Uniswap blockiert mindestens 253 Nutzeradressen – DeFi noch dezentralisiert?

Uniswap ist die wichtigste dezentralisierte Kryptobörse (DEX) der Welt. Jetzt wird bekannt: Uniswap blockiert mindestens 253 Nutzeradressen, von „Zensur“ ist die Rede. Der Fall wirft Fragen zu DeFi generell auf.

Decentralised Finances (DeFi) sind über die letzten Jahre zu einer der wichtigsten Wachstumssparten der Kryptoindustrie geworden. Bei der größten globalen dezentralisierten Kryptobörse Uniswap (UNI) werden täglich Umsätze von über 1 Milliarde US-Dollar gemessen, die Plattform ist ein DeFi-Schwergewicht. Jetzt macht bei Twitter ein Entwickler unter dem Namen Banteg darauf aufmerksam, dass bei Uniswap in den letzten vier Monaten mindestens 253 Adressen von Nutzern geblockt wurden. Aber wie kann das sein, wenn eine DEX doch eigentlich dezentralisiert organisiert ist und solche Eingriffe deshalb unmöglich sein sollten?

Banteg zeigt in seinem Leak zu Uniswap interne Dokumente. Uniswap Labs kooperiert seit Frühjahr mit TRM Labs und hatte dazu auch einen Blogbeitrag veröffentlicht. Durch die Zusammenarbeit sollte demnach automatisiert und kontinuierlich geprüft werden, ob Adressen von Uniswap Nutzern auf Sanktionslisten auftauchen. Damit wollte man sich auch gegen Vorwürfe für mögliche Beihilfe zu Geldwäsche, Terrorfinanzierung und anderen illegalen Aktivitäten in die Vorwärtsverteidigung begeben. Denn schon Probleme mit der US-Börsenaufsicht SEC in 2021 hatten verdeutlicht, dass Behörden im Zweifelsfall das Team hinter Uniswap belangen.

Sieben Risikofaktoren misst Uniswap nun und schließt darauf auf zwei Risikostufen. Aus dieser Bewertung ergeben sich dann die Blockierungen. Ein solcher Risikofaktor ist etwa, wenn Krypto aus Mixern zu Uniswap fließt. Hier hat das behördliche Eingreifen gegen Tornado Cash, einen wichtigen Ethereum Mixer, zuletzt Schlagzeilen gemacht. Nur kann der einzelne Anleger manchmal gar nicht wissen, ob seine ETH in der Vergangenheit vielleicht einmal durch Tornado Cash gelaufen sind. Banteg gibt Beispiele für geblockte Adressen, die so ziemlich alle Risikofaktoren besetzen – und kommentiert, solch breitgefächerte Kombination von illegalen Aktivitäten bei einer Person sei dann doch eher unwahrscheinlich. Er listet auch auf 30 ENS-Adressen auf, die von den Blockierungen betroffen sind. ENS-Adressen sind individuelle, leicht zu merkende Adressen beim Ethereum Name Service und deshalb eher nicht eine Methode, um illegales Treiben zu verheimlichen.

Fazit: Der Fall Uniswap zeigt, dass DeFi und Dezentralisierung nicht immer eins sind

Technisch versierte Nutzer können sich wohl nach Alternativen zu Uniswap umsehen oder dort durch direkte Brücken zum Interface Sperren vermeiden. Aber der typische Anleger wählt ja Uniswap gerade wegen einfacher Bedienung über die zentrale Webseite und wird damit in Wirklichkeit zum Kunden von Uniswap Labs. Es ist nachvollziehbar, dass sich das Team von Uniswap Labs vor Strafverfolgung absichern will. Es ist zudem wahrscheinlich, dass unberechtigt oder fragwürdige Blockierungen bei Uniswap wieder händisch aufgehoben werden. Aber die Situation führt auch deutlich vor Augen: Ein dezentralisierter Code verliert seine Unangreifbarkeit an der Stelle, wo Entwickler und anderes Personal ins Spiel kommen und eingreifen können. So wird man künftig bei DeFi genauer hinschauen müssen, wie ein Produkt gebaut wurde und ob es das Versprechen von Dezentralität auch unter Druck erfüllen kann.


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