IOTA 1.5 gestartet – doch neuer juristischer Streit stört den Jubel

Bei IOTA hat der Launch von Upgrade Chrysalis technisch ohne Probleme geklappt. Doch ein Vorschlag der IOTA Stiftung, wie mit bestimmten großen Guthaben umzugehen ist, erzürnt Mitgründer David Sønstebø nachvollziehbar.

Eigentlich hatte man bei der IOTA Stiftung für den Tag nach dem großen Upgrade Chrysalis positive Presse erwartet. Doch mitten in diesen Optimismus platzte eine Twitternachricht von IOTA-Mitgründer David Sønstebø. Darin kündigt er einen „sehr schmutzigen und langen juristischen Krieg“ an, der „alles aus der Vergangenheit von IOTA“ beinhalten werde. Was ist da schon wieder los bei IOTA, fragen sich Beobachter.

Worum geht es beim erneuten Machtkampf bei IOTA?

Die Gründer von IOTA sind schon seit geraumer Zeit überwiegend heillos zerstritten. Dies drückte sich zunächst nach dem Ausscheiden von CFB Sergey Ivancheglo Anfang 2020 dadurch aus, dass dieser Anwälte gegen David Sønstebø in Stellung brachte. Schnell wurde klar, dass es um Millionengelder in IOTA ging, die aus der Startphase stammen, aber von frühen Investoren nie beansprucht wurden. „Unclaimed Token“ heißen diese Bestände bei IOTA. Bislang ging man davon aus, dass nur Sønstebø persönlich Zugang zu diesen IOTA habe, 62,5 Ti sollen es sein, die bei aktuellen Kursen weit mehr als 100 Millionen Euro wert sind.

David Sønstebø wurde im Dezember 2020 gegen seinen Willen aus der IOTA Stiftung rausgeschmissen, verhielt sich aber anschließend auffallend ruhig. In den letzten Tagen und Wochen hatte Sønstebø per Twitter sogar wieder die Werbetrommel für IOTA gerührt. Damit ist seit gestern schlagartig Schluss und Sønstebø sieht für IOTA eine „Tragödie“ bevorstehen. Der Grund dafür steckt in einer überraschenden Mitteilung der IOTA Stiftung von gestern, in der sie auf den ersten Blick sehr unschuldig das Thema „unclaimed Token“ anspricht.

Ohne die Namen CFB oder Sønstebø und Summen überhaupt zu erwähnen, spricht die IOTA Stiftung einfach davon, dass es Zeit sei, über diese „unclaimed Token“ zu entscheiden. Dazu muss man wissen, dass dies in Wirklichkeit auch bedeutet: Die IOTA Stiftung hat die fraglichen Adressen offenbar eingefroren und lässt von ihnen keine automatische Übertragung in das neue IOTA 1.5 zu. Damit hat Sønstebø den Zugriff auf die Reserven verloren. Ein solcher Umgang mit alten Guthaben unter IOTA 1.0 war von der IOTA Stiftung zu keinem Zeitpunkt in den öffentlichen Informationen zu Chrysalis angekündigt worden. Damit ist klar, warum Sønstebø der Hut platzt.

Was schwebt der IOTA Stiftung zu den „unclaimed Token“ vor?

Wortreich wirbt die IOTA Stiftung dafür, die „unclaimed Token“ nach einer noch zu organisierenden Abstimmung Mitte Juni auf ein neues Konto zu überführen, welches unter „IOTA Community Treasury“ fungieren würde. Andere Kryptoprojekte wie Polkadot (DOT) hätten mit solchen Rücklagen, über deren Verwendung die Community entscheide, gute Erfahrungen gemacht.

Falls dieser Vorschlag keine Mehrheit finde, werde es bei IOTA einen Hard Fork geben, heißt es von der IOTA Stiftung. Damit würde das Tanglenet in nicht miteinander kompatible zwei Versionen aufgesplittet. IOTA 1.5 würde dann die Unterstützung der IOTA Stiftung haben und auch das meiste Kapital in sich tragen. Das alternative IOTA soll dann IOTA Alternative Solution aka IOTA AS heißen. Klingt logisch, ist aber auch als Erpressungsversuch zu interpretieren. Denn IOTA Guthaben unter AS dürften rapide an Wert verlieren, die Stiftung erinnert an solche Situationen wie bei Ethereum Classic und Bitcoin SV, die sich durch Hard Fork von ihren Ursprüngen abtrennten.

IOTA Stiftung mit vergiftetem Vorschlag zu „unclaimed Token“

Nicht nur der bekannte IOTA-Kritiker Hund sieht per Twitter in dem Vorgehen der IOTA Stiftung zu den „unclaimed Token“ einen stillen Diebstahl – und Hunds erstes Ziel war es immer, Sønstebø zu Fall zu bringen. Auch andere erinnern an das eherne Prinzip für Kryptowährungen: „Deine Passwörter (keys), Deine Guthaben“. Dieses wird mit der Methode der IOTA Stiftung aufgehoben, falls die „unclaimed token“ in einen Community Treasury geleitet werden. IOTA kann dies organisieren, weil ein zentraler Koordinator im Tanglenet nach wie vor Eingriffe in Transaktionen erlaubt – und hinter dem Koordinator steht die IOTA Stiftung. IOTA AS als angebliche Alternative ist witzlos, da dadurch absehbar Werte rapide verfallen würde.

Wie geht es weiter bei IOTA?

