Silber hat zum Wochenende erstmals in seiner Geschichte die Preismarke von 100 U-Dollar pro Feinunze geknackt. Wie ist die spürbar steigende Nachfrage für Silber zu erklären und was erwarten Analysten für 2026?
Erst war es Gold, dann folgte Kupfer und aktuell ist Silber an der Reihe: Mit rund 50 Prozent Plus seit dem Jahreswechel ist die Preiskurve von Silber auf jetzt 107 US-Dollar pro Feinunze gestiegen. Historische Rekordpreise waren zuvor auch schon für Gold und Kupfer notiert worden, dort flachen Zugewinne allerdings ab. So rückt derzeit Silber in den Fokus von Anlegern und Hintergrundinformationen sind wichtiger als je zuvor:
– Silber erfüllt in der Industrie wichtige Zwecke und ist dabei häufig unersetzlich. Im Bereich der Solarenergie wird Silber beispielsweise für leitfähige Pasten benutzt, beim Autobau findet sich das Edelmetall von Elektronik bis Batterie wieder, in der Medizin hat es sich in antibakteriellen Beschichtungen bewährt. Gut die Hälfte der weltweiten Silberproduktion wird durch industrielle Nachfrage aufgebraucht – zum Vergleich: Bei Gold sind es nur gut zehn Prozent.
– Etwa 20 Prozent des jährlich gewonnenen Silbers gehen Richtung Schmuck und andere Silberwaren. Weitere 20 bis 30 Prozent der Jahresproduktion von Silber dienen der Herstellung von Barren und Münzen. Diese Form ist dann typisch, wenn Silber als Anlage gedacht ist – hat aber ihre Tücken
– Experten bezifferten die Nachfrage in 2025 auf gut 1,1 Milliarden Unzen Silber. Doch gefördert wird deutlich weniger und zudem hat Silber eine geringe Recyclingquote. Das „Silver Institute“ misst seit 2021 mehr Bedarf nach Silber als Produktion und spricht von einem „strukturellen Defizit“, welches 2025 mehr als 100 Millionen Feinunzen betrug. Ein Trendwechsel zeichnet sich hier nicht ab, denn viele Silberminen bräuchten dringend ein Update und neue Produktionsstätten sind rar gesät.
– Über die letzten zwölf Monate ist der Silberpreis um 211 Prozent explodiert. E-Autos brauchen mehr Silber als Verbrenner, Solarenergie ist auf dem Vormarsch, auch in Mobiltelefonen, Tablets und Computern ist das Edelmetall verbaut. Die industrielle Nachfrage wächst in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter und es dürfen sich die Marktteilnehmer freuen, die Silber vorausschauend eingelagert haben.
– Trotzdem sehen Fachleute Risiken für ein Ende der Silber Rallye. Die extreme Preissteigerung könnte Gewinnmitnahmen und Korrekturen provozieren, ein Rückfall auf 70 bis 85 US-Dollar pro Feinunze wäre keine Überraschung.
– Auch ein stärkerer US-Dollar und/oder höhere Leitzinsen könnten die Situation entscheidend ändern, Silber wäre als Anlageklasse dann weniger attraktiv. Doch kurz- und mittelfristig sind in den USA unter Präsident Donald Trump Zinssenkungen erwartet, die den Dollar tendenziell weiter schwächen.
– Falls die Weltwirtschaft einbricht, dürfte auch der Bedarf an Silber schrumpfen, weil die Industrie dann weniger bestellt. Aber wenn Rezession eintritt, kommen alle Märkte ins Schwimmen und nicht nur die für Silber.
– Die Prognosen für 2026 bleiben optimistisch: Die Citigroup sieht Silber in der Position, auch in diesem Jahr Gold in der Preisentwicklung zu schlagen. Alan Hibbard, Experte für Edelmetalle, hält Silberpreise von 150 US-Dollar und mehr in 2026 für möglich, bei Bullish-Konsens wird das Preisziel auf 150 bis 170 US-Dollar gesetzt. Skeptiker haben bei der HSBC Bank die Mehrheit und sehen eine Angleichung von Nachfrage und Angebot vorher, was den Silberpreis auf etwa 75 US-Dollar drücken soll.
Wie Du clever in Silber investierst und einen Anfängerfehler vermeidest
Ähnlich wie bei Gold neigen Privatanleger dazu, Silber in physischer Form in ihr Portfolio einzufügen. Doch auf der anderen Seite ist es derzeit gar nicht so einfach, Silberbarren und -münzen wieder zu Geld zu machen. Aus unserem Umfeld können wir Medienberichte bestätigen, dass man momentan bis zu 30 Prozent Preisabschlag einkalkulieren muss beim Verkauf physischen Silbers. Dem gehst Du mit einem Investment in einen Silber ETF aus dem Weg. Mit Gebühren von unter 0,50 Prozent sind Silber ETCs wie Invesco Physical Silver oder WisdomTree Physical Silver konkurrenzfähig aufgestellt und bei ihnen lagert das Edelmetall physisch. Mit Aktien von Minenbetreibern wie Pan American Silver kannst Du Renditechancen erhöhen, nimmst aber auch mehr Risiken in Kauf. Wir Silber kaufen möchte kann das zum Beispiel bei Bitpanda machen.
Fazit: Silber boomt – gutes Zeichen auch für Altcoins?
In der Kryptoszene machen in diesen Tagen Vergleiche die Runde, die aus den Rekordpreisen für Silber das Vorzeichen für eine Altcoin Saison herauslesen. Genau jetzt schichten Investoren demnach Gewinne aus Gold zu Silber um. Daraus ergäbe sich eine Dynamik wie im Verhältnis zwischen Bitcoin und Altcoins. Wenn Bitcoin saisonale Hochs erreicht, richten Anleger mit dortigen Gewinnen ihre Aufmerksamkeit in die Sparte Altcoins und sorgen so dort für Aufwärtsschwung. So zumindest lautet die These, die sich aber bislang nicht erfüllt. In einem nervösem Kryptomarkt verlieren derzeit Altcoins noch deutlicher an Wert als Bitcoin. Übertragen auf Edelmetalle würde dies eher bedeuten, dass bei einem Einknicken des Goldpreises Silber ebenfalls brutal unter die Räder kommt. Doch eins scheint sicher: Edelmetalle bleiben für risikobereite Anleger in 2026 ein Topthema, bei dem für Silber echte Einsatzzwecke in Industrie und Kunstgewerbe sprechen und ein daraus resultierendes Ungleichgewicht zwischen Produktion und Bedarf.
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