Ethereum Stiftung definiert ihr „Mandat“ – Folgen für ETH vielschichtig

Hinter Ethereum, dem wichtigsten Altcoin der Welt, steht eine Stiftung mit Millionenbudget und großen Ambitionen. Ein neues „Mandat“ der ETH Spitzenorganisation überrascht etwas.

„Ethereum wurde aus einem Traum geboren, dem Traum der Freiheit“ – das von der ETH Stiftung kürzlich veröffentlichte “Mandat” tischt schon im ersten Satz Pathos pur auf. Doch auf den folgenden rund 30 Seiten gibt es auch weniger Ideologie, um das Selbstverständnis der Ethereum Stiftung auszudrücken. Sie will sich als „Steward“ beweisen und sieht sich sowohl als Verwalter als auch Begleiter. Geld hingegen erwähnt das „Mandat“ nur kurz in zwei Absätzen, was angesichts der mehr als 250 US-Dollar Milliardenkapitalisierung von Ethereum etwas befremdlich wirken könnte. Schauen wir auf Details:

– Als unverhandelbar setzt die Ethereum Stiftung vier Grundsätze fest: Zensurresistenz, Open Source, Privatsphäre und Sicherheit, das Paket wird „CROPS“ genannt. Ohne „CROPS“ habe Ethereum „gar nichts“, man dürfe diese Grundlagen für das Ökosystem unter keinen Umständen aus „Bequemlichkeit“ aufgebe. Das passt bestens zu den Vorstellungen von ETH Gründer Vitalik Buterin, der sein Lebenswerk nicht auf Dezentralisierte Finanzen (DeFi) und andere geldwerte Anwendungsfälle von Ethereum reduzieren will, sondern Ideale des „Cypherpunk“ hochhält.

– Manche Experten wie Yuga Cohler, Entwickler bei Coinbase, halten „Cypherpunk“ für Zeitverschwendung. Cohler fordert auf X stattdessen, die Ethereum Stiftung soll sich darauf konzentrieren, die ETH Blockchain zur besten für Finanzen zu machen. Dieser grundsätzliche Konflikt zwischen dem wirtschaftsnahen Lager in der Ethereum Community und dem Team Buterin lodert schon seit geraumer Zeit.

– Ende Februar hatten führende ETH Entwickler mit Unterstützung von Buterin ihre „Strawmap“ vorgestellt, den technologischen Plan für die kommenden Jahre. Skalierbarkeit, Quantencomputer, Privatsphäre durch Zero Knowledge Lösungen sowie eine Neuordnung im Verhältnis zu Layer-2 lauten die Zielsetzungen, an denen auch die Finanzindustrie wenig auszusetzen haben dürfte. Hier zeigt sich, dass moderne technologische Basis bei Ethereum im Grunde Projekten aus allen Sparte zugute kommt.

– So argumentiert auch Taylor Monahan, eine Ethereum Entwicklerin. Sie schreibt auf X, die Ethereum Stiftung baue kein Produkt, sondern eine Blockchain. Auf dieser können dann Projekte aller Art aufsetzen, hält Monahan fest, und betont, dass Ethereum keine künstlichen Beschränkungen aufstellt.

– Dieses Credo gibt sich die Ethereum Stiftung mit dem Verweis auf ETH als „Weltcomputer“. Das Ökosystem müsse in die Lage versetzt werden, auch ohne Stiftung zu funktionieren und zu überdauern. Das „Mandat“ sei für einen „Zeithorizont von 1.000 Jahren“ formuliert, die Ethereum Stiftung nennt das auch den „Walk Away Test“, also eine Prüfung der Funktionsfähigkeit von ETH ohne die Stiftung.

– Zeitdruck hat die Ethereum Stiftung dabei aber vorerst nicht. Ihr jüngster Finanzbericht von 2024 weist knapp 1 Milliarde US-Dollar Rücklagen aus, davon 99 Prozent in Ethereum. Jährlich liegt das Stiftungsbudget bei rund 100 Millionen US-Dollar, Sparmaßnahmen sollen langfristige Sicherheit gewährleisten. 

Fazit: Ethereum Stiftung stellt Weichen für die Zukunft

Die Entwicklungsarbeit bei Ethereum wird in der Stiftung gebündelt, daran dürfte sich in näherer Zukunft nichts ändern. So kommen die „Strawmap“ der Entwickler und das „Mandat“ der Stiftung sich nicht ins Gehege, die Kommunikationswege sind kurz. Im letzten Sommer feierten Ethereum und die Stiftung zehnjähriges Jubiläum, die Schar der Gratulanten war groß und global. Nun sind Ziele für die kommenden Jahre gesetzt, sowohl technologisch als auch inhaltlich. Zu hoffen bleibt, dass die Ethereum Stiftung praxisorientiert und pragmatisch führt. Denn die Unabhängigkeit von ETH – durch Dezentralisierung garantiert – ist für Anleger und Nutzer das wohl wichtigste Gut, welches Ethereum Wertentwicklung ermöglicht. 

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