US-Präsident Donald Trump mischt die Karten im Verhältnis zu Europa neu. Auch deshalb treibt die EU das Projekt Wero voran. Der Zahlungsdienst soll US-Giganten wie Visa und PayPal Paroli bieten. Kann das klappen?
In Brüssel laufen sich Lobbyisten und EU-Beamte warm: Dringend müsse man seine Abhängigkeit von US-Finanzunternehmen wie Visa und Mastercard verringern, sagt beispielsweise Martina Weimert, Chefin der European Payments Initiative (EPI). Mit Unterstützung der EU will der Branchenverband den Zahlungsdienst Wero zu einer ernsthaften Alternative aufbauen, der auch PayPal und Apple Pay ins Visier nimmt. Doch wer auf die Vorgeschichte von Wero schaut, dürfte skeptisch werden.
Wero ist bereits dritte EU-Initiative mit Blick auf Visa und Mastercard
Denn es ist mindestens schon der dritte Versuch aus Europa, in Konkurrenz mit den US-Giganten zu treten. Der „Monnet Project“ getaufte erste Anlauf wurde schon 2012 beerdigt, vier Jahre nach dem Start. Visa und Mastercard haben damals nur müde gelächelt, PayPal stand im EU-Raum noch am Anfang. Das „Monnet Project“ aber brachte das europäische Problem auf den Punkt: In vielen EU-Staaten existierten erfolgreiche nationale Zahlungsdienste wie Giropay für Deutschland, die Nutzern aber schon im Nachbarland nicht mehr helfen.
EPI (European Payments Initiative) hat bereits Milliarden Euro verschlungen
Mit der Gründung von EPI in 2020 wurde ein zweiter Versuch begonnen, ein Gegengewicht zur US-Übermacht zu schaffen. Visa und Mastercard wickeln mehr als zwei Drittel von Transaktionen mit Kredit- beziehungsweise Debitkarten in der Eurozone ab, sekundenschnell und zu vertretbaren Gebühren. An EPI beteiligten sich anfangs 16 Banken aus Europa und zusätzlich einige Finanzdienstleister. Doch schon Anfang 2022 erklärten die Mehrheit der EPI Gründungsmitglieder ihren Rückzug, 1,5 bis 2 Milliarden Euro soll die European Payments Initiative bis dahin verpulvert haben.
Europäer kennen Wero nicht und Funktionen eng begrenzt
Nun also soll Wero die Dinge richten. Umfragen zufolge kennen nicht einmal 20 Prozent der Europäer das Projekt, was für „We Euro“ stehen soll. Die EPI betont, dass Wero grenzübergreifende Überweisungen mit sich bringt und Händlern Online ebenso wie im Geschäft Einsparungen bei Gebühren ermöglicht. Doch der Stand der Dinge ernüchtert: Ausgerollt wurde Wero bislang erst in Deutschland, Belgien und Frankreich. Und mit Wero lässt sich momentan hauptsächlich Geld von einer Privatperson zur anderen verschicken, im Handel spielt das Projekt der EPI noch keine Rolle, teils aus technischen Problemen.
Ein Hauptproblem auch für Wero: EU-Projekte können nicht global denken
Das alles scheint die Wero Verantwortlichen nicht zu bekümmern. Der „geopolitische Kontext“ führe nun endlich dazu, dass „es ein Mainstream-Thema“ wird, lässt sich EPI CEO Weimert von der Financial Times zitieren. Insider sind weniger blauäugig und spotten über „EPI 2.0“ als „Rohrkrepierer“. Denn sind wir ehrlich: Mit Mastercard und Visa ist man weltweit liquide, PayPal und Apple Pay stehen dem kaum nach und bieten schon längst auch sekundenschnelle Geldtransfers online an Freunde und Verwandte. Bei den Gebühren kann Wero ebenfalls kaum punkten, 0,77 Prozent des Umsatzes sind beim gewerblichen Einsatz veranschlagt. Damit ist ein Niveau angestrebt, welches in etwa auf einem Level mit Visa und Mastercard liegt – aber Wero funktioniert allenfalls in der EU.
EU-Kritiker verweisen auf die lange Liste fehlgeschlagener Projekte, mit denen Brüssel ein Gegengewicht zu den USA fördern wollte. Der Suchdienst Qwant sollte Google ersetzen, bei einer Konkurrenz zu Facebook und Instagram blieb es bei Pilotprojekten. In EU-Hauptstädten wird trotzdem und unverdrossen von europäischen Alternativen zu den US-Marktführern im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) geträumt und sogar X (früher Twitter) könnte in solchen Visionen durch eine EU-Option abgelöst werden. Zwei Denkfehler liegen auf der Hand: Von oben propagierte Projekte haben durchweg Riesenprobleme bei der Akzeptanz und auf den europäische Raum beschränkte Angebote sind nicht zeitgemäß, sondern allenfalls regional interessant.
Fazit: Wero und EPI denken an der Realität von Bürgern vorbei
Man darf ja ja Unbehagen dabei fühlen, wie die USA unter Präsident Donald Trump ihre Beziehungen zu Europa neu ordnet. Doch davon, dass Mastercard, Visa, PayPal, Apple Pay und andere die EU von ihren Diensten abschneiden will, war und wird nichts zu hören sein. Der Markt ist lukrativ und ohne Europa könnten die US-Platzhirschen ihren globalen Anspruch nicht erfüllen. Da wirkt es beinahe verzweifelt, Wero nun mit antiamerikanischer Rhetorik pushen zu wollen und wohl auf weitere EU-Gelder zu hoffen, um Werbekampagnen zu fahren. Hier wird ein Konflikt heraufbeschworen, der gar nicht existiert. Aber in Brüssel wird bereits weiter gedacht: Ein digitaler Euro könnte ja zu „EPI 3.0“ werden – na klar: Im europäischen Elfenbeinturm glauben gutbezahlte Experten daran, dem US-Dollar mit einem E-Euro den Rang abzulaufen. Aber erstmal dürfen sie Wero vor die Wand fahren und dann ihrer Pensionsgrenze nahe gekommen sein.
Es gibt doch schon die europäische Lösung: IOTA
Ein vermünftiger Name hätte dem WERO eventuell auch bei der Akzeptanz helfen können.
Wer hat den Namen denn erfunden und wer auch noch akzeptiert?
Bluecode finde ich eine bessere Lösung.