Celsius versucht mit 1,2 Milliarden US-Dollar Schulden Reorganisation – Kundengelder futsch?

Die Krypto-Plattform Celsius hat in den USA Insolvenz angemeldet und will durch Restrukturierung in Eigenverantwortung einen Neuanfang anstreben. Auszahlungen für Kunden bleiben bei Celsius weiter gesperrt.

Am 14. Juni musste Celsius Auszahlungen und andere Transaktionen mit Kundengeldern stoppen und schnell war klar, dass die Plattform erhebliche finanzielle Schwierigkeiten hat. Einen Monat später hat Celsius jetzt in New York Insolvenz angemeldet und ein Sanierungsverfahren nach Chapter 11 angestoßen. Aus den Unterlagen an das Gericht geht hervor, dass Celsius ein Finanzloch von 1,2 Milliarden hat, wovon auch Kundengelder betroffen sind. In Deutschland steckt deshalb die Nuri Bank in der Klemme, welche für Kryptoguthaben Zinsen anbot und diesen Service durch Celsius erledigen ließ. Von solchen Bitcoin Ertragskonten können weiterhin keine Auszahlungen veranlasst werden, teilt die Nuri Bank mit Verweis auf Celsius mit.

Ende Juni hatte die Kryptobörse FTX noch überlegt, Celsius zu übernehmen. Doch diese Pläne wurden mit Verweis auf eine Finanzlücke von 2 Milliarden US-Dollar bei Celsius abgeblasen. Bei dem jetzigen Insolvenzverfahren nach Chapter 11 gehören die Einlagen und Verbindlichkeiten von Celsius, die vor dem 13. Juli anfielen, zur Masse, aus denen ein überwachter Neuanfang versucht wird. Celsius kann also vorerst keine Kundengelder zur Abhebung freigeben. In der Aufstellung der Vermögensverhältnisse sind 4,7 Milliarden US-Dollar Forderungen von Kunden aufgeführt, denen höchstens 4,3 Milliarden US-Dollar Rücklagen gegenüberstehen. Dazu kommen noch rund 800 Millionen US-Dollar Verbindlichkeiten an anderen Stellen. Bei den Rücklagen sind bis zu 310 Millionen US-Dollar möglicherweise „faule Kredite“ aufgeführt und 600 Millionen US-Dollar im eigenen Token Celsius (CEL), dessen Preiskurve drastisch eingebrochen ist. So dürfte das Finanzloch noch größer als offiziell gemeldet sein.

Für die Neuorganisation von Celsius stehen nach den vorliegenden Informationen etwa 170 Millionen US-Dollar Barmittel zur Verfügung. Damit könne beispielsweise Gehälter bezahlt werden. Wann, wie und in welchem Umfang Kunden wieder auf ihre Einlagen bei Celsius zugreifen dürfen, bleibt offen.

Fazit: Celsius Neustart eine realistische Option?

Celsius verweist auf bekannte Unternehmen wie General Motors, Hertz und Marvel, denen durch eine Insolvenz nach Chapter 11 ein nachhaltiges Comeback gelungen sei. Denn Schulden und andere Altlasten bleiben abgetrennt von der Neuorganisation und Gläubiger müssen separat verhandeln. Der Imageschaden von Celsius ist enorm und der ohnehin hochnervöse Kryptomarkt ein sehr schwieriges Umfeld für einen Neustart. Celsius Kunden und Halter von Bitcoin Ertragskonten bei der Nuris Bank bleibt im Moment nur banges Warten darauf, vielleicht in Zukunft zumindest einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen.


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