Frontrunning – Warum dezentrale Börsen (DEX) kein guter Ort zum Handeln sind

Dezentralisierte Kryptobörsen (DEX) zählen zu den Trendthemen 2019, Binance will seine DEX in Kürze freischalten. Spezialisten haben unterdessen nachgewiesen, dass bei den bereits existierenden DEXes automatisierte Handelsprogramme Millionengewinne scheffeln. Die Bots bedienen sich dabei einer als „Frontrunning“ bekannten Strategie.

Stell dir vor, du handelst an einer Kryptobörse und andere Händler sind dir anscheinend immer einen Schritt voraus dabei, Kursschwankungen vorherzusagen. Genau darum geht es bei dem als „Frontrunning“ bekannten Phänomen, das spätestens seit 2014 durch das Buch „Flash Boys“ und dem darin beschriebenen Hochfrequenzhandel an klassischen Börsen für öffentliche Diskussionen gesorgt hat. Wenn Marktteilnehmer früher als andere wissen, wohin sich der Kurs entwickelt, können sie automatisiert Gewinne realisieren. In einer ausführlichen Studie haben Kryptospezialist Ari Juels und ein internationales Team die Methode Frontrunning bei dezentralisierten Kryptobörsen (DEX) nachgewiesen. Unter die Lupe nahm man dabei die DEXes EtherDelta, Bancor 0x v1, 0x v2, Token Store und KyberSwap.

Wie funktioniert Frontrunning bei DEXes

DEXes werben mit dem Prinzip der Dezentralität und dadurch niedrigen Gebühren. Auf der anderen Seite werden die Transaktionen priorisiert, bei denen Händler bereit sind, höhere Gebühren zu bezahlen. Hier setzt das Frontrunning ein, bei dem Bots agieren. Der automatisierte Händler ist also stets bereit, etwas mehr Gebühren als andere Marktteilnehmer zu bezahlen und erhält dadurch den Wissensvorsprung, wohin sich der Kurs einer Kryptowährung entwickelt. Dementsprechend kann er sich mit Coins eindecken oder sie abstoßen. Verrechnet mit den leicht erhöhten Gebühren ergeben sich dadurch immer noch Gewinne von bis 20.000 US-Dollar täglich pro Bot, schreiben die Datenanalysten, und mindestens 500 solcher Bots seien identifiziert worden. Bancor hat laut einem Bericht von Bloomberg bereits reagiert und eine Höchstmarke für gebotene Transaktionsgebühren (oft auch Gas genannt) festgesetzt, um die Bots zu entschärfen.

Manipuliert Frontrunning die Kurse?

Frontrunning hat zunächst einmal wenig direkten Einfluss auf den Kurs einer Kryptowährung. Das Problem besteht darin, dass das Neutralitätsprinzip einer Börse verletzt wird. Deshalb ist Frontrunning an klassischen Börsen mittlerweile fast überall explizit verboten. Ob und wie Frontrunning auch an zentralisierten Kryptobörsen praktiziert wird, hat die Studie nicht untersucht. Besonders schlimm ist das Thema übrigens bei Kryptowährungen wie EOS und TRON. Hier sehen die Block Producer alle Transaktionen bevor sie von ihnen bestätigt werden. Die Block Producer haben also eine einfache Möglichkeit hier selber vorab andere Transaktionen zu platzieren.

Was folgt aus Frontrunning bei DEXes für Anleger?

Der Ansatz von Bancor, Höchstgrenzen bei Geboten für Transaktionsgebühren festzusetzen, könnte ein Weg aus dem Dilemma sein, eigentlich DEXes zu wollen, aber ohne gegen überlegen agierende Bots zu spekulieren. Festzuhalten bleibt, dass für Händler der Begriff Dezentralisierung seine Schattenseiten hat, nämlich dadurch, dass keine unparteiische Ebene transparent über faires Handeln wacht. Wenn DEXes wie EtherDelta nicht einmal auf Bloomberg-Fragen zu Frontrunning reagieren, drängt sich der Verdacht auf, dass hier die Betreiber vielleicht selbst Bots einsetzen. Es wird spannend, wie die kommende Binance DEX mit Bots und Frontrunning umgeht.


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