Ethereum: Gründer Buterin fordert „bessere“ Stablecoins

Im Ökosystem von Ethereum sind Stablecoins ein entscheidender Grundpfeiler, gut 160 Milliarden US-Dollar sind durch Tether, USDC und Co. vertreten. Doch Ethereum Gründer Vitalik Buterin sieht Reformbedarf.

Ethereum Mastermind Vitalik Buterin tritt immer häufiger als eine Art Krypto-Philosoph auf, der weit in die Zukunft anstatt auf das Tagesgeschäft guckt. Nun hat sich Buterin auf X Gedanken zu Stablecoins gemacht und auch wenn er Ethereum nur einmal direkt erwähnt, ist die Stoßrichtung dennoch klar. Mittel- und langfristig müsse man drei größere Probleme für „dezentralisierte Stablecoins“ lösen, um diese besser zu machen, schreibt Buterin. Damit distanziert er sich von Tether (USDT) und USDC, die zusammengezählt rund 145 Milliarden US-Dollar im Ethereum Ökosystem abbilden und damit fast 90 Prozent des dortigen Volumen in Stablecoins. Aber USDT und USDC sind Stablecoins, die jeweils einen zentralen Herausgeber haben, welche ihre Produkte mit Reserven in Dollar absichern.

Zentralisierte Stablecoins und Orakel haben laut Buterin Minuspunkte

Mit diesem Ansatz kann Buterin wegen des zentralisierten Konzepts wenig anfangen und auch den US-Dollar als Basis für Stablecoins findet Buterin fragwürdig. Was etwa sei zu tun, falls der Dollar Hyperinflation erlebe, fragt sich der Ethereum Gründer. Ihm schweben dezentralisierte Stablecoins vor, die Abhängigkeit von einer Fiat-Währung und/oder Nationalstaaten hinter sich lassen. Dabei sei zudem darauf zu achten, dass „Orakel Problem“ anzugehen. Sogenannte Orakel-Dienste wie Chainlink (LINK) sorgen dafür, dass Daten aus der Echtwelt möglichst ohne Zeitverzug auf Blockchains gelangen, auch bei Ethereum. Erst dadurch werden komplexen Anwendungen in der Sparte Dezentralisierte Finanzen (DeFi) möglich, beispielsweise durch Kurswerte von Kryptowährungen im Zusammenspiel mit Smart Contracts.

Aber die Zentralisierung bei Orakel Diensten führe auch dazu, dass Marktteilnehmer mit großem Kapital die Kontrolle übernehmen und Daten manipulieren könnten, warnt Buterin. Bisher liege die einzige Absicherung davor darin, die Marktkapitalisierung eines Orakel Diensts (bei Marktführer Chainlink aktuell rund 8,4 Milliarden US-Dollar) hoch zu treiben, damit es sich nicht lohne, eine Mehrheit in der Eigentümerstruktur anzustreben. Buterin fordert also neben dezentralisierten Stablecoins auch entsprechende Orakel Dienste.

Buterin: Ethereum Staking birgt in jetziger Form Risiken

Die dritte Aufgabe, welche Buterin beschreibt, dreht sich um Ethereum Staking, auch wenn ETH nicht explizit erwähnt wird. Der Altcoin lässt sich zum Staking hinterlegen, was die Netzwerksicherheit erhöht und im Gegenzug mit aktuell mit rund 3 Prozent Jahreszins belohnt wird. Das macht Ethereum attraktiv dafür, dezentralisierte Stablecoins abzusichern, weil Zinsen auflaufen. Aber wenn ETH in Turbulenzen gerate, schlage dies auch auf Stablecoins durch, die ETH Staking als Absicherung einsetzen. Um diesem entgegenzuwirken, könne Ethereum die Zinsen für Staking auf „Hobby Level“ um 0,2 Prozent reduzieren, so Buterin. Möglich sei auch eine Unterteilung von Ethereum Staking in Gruppen, bei denen Angebote im Zusammenhang mit Stablecoins gesondert gekennzeichnet werden. Dritte Option: Staking so zu regeln, dass Risiken hin zu Teilnehmern aus der Stablecoin Sparte übertragen werden.

Buterin sieht seine Äußerungen ausdrücklich nicht als Handlungsanweisung, er will eine Diskussion eröffnen. Diese dürfte erneut Richtungsstreit in der Ethereum Stiftung und Community auslösen, wo ein wirtschaftsfreundliches Lager auf Team Buterin trifft, welches die geldwerten Aspekte von ETH nur als Teil eines größeren Puzzles betrachtet. Die derzeitige Situation mit etablierten, zentralisierten Stablecoins und Orakel Diensten sowie profitablem Staking hat sich im Ethereum Ökosystem aus der Praxis heraus entwickelt und bewährt. Ein weitreichender Umstieg, um dezentralisierte Stablecoins und Orakel zu bevorzugen, würde nicht jedem gefallen – Änderungen an den ETH Staking Regeln sind ebenso ein heikles Thema.

Fazit: Ethereum Vordenker Buterin riskiert Konflikt

Buterin floh als Kind mit seinen Eltern aus Russland nach Kanada. Diese Erfahrung ist ein Antrieb für ihn, Ethereum zensurresistent zu gestalten und Ideale wie „Cypherpunk“ hochzuhalten. Das ist nur möglich, wenn Ethereum Dezentralisierung ernst nimmt. Den zunehmenden Einfluss von Staking Großanbietern wie Lido sieht Buterin schon seit Jahren kritisch, das Thema Stablecoins beäugt er erst jetzt öffentlich. Seine Argumentation ist theoretisch in sich recht schlüssig. Aber Buterin vermeidet Konflikte, indem er längere Zeiträume annimmt und sich Seitenhiebe verkneift, welche wirtschaftsnahe ETH Anleger verunsichern könnten. Es ist ein Spagat, der von Buterin und Ethereum erwartet wird, steigende ETH Preise ohne Abstriche bei der Dezentralisierung. Der geldwerte Erfolg von Ethereum aber braucht auch starke Stablecoins und akzeptierte Orakel – die jetzigen Lösungen erfüllen diese Bedingung, dezentralisierte Alternativen stehen noch am Anfang.


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