Die Wahrheit hinter vielen Whitepapers – so entstehen sie wirklich

Theoretisch sind Whitepapers im Zusammenhang mit Kryptowährung die Dokumente, in denen das jeweilige Geschäftsmodell und technische Hintergründe detailliert beschreiben werden. So sollen Anleger etwa vor ICOs informiert werden, in was sie investieren. In Wirklichkeit aber sind viele Whitepapers wohl kaum das Papier wert, auf dem sie ausgedruckt werden.

„Es ist eigentlich immer das gleiche“, sagt Volodymyr Malyshkin, CEO von Illuminates. Seine Firma bietet unter anderem auch das Erstellen von Whitepapers für Krypto-Projekte an. Es sei völlig normal, dass Kunden kämen und sich wünschen, das Whitepaper eines anderen Projekts lediglich umzuschreiben. Dann werde es als eigenes ausgegeben und eingesetzt, um Investoren zu finden, so Malyshkin. Der Ukrainer gehört zu rund einem halben Dutzend von Autoren, die sich auf das Schreiben von Whitepapers in der Kryptoszene spezialisiert haben. Sie alle bestätigen, dass es bei ihrer Arbeit fast nie darum gehe, tatsächlich innovative Konzepte in besser verständliche Form zu bringen.

Beispiel KuCoin: Whitepaper mehr Dichtung als Wahrheit?

Hassan Sa’eed aus Nigeria sagt, er habe das Whitepaper für KuCoin verfasst, eine Kryptobörse aus Singapur mit eigener Kryptowährung. Darin finden sich euphorische Sätze über das KuCoin-Team, welches durch langfristige Aktivitäten eine tolle Zukunft für KuCoin garantieren werde. Man nehme ein, zwei Versprechen, so Hassan Sa’eed, und schon sei das Whitepaper fast fertig. KuCoin hat sein Whitepaper auf der eigenen Webseite bereits gelöscht, auf Nachfragen aber nicht reagiert. Hassan Sa’eed bestätigt, es gehe bei seiner Arbeit nicht wirklich um Fachwissen, sondern einfach um blumig formulierte Lockangebote.

Krypto-Whitepapers: Alles nur Märchen?

Ein Autor beschreibt die Situation, in der er sich darüber gefreut habe, nicht wie vereinbart für sein Whitepaper in der neuen Kryptowährung bezahlt worden zu sein. Denn dann hätten die US-Behörden das als steuerpflichtiges Einkommen gewertet, so der anonym bleibende Schreiber. Der neue Coin sei aber ein Shitcoin, er wäre bei Bezahlung für das Whitepaper sogar auf Verlusten sitzen geblieben. Von wenigen 100 US-Dollar an soll es möglich sein, ein Whitepaper in Auftrag zu geben, und mehr als 50.000 US-Dollar kosten diese eigentlich wichtigen Dokumente demnach nie. In der Branche sei es gang und gäbe, die Erstellung von Whitepapers durch Freelancer erledigen zu lassen. Die Nachfrage ziehe gerade wieder an. Anmerkungen von Autoren, wenn sich aus der Auftragsbeschreibung logische Fragen ergeben, würden normalerweise abgebügelt. Große Zahlen und eleganter Konjunktiv – das mache ein erfolgreiches Whitepaper aus.

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Was du sonst noch als Anleger zu Whitepapers wissen solltest

Das legendäre Whitepaper zum Bitcoin (BTC) hat inhaltlich Substanz und zudem dafür gesorgt, Craig „Ich bin Satoshi“ Wright der Lügen zu überführen. Auch das Whitepaper zu Ethereum gilt als ein fachwissenschaftlicher Meilenstein, hier schrieb Vitalik Buterin selbst und wurde damit fast über Nacht zum Star in der Kryptoszene.

Wir verlinken häufig auf die Whitepaper zu neuen Projekten, weil sie eine Orientierungshilfe bei Investments sein sollten. Die aktuellen Enthüllungen machen aber auch deutlich, dass viele Whitepapers nicht das halten, was sie versprechen. Das Kleingedruckte zu lesen und mit eigenem Wissen abzugleichen, ist kein Vergnügen. Aber es hilft, mit gesundem Menschenverstand offensichtliches PR-Blabla zu identifizieren und auf logische Lücken aufmerksam zu werden. So werde beispielsweise in vielen Whitepapers absichtlich verschweigen, welcher Anteil der Einnahmen bei ICOs an Gründer gehen, beschreiben Autoren die Praxis.

Auch Krypto-News von Fake-Autoren betroffen

Ein letzter Hinweis: Einige der befragten Autoren erklärten, für Kryptowährungen neben Whitepapers zudem Texte zu schreiben, die dann gezielt auf angeblichen Fachportalen publiziert würden. Dort, wo dann eigentlich „Sponsored News“ oder Ähnliches über dem Artikel stehen sollte, wird stattdessen der Eindruck redaktioneller Unabhängigkeit erweckt, um Kurse zu beeinflussen oder Investoren anzulocken. An solchen Praktiken beteiligen wir uns natürlich nicht. Bleibt vorsichtig dabei, wem ihr in Sachen Hintergrundinfos zu Kryptowährungen vertraut – in diesem Geschäft mischen viele dubiose Teilnehmer mit ihren eigenen Interessen mit.


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