Bitcoin als mögliches Mittel für Russland, um Sanktionen zu umgehen – ein Hintergrund

Der Westen hat entschieden, Russland wegen des Kriegs in der Ukraine vom internationalen Finanznetzwerk Swift abzuklemmen. Sind Bitcoin und Co. ein Ausweg für Moskau, um den Sanktionen zu trotzen?

Bundeskanzler Olaf Scholz spricht von einer „Zeitenwende“ und meint damit die Invasion der russischen Armee in die Ukraine. Am Wochenende machte Scholz auch den Weg frei für den international geforderten Ausschluss Russlands von Swift, dem wichtigsten internationalen Finanznetzwerk. Diese Maßnahme wird als schwerste Sanktion eingestuft, um das Land von Präsident Wladimir Putin wirtschaftlich hart zu treffen. Ohne Swift können russische Banken allenfalls über Umwege internationale Transaktionen abwickeln. Fast automatisch kommen so Bitcoin (BTC) und andere Kryptowährungen als Möglichkeit für Russland in Betracht, um auch ohne Swift weiter international finanziell handeln zu können.

Swift existiert seit 1973 und hat seitdem erst zweimal erlebt, wie ganzen Ländern der Zugriff verweht wurde, nämlich Nordkorea und Iran. Beiden Staaten wird nachgesagt, darauf mit verstärkten Aktivitäten im Kryptosektor reagiert zu haben. So soll Nordkorea aktiv Bitcoin Mining betreiben und auch Monero (XMR) schürfen. Zudem sind für Nordkorea staatlicher Hacker im Einsatz, um Kryptobörsen zu bestehlen, befindet die UN. Im Fall Russland haben etwa die Analysten von Chainalysis zuletzt bereits umfänglich dargelegt, wie russische Hacker für einen Großteil der mit Kryptowährungen verknüpften kriminellen Aktivitäten verantwortlich sind. Typische Methode hier ist Ransomware, mit der Unternehmen erpresst und zur Zahlung von „Lösegeldern“ in Krypto genötigt werden. 400 Millionen US-Dollar sollen so in 2021 an russische Hacker geflossen sein.

Moskau als Zentrale für illegale Krypto-Geschäfte

Chainalysis hat Moskau als den Ort ausgemacht, in dem sich russische Cyberkriminelle niederlassen. Große Umsätze werden demnach auch mit Geschäft im Darknet erzielt. Büros der schmierigen Geschäftsleute und Hacker befinden sich demnach oft im Wolkenkratzer „Federazija“, der als höchster seiner Art in Moskau eine Ikone für sich ist. Dass mindestens ein halbes Dutzend verdächtiger Unternehmen gerade dort residieren, deutet auf eine Duldung durch die politische Führung hin. Kurz vor der Invasion in der Ukraine hatte Putin noch von „qualifizierten Personal“ in Russland für die Kryptobranche gesprochen und beim Thema Bitcoin Mining die preiswerte Energie betont. Der Kriegstreiber scheint also gut informiert darüber, wie Kryptowährungen funktionieren und welche Ressourcen Russland für Bitcoin und Co. hat.

Bisher aber fehlt es an Beweisen dafür, dass das offizielle Russland tatsächlich mit Krypto hantiert, um internationalen Handel zu betreiben. Nordkorea soll mit Krypto sein Atomprogramm finanzieren und im Iran werden Kryptowährungen oft als Zahlungsmittel im privaten Business akzeptiert. Könnte die westliche Staatengemeinschaft solchen Nutzungen einen Riegel vorschieben? Grundsätzlich ist das Netzwerk hinter Bitcoin wie auch bei weitverbreiteten Altcoins dezentral und autonom organisiert. Ein Land davon abzuklemmen ist technologisch also unmöglich. Die Situation ändert sich erst dann, wenn Kryptobörsen, Wallet-Anbieter und andere Dienstleister ins Spiel kommen. Sie können russischen Kunden ihre Services verwehren. Das US-Finanzministerium nahm in seinem Sanktionsbericht 2021 auch ausdrücklich Bezug auf Kryptowährungen und setzt darauf, dass konzertierte Aktionen greifen können. Denn Zahlungsflüsse in der Blockchain sind öffentlich dokumentiert und können meist zugeordnet werden. Wenn dann Medien, Finanzinstitute und andere Marktteilnehmer sensibilisiert werden, ist selbst im Kryptosektor die Umsetzung schmerzhafter Sanktionen möglich, glaubt das US-Finanzministerium.

Fazit: Putins Regime auch wegen Kryptowährungen unter Beobachtung

In den letzten Tagen hat sich herauskristallisiert, dass die westliche Allianz gewillt ist, Russland finanziell zu isolieren. Dies wird zwar auch Folgen für die Weltwirtschaft haben, scheint aber alternativlos als härteste wirtschaftliche Sanktion gegen die Kriegsnation Russland. Putins Regime in Moskau könnte versuchen, Folgen des Swift-Ausschlusses durch Transaktionen in Krypto zu umgehen. Aber dies bliebe nicht unbemerkt und würde wohl vom Westen geächtet und zumindest erschwert.


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