Sønstebø schreibt, dass er in Kürze eine umfangreiche Stellungnahme zu den Vorgängen um die „unclaimed Token“ veröffentlich werde. Dann seien die deutschen Behörden und die Anwälte der IOTA Stiftung an der Reihe, so Sønstebø. Zur Erinnerung: Die IOTA Stiftung ist als gemeinnützig anerkannt und hat ihren Sitz in Berlin. Sønstebø dürfte nach wie vor über detailliertes Wissen und Beweise verfügen, wie das 2015/16 eigentlich wirklich lief mit der Anfangsfinanzierung von IOTA und der Firma Firma Jinn Labs zuvor. Auch wenn viele in der IOTA Gemeinde grundsätzlich der Meinung sind, dass die „unclaimed Token“ aus jener Zeit eigentlich moralisch keinem einzelnen zustehen, könnte das juristisch betrachtet anders ausschauen. Denn es dürfte seine Gründe haben, warum die IOTA Stiftung das Thema jahrelang herunterspielte und nie wirklich lösen wollte. Die einmalige Möglichkeit, durch Chrysalis aka IOTA 1.5 im Grunde Fakten zu den „unclaimed Token“ schaffen, hat die IOTA Stiftung jetzt technologisch ergriffen.

Fazit: IOTA – der unendliche Streit um Geld und Macht

Man muss gar kein Freund von Sønstebø sein, um seine Empörung und daraus folgende Krawallbereitschaft zu verstehen. Er schreibt selbst, gestern hätte für IOTA wegen des lang ersehnten technischen Fortschritts mit Chrysalis eigentlich ein Tag zum Feiern gewesen sein sollen. Doch was die IOTA Stiftung da gestern parallel angezettelt hat, könnte auch als Enteignung bezeichnet werden. Übrigens ist der Blogpost der IOTA Stiftung zu den „unclaimed Token“ von niemandem namentlich gezeichnet, was dort absolut unüblich ist. Wer sich bei IOTA auskennt, weiß aber auch: Ohne das Okay von IOTA-Mitgründer Dominik Schiener wäre der Vorstoß nicht publiziert worden. Schiener hat bei der IOTA Stiftung nach dem Ausscheiden von Sønstebø und CFB de facto uneingeschränkte Macht. Bei IOTA kommen also aktuell wieder einmal Machtkämpfe, Nachtreten und der Streit ums liebe Geld an die Öffentlichkeit, während an sich den Entwicklern dank gebühren sollte, die IOTA 1.5 auf die Beine gestellt haben.


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10 Kommentare

  1. „Your keys, your token. Not your key, not your token.“
    Aus gutem Grund wird zwischen Besitz und Eigentum unterschieden. Obiger Spruch lässt sich damit schonmal nicht uneingeschränkt durchsetzen.
    Nur weil David Sønstebø (oder sein Unternehmen) im Besitz dieser Token war, heißt es nicht auch automatisch, dass sie ihm gehören.

    Ohne es selbst beurteilen zu können, wer seinen Besitzanspruch hier geltend machen kann, freue ich mich, dass dieser unklare Zustand angegangen wird.
    Auf die kommende Schlammschlacht könnte ich jedoch gut und gern verzichten.

    • Hä, Sønstebø war doch nur der Verwalter der Token und selbst angestellt bei der Iota Foundation. Das würde ja bedeuteten, dass jedem Kassenwart das Geld gehören würde, welches er verwaltet. Das your seed your token darf doch bei so etwas nicht gelten! Allerdings weiß ja auch keiner, in welcher Weiße und in welcher Funktion Sønstebø die Token erhalten hat. Es wird einfach mal Zeit das Ganze aufzuklären. Aber jetzt sich auf die Seite von Sønstebø zu stellen, ohne die wahren Hintergründe zu kennen und mal wieder mit einer Meldung dieser Art und Weise die Iota Foundation schlecht dastehen zu lassen, ist auch mal wieder kein neutraler Blogpost!

  2. Auf twitter macht ein screenshot vom 02.05.20 die Runde, auf dem nach der Verwendung dieser 65 Ti gefragt wird.
    Antwort Sonstebo: „Already been explained numerous times, goes to boosting IOTA.“
    Das ist auch genau das, was die IF jetzt plant, doch David will die vielen Millionen für …? David himself? Looks like.

  3. Zudem würde mich mal interessieren, wie Sie reagieren würden, wenn ein eigener Mitarbeiter so gegen Ihr Unternehmen schießt? Es geht darum eine gemeinsame demokratische Lösung zu finden.
    Sønstebø stand mit seiner Meinung bei den meisten Themen allein da. Es war der richtige Schritt in rauszuschmeißen. Das was Sønstebø da abgezogen hat, würde kein Unternehmen tolerieren!

  4. Moment mal. Das ist doch nicht richtig, das wegen dem Coordinator dieser Eingriff Möglich ist. Es ist eine Art Hardfork gewesen und da lässt sich eben, „die Wahrheit“ ändern. Ich erinnere an den DAO Hack bei Ethereum, der durch ein Hardfork Rückgängig gemacht worden ist.

  5. Verkauft solange Ihr könnt… das wird nix mehr mit IOTA, Bosch und VW sind abgesprungen… es wird so kommen das IOTA nur heiße Luft war und diese entweicht schön langsam…

    • Hm, da ist dem Kryptoking wohl die Krone verrutscht.
      Das große Chrysalisupdate läuft tadellos? Check.
      Nectartestnetz ohne Coordinator live? Check.
      Große Firmen wie Dell, Intel, Zebra implementieren bereits IOTA-Technologie in ihre Produkte? Check.
      Soll ich fortfahren?
      Von wegen heiße Luft :DDD

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