Coronavirus: Microsoft schaltet digitale Identitätsprüfung live

Microsoft hat sein Projekt ION gestartet. Mit diesem wird es möglich, seine Identität über die Blockchain von Bitcoin zu dokumentieren. Das Thema digitaler Identität ist im Zusammenhang mit sogenannten Corona-Apps derzeit heiß diskutiert.

Kaum ein Tag vergeht, an dem Datenschützer und Gesundheitsexperten aneinandergeraten: Letztere raten zu einer – möglichst internationalen – Corona-App, die Bürger warnen soll, wenn sie in Kontakt mit Menschen waren, die den Virus verbreiten könnten. Für Datenschützer ist das hehre Anliegen heikel, denn sie verweisen auf Privatsphäre und Selbstbestimmungsrecht. Der Kryptobranche sind solche Argumente schon aus Zeiten vor Corona bekannt und sie bietet Lösungsvorschläge unter dem Oberbegriff „Digitale Identität“. Microsoft hatte bereits im Mai 2019 damit begonnen, unter dem Namen „ION“ eine einfache und skalierbare Version zu entwickeln. Nun ist ION live, wie Microsoft mitteilt.

Das Dilemma einer digitalen Identität

Bequem ist es natürlich, seine Identität in der Online-Welt ohne großen Aufwand in unterschiedlichsten Situationen zu beweisen. Ob nun ein Bankgeschäft, die Unterschrift für einen Vertrag oder in der Kommunikation mit Behörden – für viele wäre es wunderbar, wenn sich eine weithin akzeptierte Lösung durchsetzt. Die Kryptobranche sieht sich herausgefordert, auch IOTA hat ein „Unified Identity Protocol“ getauftes Projekt, welches dem von Microsoft ähnelt. Immer geht es darum, dass der Bürger jederzeit selbst entscheidet, welche Details wie Klarnamen, GPS-Daten oder medizinische Vorgeschichte er mit wem im digitalen Umgang teilen will.

Eine digitale Identität soll also einmalig geprüft und dann als Datensatz hinterlegt werden. Die Blockchain, so der Ansatz aus der Kryptobranche, garantiert dann das manipulationssicher Validieren einer Identität und das Verwalten der Details vom einzelnen Bürger selbst. So könnte beispielsweise auch Corona-Apps dem Problem aus dem Weg gehen, die Namen der Nutzer abzurufen. Stattdessen würden sie im Hintergrund nur prüfen, ob eine Person existiert und ihr dann eine Nummer verpassen. Microsoft hat ION auf Basis der Blockchain von Bitcoin realisiert und legt über diese einen Layer, der sich ausschließlich auf Identitäten konzentriert. Dadurch wird die erste Blockchain von BTC nur dann belastet, wenn in ihr gesammelte Ergebnisse festgehalten werden. Der ständige Austausch von Daten in Echtzeit wie bei einer Corona-App hingegen findet in einer zweiten Blockchain statt, die bei entsprechender Anzahl von Netzwerkteilnehmern ebenfalls nahezu manipulations- und ausfallsicher ist.

Kritiker stoßen sich daran, dass bei ION durch Microsoft ein Privatunternehmen ein Paket zur digitalen Identität schnürt und es künftig wohl auch vermarkten will. Sie fordern, dass digitale Identität als hoheitliche Aufgabe begriffen wird, um Datenschutz und Privatsphäre Priorität zu garantieren. Corona-Apps in Indien, Singapur und Israel sind etwa von staatlicher Seite fast zum Muss gemacht worden, fielen aber auch schon durch Datenreichtum auf. Sie sammelten also übers Smartphone mehr Informationen, als von dem Benutzer angenommen, und haben noch nicht den Beweis erbracht, sicher vor Manipulationen und Hacker-Angriffen zu sein. Das darf bei der Blockchain von Bitcoin als gegeben angesehen werden.

Wird Bitcoin von Microsofts ION profitieren?

Der Vorstoß von Microsoft mit ION kostet den Konzern vorerst Geld. Microsoft übernimmt für Nutzer die Kosten, die dann anfallen, wenn Identitäten in der Blockchain von Bitcoin festgeschrieben werden. Allerdings handelt es sich dabei um Peanuts im Vergleich zu den Summen, die im Tageshandel mit BTC als automatisierte Gebühren anfallen. Trotzdem ist das Bekenntnis von Microsoft zur Technologie von Bitcoin nicht zu unterschätzen, man hätte etwa auch Ethereum (ETH) oder eine andere Blockchain wählen können. Microsoft sagt selbst, dass Bitcoin und seine Blockchain als bewährte und bekannte Lösung die Akzeptanz von ION stärken könnte.

Für den Umgang mit dem Coronavirus kommt ION wohl zu spät. Denn Apple und Google haben durch eine konzertierte Aktion ihre Betriebssysteme für Smartphones so aufgebohrt, dass einzelstaatliche Corona-Apps für fast jedes Smartphone miteinander kompatibel werden können, auch ohne Blockchain. Für die Zukunftsfrage digitale Identität aber ist Microsoft mit ION weit vorn und hat als Mitglied der Decentralized Identity Foundation (DIF) auch ein Forum, welches die Verbreitung und Vermarktung unterstützen dürfte. Einmal mehr kommt so Bitcoin in die positiven Nachrichten, diesmal nicht als Zahlungsmittel oder Wertspeicher, sondern als an sich geniale Technologie.


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