IOTA beerdigt konkrete Zeitpläne für Fortentwicklung – auch Coordicide betroffen

Die IOTA Stiftung verabschiedet sich von der Praxis, für wichtige Schritte in der technologischen Weiterentwicklung Zieldaten zu nennen. Dies gilt auch für das große Vorhaben Coordicide aka IOTA 2.0.

Ende April ist IOTA 1.5 durch Chrysalis Realität geworden und der technologisch im Grunde überfällige Schritt hat für viel Anerkennung gesorgt. Jetzt aber lässt ein Detail aus dem Innenleben und Selbstverständnis der IOTA Stiftung aufhören: Denn ab sofort ist Schluss bei IOTA mit einer konkreten Roadmap, die Zeithorizonte für kommende wichtige Entwicklungsziele nennt. Bekannt gegeben hat dies Charlie Varley, einer der Chefentwickler von IOTA, per Twitter. Man wolle so Druck von der IOTA Stiftung nehmen und auch Spekulationen mit IOTA entgegenwirken, schreibt Varley. Doch Fachleute stutzen aus mindestens drei Gründen:

  1. Klar definierte Daten für anstehende große Neuigkeiten wie den Launch eines Produkts oder existenzielle Fortentwicklungen sind in der Kryptobranche wie in anderen Industrien gängige und gute Praxis. Denn Anleger wie Kunden wollen zu Recht umfangreich informiert sein, dass gilt auch für IOTA.
  2. Wer sich mit IOTA näher beschäftigt, wartet auf IOTA 2.0 (Coordicide). Dieses grundsätzliche Ziel nennt die IOTA Stiftung seit mindestens vier Jahren und es bedeutet inhaltlich die Abschaffung des zentralen Koordinators im Tanglenet. Erst so würde IOTA ein dezentrales Netzwerk und Dezentralität ist das Gebot der Kryptobranche, welches Vertrauen schafft.
  3. IOTA ist berühmt-berüchtigt für nicht eingehaltene Zeitpläne, Chrysalis musste vielfach verschoben werden. Für IOTA 2.0 hatten die Gründer erst im Herbst 2020 einen Start in 2021 versprochen. Das zweite Testnet für Coordicde namens Nectar lässt seit Monate auf sich warten.

Die neue Roadmap bei IOTA lässt sich hier finden. Varley sagt, die einzelnen Abteilungen bei der IOTA Stiftung seien mittlerweile eine „gut geölte Maschine“ und intern würden durchaus weiterhin Zeitpläne aufgestellt. In den Kommentaren der IOTA Community überwiegt Zustimmung und der Tenor: Man solle Sorgfalt bei der Fortentwicklung von IOTA über Geschwindigkeit stellen.

Fazit: IOTA mit fragwürdigem Manöver bei Roadmap

Um eins klarzustellen: Ob bei Ethereum (ETH) oder Cardano (ADA), ob Polkadot (DOT) oder Filecoin (FIL) – das Korrigieren von ehrgeizigen Zeitplänen ist in der Kryptobranche gang und gäbe. Häufiger hat dies wahrscheinlich auch vor technologischen Fehlschlägen bewahrt. Insofern ist die IOTA Stiftung kein Sonderfall in ihrer Vergangenheit, hat allerdings Änderungen im Zeitplan oft unglücklich oder unvollständig nach außen kommuniziert.

Ganz auf öffentliche Zieldaten zu verzichten aber ist gerade in Hinsicht auf IOTA 2.0 ein sehr merkwürdiges Vorgehen. Denn ohne Dezentralität durch Coordicide machen DeFi Ambitionen von IOTA und damit verbundene Smart Contracts inhaltlich wenig Sinn. Und Spekulationen und Diskussionen über die Zukunftsfähigkeit von IOTA dürften erst Recht wieder aufflammen. Von Themen wie Insiderhandel ganz zu schweigen. Zu Transparenz bei einem solch großen Projekt wie IOTA (Marktkapitalisierung gut 6 Milliarden US-Dollar) und einer als gemeinnützig erkannten Stiftung gehören nun einmal auch Zeitpläne, selbst wenn diese von handelnden Personen als unbequem empfunden werden.

Der neue IOTA-Chef Dominic Schiener war Ende 2020 mit dem Versprechen von mehr Transparenz angetreten. Daran sollten ihn jetzt Anleger und Team eindringlich erinnern. Hier geht es nicht um Schmähkritik an IOTA, sondern eine prinzipielle Frage von Vertrauen.


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4 Kommentare

  1. Ich kann die Foundation gut nachvollziehen. Der ständige Druck durch einzelne Community Mitglieder, wann denn endlich XY fertig sei, wenn es einfach unmöglich ist, sowas in dieser Branche auf die Woche genau zu fixieren, war unerträglich. Da du im Artikel Filecoin, Polkadot, Ethereum und Cardano nennst: ich habe gerade mal all deren Roadmaps angeschaut und keine einzige nennt auch nur einen konkreten Zeithorizont. Wie bei IOTA auch, wird dort nur über kommende Upgrades gesprochen – wann die stattfinden wird nicht erwähnt. Wenn du da andere Informationen hast, gerne mal mit mir teilen…
    Roadmaps mit konkreten Zeitplänen können realistischerweise nicht eingehalten werden, da sehr viele Variablen im Spiel sind. Auch das *zweimalige* Verschieben von Chrysalis spielt doch im Endeffekt gar keine Rolle? Wen interessieren 4 Wochen mehr oder weniger? Es ist reibungslos über die Bühne gegangen und dafür sollte man der IF Anerkennung geben. Genau aus diesem Grund wird bei Coordicide kein genaues Zeitfenster gewählt – wen es interessiert, der kann sich jederzeit auf Discord mit den Entwicklern persönlich austauschen und immer auf dem aktuellen Stand bleiben.

  2. Meine absolute Hochachtung für das Rückgrat der IOTA Foundation: Chrysalis zu verschieben um eine fehler- und reibungsfreie Migration zu ermöglichen ist ein absolut wichtiger Move. Da schaue ich mich bei anderen um und sehe in IOTA pure Profession – so ist es für mich richtig. Es geht nicht um Anleger, sondern darum eine Technologie zu perfektionieren, welche die Welt von morgen revolutionieren wird. Da sollte man sich den Zeitplan nicht von Anlegern diktieren lassen – sondern nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten.

    • Die Migration funktioniert so reibungslos, nichtmal Ledger ist unterstützt. Außerdem hat es noch nicht ein einziger Exchange geschafft zu migrieren obwohl die Foundation groß angekündigt hat das zahlreiche Exchanges das neue Mainnet am 28.4 unterstützen.
      Bitpanda hat nun sogar das Problem erstmal gar nicht migrieren zu können da deren Funds auf einem Ledger sitzen welches nicht unterstützt wird.

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