Krypto Verschlüsselung in der EU bei Messengern wie WhatsApp und Signal gefährdet

In der EU bahnt sich Regulierung für kryptografisch verschlüsselte Kommunikation über Dienste wie WhatsApp an. Hintergrund sind Terroranschläge wie jüngst in Wien. Können die Entwicklungen auch Auswirkungen auf die Kryptobranche haben?

Kryptografie erklärt das Lexikon als „Geheimschrift“ und Teilgebiet der Mathematik, welche den sicher verschlüsselten Austausch von Informationen erlaubt. Im Zusammenhang mit Bitcoin und Co. ist Kryptografie ein entscheidender Grundpfeiler des Konzepts von manipulationssicheren Finanztransaktionen. In der Online-Kommunikation sorgt Kryptografie für Chats, die privat bleiben und nicht von Dritten mitgelesen werden können. Dieser Einsatzzweck ist Nachrichtendiensten und Polizei schon lange ein Dorn im Auge, denn Kryptografie schützt so auch die Chats von Terroristen und Kriminellen. Mit dem Terroranschlag von Wien vergangene Woche geraten nun WhatsApp und andere Messenger-Dienste wieder in die Kritik. Dem EU-Parlament soll jetzt unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, der WhatsApp und andere dazu verpflichtet, kryptografische Verschlüsselung bei Verdachtsfällen entschlüsselbar zu machen.

Doch der Vorschlag ist heikel. Fachleute weisen daraufhin, dass Masterkeys und/oder geheime Hintertüren bei Messenger Diensten über kurz oder lang auch in andere Hände als die der Behörden fallen können und somit das gesamte System kompromittieren. Die Argumentation führt in die Richtung, dass gesetzliche Einschränkungen zur Nutzung von Kryptografie Privatsphäre bedrohen und einen generellen Tabubruch bedeuten würden. Im öffentlichen gewordenen Gesetzentwurf ist schwammig die Rede von „Sicherheit durch Entschlüsselung und Sicherheit trotz Entschlüsselung“.

Kryptobranche ohne Kryptografie undenkbar

Was auffällt: In der politischen Diskussion um bessere Sicherheit für die Zivilgesellschaft und Kryptografie dreht sich alles um WhatsApp, Telegram, Signal und vergleichbare Messenger-Dienste. Doch der andere wichtige kommerzielle Zweig von Kryptografie, nämlich Kryptowährungen, wird außer acht gelassen. Gesetzliche vorgeschriebene Hintertüren oder Masterkeys in diesem Bereich würden das Vertrauen in Bitcoin und Co. sofort zerstören. In Deutschland schweigen Branchenverbände wie Bitkom oder der Blockhain Bundesverband bislang zu dem Gesetzesentwurf.

Dabei ähnelt die Situation in mancherlei Hinsicht den Anfangsjahren von Bitcoin. Weil BTC zunächst Bedeutung und Bekanntheit darüber erlang, bevorzugte Währung für illegale Geschäftes zu sein, hängt Bitcoin bisweilen weiter der Ruf an, Werkzeug von Kriminellen zu sein. Auf WhatsApp und Co. übertragen: Weil auch Terroristen Kryptografie für sich entdeckt haben, wird ein Generalverdacht über diese Anwendungen gelegt.

Fazit: Das heikle Dilemma von Kryptografie

Der Spagat zwischen berechtigten Sicherheitsinteressen und ebenso berechtigter Privatsphäre ist kaum auflösbar. Falls sich die EU tatsächlich dafür entscheidet, in den Bereich Kryptografie gesetzlich einzugreifen, besteht große Gefahr, weit über das Ziel hinauszuschießen. Ob bei Updates für Betriebssysteme, ob bei vertraulicher Kommunikation in Politik und Justiz, ob bei Demokratiebewegungen in Hongkong oder Belarus – Kryptografie ist eben in vielen Lebensbereichen Alltag geworden. Wer dort an einer Stelle Verschlüsselung aufweicht, bringt das gesamte System in die Bredouille. Es ist zu hoffen, dass sich die Parlamentarier selbst unter dem Eindruck von verabscheuenswerten Terrorakten nicht dazu verleiten lassen, ein Exempel gegen Kryptografie zu setzen. Denn eins lehrt die Beschäftigung mit Politik und Krypto immer wieder: Es mangelt an Fachkompetenz unter Abgeordneten und Ministern, um Reichweite und Brisanz gut gemeinter Eingriffe in die innovative Technologie abzuschätzen.


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