E-Euro: Testphase naht – Premium Stablecoin oder überflüssiger EU-Versuch?

Die EU diskutiert seit Jahren einen E-Euro. Nun sind drei Dutzend Banken und Finanzdienstleister für eine Testphase des digitalen Euro ausgewählt, welche im nächsten Jahr beginnen soll. Aber macht der E-Euro überhaupt Sinn?

Anfang des Jahrzehnts wurde das Projekt eines E-Euro von der Europäischen Zentralbank (EZB) auf die Tagesordnung gesetzt, sechs Jahre später gibt es einen greifbaren Fortschritt. Die EZB hat eine Liste von 36 Teilnehmern aus der Finanzwirtschaft veröffentlicht, die aus über 50 Bewerbern für eine Testphase herausgepickt wurden. Die Deutsche Bank beteiligt sich am Ausprobieren eines digitalen Euro  ebenso wie die Neobank Revolut, SumUp mit seinen kleinen Karten-Terminals ist genauso dabei wie die italienische Großbank UniCredit. Vom zweiten Halbjahr 2027 sollen sie den E-Euro für Mitarbeiter der EZB und Nationalbanken unterstützen, die das Testpublikum geben.

Bundesbankvorstand Burkhard Balz erklärt den E-Euro 

Bundesbankvorstand Burkhard Balz hat in einem Zeitungsinterview umrissen, wie man sich die Pilotphase vorzustellen hat. In der Kantine der Bundesbank soll dann der E-Euro akzeptiert werden und die Gastronomen können die Einnahmen dann direkt mit der Zentralbank verrechnen. Ein ganz schöner Aufwand für die paar Euro, könnte man meinen, aber die Währungshüter wollen Fehlerquellen vor dem Debüt des E-Euro finden und ausmerzen. Laut Balz hat die irische EU-Ratspräsidentschaft den digitalen Euro als Priorität benannt und 2029 könnte es für jedermann losgehen.

Staatliche Digitalwährungen in USA und China auf dem Abstellgleis

Auch wenn die Brüssler Mühlen bekanntlich langsam mahlen – der plötzliche Eifer von EZB und EU kommt überraschend. Anderswo auf der Welt hat man sich oder weniger schon längst wieder von der Idee CBDC (Central Bank Digital Currencys) verabschiedet. In den USA ist der einst angedachte digitale Dollar durch eine Anti-CBDC-Gesetz generell verboten worden, in China sind Pilotprojekte nicht fortgesetzt worden. Doch Balz argumentiert für die Bundesbank einmal mehr mit dem Tenor: Die EU ist abhängig von Mastercard, Visa und Paypal, wenn es um zeitgemäße Zahlungsmittel geht, und muss eine eigene Lösung anbieten, um nicht am Tropf der USA zu hängen.

Wero, qivalis und Co.: Europäische Initiativen für Online-Geld ohne Erfolg

Aber das hat man in ähnlicher Weise schon als Begründung für Wero gehört, der Zahlungsdienst bleibt aber bisher in einer Nische stecken. Auch der Euro-Stablecoin qivalis will mit Unterstützung von europäischen Großbanken die absolute Dominanz von Dollar-Stablecoins brechen, ist aber noch nicht einmal gelaunched. Gut möglich, dass auch der E-Euro so eine Lösung bleibt, die an Bürgern und Märkten vorbei konzipiert ist.

Fazit: Digitaler Euro mit vorhersehbaren Schwachstellen

Balz sagt, der E-Euro solle Zahlungsmittel werden und keine Option, um Gespartes digital zu sichern. Eine Obergrenze von 3.000 Euro Guthaben in E-Euro für den einzelnen Bürger sei deshalb im Gespräch. Der Bundesbankvorstand versucht auch, Kritikern in Sachen finanzieller Privatssphäre den Wind aus den Segeln zu nehmen. EZB und und nationale Zentralbanken würden nur nach richterlichen Entscheidungen nachforschen, wer den E-Euro wo und für was ausgegeben oder von wem empfangen hat. Aber die Daten werden eben vorhanden sein, wer Bargeld liebt, wird sich wohl kaum auf den E-Euro einlassen. Für mehr als sechs Jahre Vorbereitungszeit wirkt vieles beim Prestigeprojekt digitaler Euro unausgegoren und breite Akzeptanz vorläufig wie Wunschdenken.

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