffe der Huthi auf Saudi-Arabien, darunter auf das Ölfeld Shaybah.
Für Anleger zählt weniger die Schlagzeile als die Folge: Hohe Ölpreise halten die Inflationserwartungen oben. Laut Universität Michigan liegen sie auf ein Jahr bei 4,7 Prozent. Der Leitzins der Fed liegt nach der Erhöhung im September bei 3,75 bis 4,00 Prozent.
ETF-Abflüsse: 635,6 Millionen Dollar an einem Tag
Am 22. Oktober flossen laut Farside 635,6 Mio. Dollar aus den US-Spot-Bitcoin-ETFs – der größte Tagesabfluss seit dem 25. Juni, wie CoinDesk berichtet. Davon entfielen 254 Mio. Dollar auf IBIT und 218 Mio. Dollar auf FBTC.
Am 23. Oktober kamen weitere 137,9 Mio. Dollar hinzu. Über die Woche bleibt trotzdem ein Nettozufluss von 301 Mio. Dollar. Die Ethereum-ETFs verloren am 22. Oktober 110,6 Mio. Dollar.
Hebel verstärkt den Rutsch, aber es war kein Crash
Laut CoinGlass wurden innerhalb von 24 Stunden bis zum 22. Oktober, 19:15 Uhr MESZ, 458 Mio. Dollar an gehebelten Positionen zwangsweise geschlossen. 91 Prozent davon waren Long-Positionen, also Wetten auf steigende Kurse.
Die größte einzelne Liquidation war ein Bitcoin-Long über 11,78 Mio. Dollar bei Binance. Bei einem echten Crash geht es um Milliarden – diese Größenordnung ist deutlich kleiner.
Einige Marktbeobachter sehen den ETF-Einstandspreis bei rund 81.000 Dollar als Testmarke; falle der Kurs darunter, seien Kurse um 75.000 Dollar möglich (Cointelegraph mit Glassnode-Daten). Andere bezweifeln, dass die Erholung hält. QCP Capital sieht laut WuBlockchain den Stress bei der Finanzierung von KI-Rechenzentren auf Krypto übergreifen.
Gegenstimmen: Kapitalzufluss und historisch normale Tiefs
Ki Young Ju von CryptoQuant sah am 21. Oktober frisches Kapital wie in einem Bullenmarkt. Ryan Detrick von der Carson Group nennt Tiefs Ende Oktober historisch normal. Seit dem 1. Juli liegt Bitcoin rund 39 Prozent im Plus.
Dagegen spricht eine Auswertung von Farside: Nach Abflusstagen über 300 Mio. Dollar stand Bitcoin im Schnitt 7, 30 und 90 Tage später tiefer. Die Basis ist mit 22 Fällen allerdings klein.
Was das für deutsche Anleger bedeutet
Rund 72.000 Euro pro Bitcoin – wer über das Sparkassen-Angebot einsteigt, zahlt 0,99 Euro pro Order, hält die Coins aber nicht selbst. Wer direkt kauft, sollte Gebühren und Verwahrung vergleichen, etwa im Kryptobörsen-Vergleich oder in der Anleitung zum Bitcoin-Kauf.
Wichtig für Panikverkäufe: Die einjährige Haltefrist macht Gewinne nach einem Jahr steuerfrei. Wer jetzt verkauft, verliert diesen Vorteil.
Hebelprodukte beschleunigen Verluste – 91 Prozent der Liquidationen waren Longs. Wer mit Hebel handelt, sollte die Schwelle kennen, ab der die Position zwangsweise geschlossen wird.
Unsere Einschätzung
Was dafür spricht
- Bitcoin liegt seit dem 1. Juli rund 39 Prozent im Plus – der langfristige Trend ist intakt.
- Die ETF-Abflüsse sind über die Woche netto positiv: 301 Mio. Dollar Zufluss.
- Die Liquidationen von 458 Mio. Dollar sind weit von Crash-Niveau entfernt.
Was dagegen spricht
- Fällt Bitcoin dauerhaft unter 80.000 Dollar, könnten weitere ETF-Abflüsse folgen.
- Hohe Ölpreise und Inflationserwartungen von 4,7 Prozent sprechen gegen schnelle Zinssenkungen.
- Ungeprüfte Zahlen aus sozialen Netzwerken verzerren das Bild – prüfe Kurse und Abflüsse an der Quelle.
- Nach Abflusstagen über 300 Mio. Dollar stand Bitcoin historisch 7, 30 und 90 Tage später tiefer – bei kleiner Datenbasis.
Worauf du achten solltest
- Zinsentscheid der Fed am 28. Oktober um 19:00 Uhr MEZ – Signale zu weiteren Erhöhungen.
- EZB-Zinsentscheid und US-Inflationsdaten (PCE) am 29. Oktober um 13:30 Uhr MEZ.
- US-Midterms am 3. November – danach wären laut NYT neue Angriffe auf Iran möglich.
- Ob Bitcoin die Marke von 80.000 Dollar hält oder ob weitere ETF-Abflüsse über 300 Mio. Dollar folgen.
Fazit
Der Krypto-Rutsch war ein Risikoabbau, kein Crash – die 140-Mrd.-Dollar-Zahl aus einer ungeprüften X-Story überzeichnet das Bild. Wer jetzt verkauft, verliert die einjährige Haltefrist und damit den Steuervorteil. Entscheidend ist, ob Bitcoin die 80.000-Dollar-Marke hält: Darunter drohen weitere ETF-Abflüsse. Am 28. Oktober zeigt der Fed-Entscheid, ob der Gegenwind aus Öl und Inflation nachlässt.
Jetzt bei Bitpanda starten
Hinterlasse jetzt einen Kommentar