Bericht: Kryptobörse Kraken verstößt mit iranischen Kunden gegen US-Sanktionen

Die New York Times berichtet, dass die Kryptobörse Kraken Ärger mit US-Behörden hat, weil sie Sanktionen gegen den Iran nicht durchsetze. Es sollen Strafzahlungen drohen. Kraken kommentiert ausweichend.

Das Klima für die Kryptoindustrie in den USA wird rauer, immer mehr Regierungsbehörden nehmen prominente Unternehmen ins Visier. Die Börsenaufsicht SEC beispielsweise hat mit ihrem Prozess gegen Ripple (XRP) und Ermittlungen gegen Coinbase zwei große Fälle auf dem Tisch. Und jetzt richtet das Office of Foreign Assets Control (OFAC) seine Waffen gegen die US-Kryptobörse Kraken. OFAC ist für die Kontrolle von US-Sanktionen zuständig und will laut einem Bericht der New York Times Strafzahlungen gegen Kraken durchsetzen. Die Kryptobörse habe iranische Kunden akzeptiert und damit die seit rund 40 Jahren geltenden Sanktionen gegen Iran verletzt, heißt es.

Für Kraken kommentierte Chefjurist Marco Santori, man verwende ein „robustes“ System, um US-Sanktionen zu beachten und melde Zweifelsfälle proaktiv an die Behörden. Die New York Times verweist auf eine interne Präsentation bei Kraken, die gut 1.500 Kunden mit Wohnsitz in Iran zeige. Dazu kämen 149 Kunden in Syrien und 83 in Kuba, zwei weiteren mit US-Sanktionen belegte Länder. Bitcoin und Co. werden oft als Ersatzwährungen erwähnt, mit denen es möglich sei, Sanktionen zu umgehen. Auch Russland ist hier ein Beispiel, wo wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine der Ausschluss aus dem internationalen Finanzsystem SWIFT umgesetzt wird.

Im Iran ist Bitcoin wie in anderen Krisenstaaten überdurchschnittlich beliebt, zeigte unsere Analyse schon in der Vergangenheit. Die OFAC hat bereits Strafzahlungen gegen den Wallet-Anbieter BitGo und den Krypto-Finanzdienstleister BitPay erreicht, weil die Unternehmen Sanktionen gegen Iran, Kuba und Syrien nicht durchsetzten. Kraken dürfte auch deswegen unter besonderer Beobachtung stehen, weil Firmengründer und CEO Jesse Powell blinde Gesetzestreue schon häufiger öffentlich kritisiert hat und den Freiheitsgedanken von Kryptowährungen betont.

Fazit: US-Kryptobranche unter Druck von Behörden

Wenn Kraken der Nachweis gelingt, prinzipiell US-Sanktionen zu befolgen, dürften Strafzahlungen im aktuellen Fall überschaubar bleiben. BitGo musste nach Angaben der New York Times im Jahr 2020 knapp 100.000 US-Dollar bezahlen und bei BitPay waren es in 2021 gut 500.000 US-Dollar. Kraken hat mehrere Millionen aktive Kunden und der Unternehmenswert wird auf mindestens 10 Milliarden US-Dollar geschätzt. Doch das Eingreifen der OFAC zeigt, wie US-Behörden zunehmend in Sachen Krypto tätig werden, nicht zuletzt unter den Eindrücken des milliardenschweren Crash beim Ökosystem von Terra (LUNA). Die Branche selbst drängt die US-Politik, endlich klare Gesetzeslage zu schaffen, damit Innovation nicht behindert wird. Doch das vorläufige Ergebnis dieser Forderungen ist keineswegs wie gewünscht, sondern endet momentan in Gerichtsprozessen. Solche Unsicherheiten belasten den Kryptomarkt insgesamt, auch ohne tiefer in die Diskussion um Finanzsanktionen und Bitcoin (BTC) einzusteigen.


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