Fake News: Russlands BTC-Plan als Gegenmaßnahme zu US-Sanktionen

Seit einigen Tagen kursiert die Nachricht, dass Russland beabsichtige, zehn Milliarden US-Dollar in Bitcoins zu investieren. Damit wolle Moskau in Reaktionen auf US-Sanktionen den US-Dollar als Währungsreserve partiell ablösen. Doch Recherchen zeigen: Die Story riecht nach Fake News. Trotzdem ist der Bitcoin Kurs nach bekanntwerden gestern deutlich angestiegen.

Selbst die altehrwürdige britische Tageszeitung „The Telegraph“ berichtet aufgeregt unter der Schlagzeile „Russland plant, US-Sanktionen mit Bitcoin Investment zu umgehen“ und beruft sich dabei auf einen Kreml-Ökonom namens Vladislav Glinko. Der Bitcoin Kurs ist nach der Veröffentlichung des Telegraph Artikels um über 100 US Dollar angestiegen und auch die Altcoins haben davon stark profitiert. Eine Suche bei Google News bringt Dutzende von Artikeln mit gleicher Stoßrichtung, zehn Milliarden US-Dollar stehen demnach für diesen Plan bereit. Erstmals erschien diese zugegeben spektakuläre Story bei „The Daily Hodl„.

Allerdings gibt es gute Gründe, an der Geschichte zu zweifeln. Denn dieser Vladislav Glinko, der sich selbst schon als „Bitcoin Guru“ bezeichnet haben soll, fiel in der Vergangenheit nicht gerade durch Qualitätsnews auf. „Kommt Senator McCain nach Russland, um sein Leben zu verlängern?“, fragt Glinko etwa in einem Artikel. Und selbst wenn Glinko, wie er angibt, für die russische Akademie RANEPA arbeitet – ein Kreml-Insider ist er deshalb noch lange nicht. Ein Imgur-User hat in einer Infografik zusammengefasat, was von dem angeblichen Experten Glinko zu halten ist und wie es dazu kam, dass seine Bitcoin-These weltweit als bare Münze genommen wurde.

Was allerdings stimmt an der Geschichte ist, dass Russland seine Dollarreserven massiv abgebaut hat. Bisher wurde das Geld daraus allerdings nur genutzt um in andere Währungen zu investieren wie dem Euro, Yuan, Britisches Pfund, Yen und Kandische und Australische Dollar. Darüber hinaus hat Russland auch seine Goldbestände stark aufgestockt.

Russlands Dollarreserven

Fake News in der Krypto-Szene

Fake News sind nichts Neues im Umfeld von Kryptowährungen. Ob Nachrichten dazu, dass Ethereum-Gründer Vitalik Buterin bei einem Autounfall gestorben sei (Juni 2017) oder dazu, dass Amazon Bitcoins akzeptieren wolle (Oktober 2017, ) – oft schaffen es die vermeintlichen Top News von kleineren Webseiten, Twitter oder Online-Foren schnell bis in die sogenannten Qualitätsmedien. Ursprünglicher Antrieb dafür, falsche Nachrichten in die Welt zu setzen, ist meistens, den Kurs einer Kryptowährung beeinflussen zu wollen. Gerade weil in den etablierten Nachrichtenkanälen unter hohem Zeitdruck und leider oft mit wenig Fachwissen zu Bitcoin und Co. gearbeitet wird, schaffen es dann relativ leicht enttarnbare „Enten“ dennoch in den Mainstream. Der Fall Glinko ist ein gutes Beispiel dafür: Der ewige Konflikt zwischen Russland und den USA als Aufhänger, der Bitcoin als Buzzword und eine einzige Quelle als Beweis sind zwar eine schöne Story, die sicher ihre Leser findet – aber seriöser Journalismus geht anders.

Gesunder Menschenverstand vs. Fake News

Anleger sollten daher diverse Nachrichten-Quellen verfolgen um sich ein Bild von ihrem Investment zu machen. Deshalb wissen auch viele, dass die selbsternannten Experten mit ihren Kurs Prognosen oft daneben liegen. Auch „Zehn Milliarden US-Dollar aus Moskau in den BTC“ klang eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Denn in Wirklichkeit hat sich das offizielle Russland bislang nicht sonderlich aufgeschlossen gezeigt, wenn es um Kryptowährungen geht. Mit gesundem Menschenverstand lassen sich viele Fake News schnell entlarven, eine schnelle Google Recherche hilft zusätzlich.


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