Bitcoin Kursverlust erklärt: Bitfinex verliert 850 Millionen USD und nutzt Tether Reserven um dies zu verschleiern

Wie Dokumente des Generalstaatsanwaltes von New York belegen hat Bitfinex auf 850 Millionen US Dollar keinen Zugriff, da diese bei Crypto Capital liegen. Crypto Capital wiederum behauptet, dass das Geld beschlagnahmt wurde. Um den Verlust auszugleichen hat sich Bitfinex Geld aus der Tether Reserve geliehen und dies nicht öffentlich bekannt gemacht. Nach bekanntwerden der Umstände sind die Kurse von fast allen Kryptowährungen heute Nacht deutlich eingebrochen. 

Wer heute morgen aufgewacht ist wird festgestellt haben, dass die Kurse von fast allen Kryptowährungen teilweise um 5% und mehr zurückgegangen sind. Dies betrifft nicht nur Bitcoin, sondern auch fast alle anderen Kryptowährungen. Der Grund dafür ist eine Ermittlung des Generalstaatsanwaltes von New York gegen die Kryptobörse Bitfinex und Tether.

Im Grunde geht es darum, dass Bitfinex in den letzten Jahren permanent Probleme hatte Banken zu finden, die mit dem Unternehmen zusammenarbeiten, damit Bitfinex seinen Kunden Euro und US Dollar Ein- und Auszahlungen anbieten kann. Um das Problem zu lösen hat Bitfinex dann entschieden mit Crypto Capital zusammenzuarbeiten einem Unternehmen, dass angibt Fiat Ein- und Auszahlungen für Kryptobörsen zu ermöglichen. Bitfinex hat schließlich rund 850 Millionen US Dollar zu Crypto Capital geschickt und das Unternehmen sollte dafür Fiat Auszahlungen für Bitfinex durchführen. Bei den zu Crypto Capital geschickten Guthaben dürfte es sich zum großen Teil um Guthaben von Bitfinex Kunden gehandelt haben.

Im Oktober und November 2018 wollte Bitfinex dann die Guthaben bei Crypto Capital nutzen um von Kunden angeforderte Fiat Auszahlungen im Wert von mindestens 500 Millionen US Dollar durchzuführen. Wie Crypto Capital dann aber Bitfinex mitgeteilt hat, standen die Guthaben nicht mehr bei Crypto Capital zur Verfügung, da die Guthaben angeblich von Behörden in Polen, Portugal und den USA beschlagnahmt wurden. Hierzu sei ergänzt, dass der Generalstaatsanwalt diese Aussage von Crypto Capital anzweifelt. Es ist also gut möglich, dass Crypto Capital einfach nur Bitfinex gescammed hat und um 850 Millionen US Dollar erleichtert hat. Genau belegt ist dies allerdings noch nicht.

Fakt ist allerdings, dass Bitfinex dadurch in Schieflage geraten ist und dringend Fiat Guthaben im Wert von mehreren hundert Millionen US Dollar benötigt hat, um die über Bitfinex angeforderten Auszahlungen zu bedienen. Um das Geld aufzutreiben kam Bitfinex auf die Idee, es sich einfach von Tether zu leihen. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass Bitfinex und Tether das gleiche Management haben. Die „Verhandlungen“ können also nicht sehr kompliziert gewesen sein. Tether hat schließlich Bitfinex eine Kreditlinie im Wert von 900 Millionen US Dollar eingeräumt. Als Sicherheit hat Tether Anteile an Bitfinex bekommen. Um die Auszahlungen zu bedienen wurden dann 625 Millionen US Dollar von Tethers Konto bei der Deltec Bank zu Bitfinex Konto bei der Deltec Bank überwiesen. Im Gegenzug hat Tether eine Forderung von 625 Millionen US Dollar an Crypto Capital verbucht. Damit war das ganze Buchhalterisch halbwegs sauber. Allerdings wissen wir ja heute, dass da bereits klar war, dass Crypto Capital dieses Geld zu dem Zeitpunkt nicht zahlen konnte und unklar ist ob es jemals gezahlt wird.

Auszug aus den Dokumenten des Generalstaatsanwaltes

Problematisch an dem ganzen Vorgang ist, dass Bitfinex anscheinend Guthaben von Anlegern verloren hat und dies versucht hat zu vertuschen in dem sich das Unternehmen Geld von Tether geliehen hat. Anlegern bei Bitfinex und Tether Investoren wurde dieses Vorgehen verschwiegen. Positiv bleibt zu erwähnen, dass wir jetzt immerhin sicher wissen, dass alle ausgegebenen Tether tatsächlich abgesichert sind. Im März hatte Tether übrigens seine Bedingungen geändert. Guthaben konnten von da an nicht nur durch US Dollar abgesichert worden sein, sondern auch durch Kredite an Dritte. Dies dürfte auf die Kreditlinie von Bitfinex zurückzuführen sein.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Staatsanwaltschaft in New York wird weiter ermitteln. Bitfinex hat zwar seinen Sitz in den British Virgin Islands und verbietet es US Kunden auf der Plattform zu handeln, die Staatsanwaltschaft hat aber Grund zu der Annahme, dass es immer noch zahlreiche Amerikaner gibt, die auf Bitfinex handeln. Daher fällt es auch in die Zuständigkeit der US Behörden. Letztendlich bleibt es aber Bitfinex überlassen, ob sie sich vor dem New Yorker Generalstaatsanwalt verantworten.

Was ist mit dem Geld der Anleger?

Wer Guthaben bei Bitfinex hat kann diese normal abheben. Bisher gibt es keine Berichte, dass es zu Problemen bei Auszahlungen gekommen ist. Ich habe auch von einem Unternehmen gehört, dass heute Nacht BTC im Wert von über 1 Million US Dollar abgehoben hat bei Bitfinex und dies problemlos bearbeitet wurde. Es zeigt aber welchem Risiko eure Guthaben bei Exchanges ausgesetzt sind. Besser ist es hier ein Hardware Wallet zu nutzen. Bitfinex hat sich zu der Sache mittlerweile auch geäußert:

Bitfinex Antwort auf die Vorwürfe

Was die Kursverluste angeht so zeichnet sich ab, dass das Schlimmste vorbei ist und der Markt sich aktuell wieder erholt.

Update 27.04.2018 14:00 Uhr: Alle Nutzer von Bitfinex haben jetzt noch einmal eine Email mit einem offenen Brief erhalten. Diesen findet ihr hier:

Bitfinex Open Letter

Wer noch keine Bitcoins hat kann diese bei eToro für Euro kaufen. Mit einem Hebel könnt ihr Bitcoins bei BitMEX (1:100) handeln, wie BitMEX funktioniert erfahrt ihr hier

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