Bitcoin Cash: 51-Prozent-Attacke, um einen anderen Angriff abzuwehren?

Bei Bitcoin Cash (BCH) führt eine koordinierte 51-Prozent-Attacke zweier großer Mining Pools zu Diskussionen. Der koordinierte Eingriff in die Integrität des Netzwerks war dazu gedacht, Transaktionen zu stoppen, die durch einen Programmfehler möglich geworden waren. Klingt merkwürdig? Ist es auch.

Aufregung bei Bitcoin Cash (BCH): Eine 51-Prozent-Attacke ist eigentlich ein Horrorszenario für Blockchains, denn die Angreifer übernehmen dabei die Kontrolle über die Historie von Transaktionen und ändern sie zu ihren Gunsten. Im aktuellen Fall bei BCH ist eine 51-Prozent-Attacke zu verzeichnen – doch die Verursacher nutzten sie offensichtlich nur dazu, einen höchst gefährlichen Softwarefehler auszubügeln. Denn bei BCH stand am 15. Mai 2019 ein Update des Codes an, der einen Bug enthielt und so zu leeren Blöcken führte. Diese wurden von einem unbekannten Angreifer genutzt um BCH zu beanspruchen, die zu fälschlicherweise zu SegWit BCH Adressen geschickt wurden. Genau diese Transaktionen galt es nun zurückzudrehen. Eben dies haben die Mining Pools BTC.com und BTC.top erledigt, mehr aber anscheinend auch nicht. So gesehen war diese 51-Prozent-Attacke eine kurzfristige freundliche Übernahme der BCH-Blockchain. Einen schalen Nachgeschmack hinterlässt die Aktion aber allemal und so lohnt es sich, die Angelegenheit noch einmal etwas genauer zu betrachten.

„Freundliche“ 51-Prozent-Attacke – gibt es die überhaupt?

Der Blick auf die Daten von Coin Dance zeigt: Bei Bitcoin Cash sind BTC.com und BTC.top zwei der wichtigsten Mining Pools, normalerweise aber selbst zusammengezählt deutlich unter der Marke von 50 Prozent. Obwohl offizielle Kommentare zu den Geschehnissen fehlen, ist aus der Blockhistorie auch ersichtlich: BTC.com und BTC.top haben sich nicht bereichert, sondern eben nur die Transaktionen korrigiert, die nicht hätten sein sollen. Insofern könnte man von einer „freundlichen Attacke sprechen“.

Anderseits ist die Aktion ein mehr als deutliches Warnzeichen. Was, wenn die Koalition von BTC.com und BTC.top alle Möglichkeiten ausgeschöpft hätte, die ihr zur Verfügung standen? Denn prinzipiell war es ihnen möglich, jegliche Transaktion zu ändern – genau das, was eine Blockchain eigentlich ausschließen soll. Bei Honest Cash etwa schreibt BCH-Unterstützer kiarahpromise von dem „schlimmsten Fall“, der die Idee eines dezentralisierten Netzwerks sabotiert und warnt: „Applaudiert einer 51-Prozent-Attacke auf keinen Fall, auch wenn sie „diesmal okay“ schien“. Zur Einschätzung: Als die führende Kryptobörse Binance zuletzt Bitcoin (BTC) im Wert von mehr als 42 Millionen US-Dollar durch einen Hackerangriff verlor, entschied sich das Management, nicht an die BTC-Gemeinde zu appellieren, gemeinsam die offenbar kriminellen Transaktionen zu korrigieren.

Was lernen wir aus der 51-Prozent-Attacke bei BCH?

Es gibt zwei Lehren, die direkt den BCH betreffen: Erstens wurde dort bei der Fortentwicklung des Codes schludrig gearbeitet, denn sonst wäre es gar nicht zu den Problemen gekommen. Zweitens ist bei BCH viel zu viel Rechenpower in viel zu wenigen Händen. Auch wenn die beiden Vorfälle nicht direkt miteinander zusammenhängen: Erst vor wenigen Wochen stutzten Beobachter, weil beim BCH fast 50 Prozent aller Transaktionen über eine einzige Adresse liefen.

Allgemein ist festzuhalten: Für die Mehrheit der Kryptogemeinde sind 51-Prozent-Attacken der Albtraum schlechthin neben Hot Wallets und Hackerangriffen. Bei Crypto51 gibt es einen Überblick, was 51-Prozent-Attacken aktuell ungefähr kosten dürften. Selbst bei Bitcoin sind es nur rund ein halbes Dutzend Mining Pools, welche die Mehrheit der Hashrate unter sich aufteilen, darunter erneut BTC.com und BTC.top. Mehr Mining Pools wären gut für das Vertrauen und eine solidere Absicherung bei Blockchains, die auf Proof-of-Work setzen.

Die Problematik von 51-Prozent-Attacken bei Proof-of-Stake wiederum ist ein anderes Thema, was sich beispielsweise in Alleingängen von Block Producern bei EOS ausdrückt. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir über solche Vorfälle berichten und die Kryptogemeinde zu Recht diskutiert.


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