Coinbase trennt sich von umstrittenen Neutrino-Mitarbeitern

Die Übernahme des italienischen Blockchain-Analyse-Startups Neutrino durch die Kryptobörse Coinbase hatte Proteste ausgelöst, weil bei Neutrino Mitglieder des berüchtigten Hacker Teams beschäftigt sind. Jetzt hat Coinbase reagiert und trennt sich von den Reizfiguren.

Unter dem pathetischen Titel „Unseren Werten gerecht werden“ hat Coinbase-CEO Brian Armstrong eine bemerkenswerte Kehrtwende im Zusammenhang mit der Übernahme des italienischen Start-ups Neutrino verkündet. Die Akquisition hatte gegenüber Coinbase laute Kritik und Boykottaufrufe provoziert, weil führende Mitarbeiter von Neutrino in der Vergangenheit durch die Unterstützung von nichtdemokratischen Regimes und rechtsradikale Parolen aufgefallen waren. Man habe diesen Hintergrund während der Übernahme von Neutrino nicht sorgfältig genug geprüft, ruderte Armstrong nun zurück. Coinbase werde sich von den Personen trennen, die früher beim Hacking Team beschäftigt waren. Neutrino hat personell größere Überschneidungen mit dem Hacker Team, dessen Kundenliste auch Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden von Ländern wie Saudi-Arabien, den Vereinten Arabischen Emiraten und Aserbaidschan umfasst. Wie viele der kritisierten Experten sich nun nach neuen Jobs umsehen müssen, geht aus der Mitteilung von Armstrong nicht hervor. Zuvor hatten Aktivisten mit Alberto Ornaghi, Giancarlo Russo und Marco Valleri mindestens drei konkrete Namen enthüllt, deren Tun in der Vergangenheit moralische Probleme aufwirft.

Coinbase und Neutrino: Einknicken oder Missverständnis?

Die Message von Coinbase klingt über weite Strecken etwas hochtrabend: Man sei angetreten, um ein offenes Finanzsystem für die ganze Welt zu entwickeln. Bitcoin und Co. seien auch Symbol für individuelle Rechte und die technologische Verteidigung von bürgerlichen Freiheiten. Wenn dem denn wirklich so ist, haben wohl solche Experten bei Coinbase nichts verloren, die sich damit brüsten, Regimegegner online auszuspähen. Andererseits, und auch dass räumt Armstrong ein, sieht sich Coinbase verpflichtet, als Finanzdienstleister gesetzliche Regelungen zu erfüllen. Er erwähnt ausdrücklich Mechanismen gegen Geldwäsche und zur Identifizierung von Kunden. Wegen der bewiesenen Expertise in diesen Feldern habe Coinbase Neutrino aufgekauft. Um die Situation zu beurteilen, ist der Firmensitz von Coinbase in den USA ein wichtiger Punkt. Denn die USA sind spätestens seit den Enthüllungen von Whistleblower Edward Snowden dafür bekannt, die bürgerliche Privatsphäre auch durch kontinuierliche Zusammenarbeit mit Technologie-Unternehmen zu untergraben. Armstrong drückt sich um eine moralische Bewertung von Neutrino und dem Hacker Team herum, ausschlaggebend für die Trennung scheint tatsächlich öffentliche Aufruhr gewesen zu sein.

Coinbase unter Druck wegen Neutrino – was soll ich davon halten?

Selbst wenn du die politischen Facetten ausblendest, welche jetzt Coinbase im Fall Neutrino/Hacker Team zum Einlenken gezwungen haben – eins macht die Story klar: Bei Coinbase und auch allen anderen Kryptobörsen, wird sehr konzentriert daran gearbeitet, möglichst viel Hintergründe zu Kunden und ihren finanziellen Transaktionen zu sammeln, da dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Mit dem ursprünglichen Prinzip der Anonymität bei Bitcoin hat das nichts zu tun, im Gegenteil.


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