Nobelpreisträger Stiglitz zu Facebook Libra: unnötig und gefährlich

Die von Facebook angekündigte Kryptowährung Libra erfährt scharfe Kritik von Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. Unter dem Titel „Daumen runter“ wettert Stiglitz gegen den Libra und sieht in ihm Gefahren für Wettbewerb und Privatsphäre sowie ein Modell für illegale Geschäfte.

Der US-amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz wird mit seinen 76 Jahren wahrlich kein Freund von Kryptowährungen mehr: Im Mai forderte Stiglitz, Bitcoin und Co, stillzulegen, jetzt knöpfte er sich Facebook Libra vor. In einem Gastkommentar für Project Syndicate schreibt Stiglitz, der Libra werde entweder eine Währung für illegale Aktivitäten wie Geldwäsche, Korruption, Steuerhinterzug und Drogenhandel – oder der Libra diene Facebook und seinen Verbündeten dazu, noch mehr als bisher Privatsphäre zu untergraben. Grundsätzlich zweifelt Stiglitz an, welches Modell hinter dem Libra stecke und ob Amerika den Wettbewerb im Kapitalismus noch ernst genug nehme.

Der Rundumschlag von Stiglitz gegen den Libra im Überblick

Was Stiglitz zum Libra vorträgt, ist keine spontane Äußerung in einem Interview, sondern eine aus seiner Sicht schlüssig ausformulierte Argumentationskette. Veröffentlich wurde sie bei Project Syndicate, einer Plattform, die Kommentare von prominenten Experten zu aktuellen Themen sammelt. Zu den Autoren dort gehört etwa auch der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer. Zum Thema der Demonstrationen in Hongkong gewann das Projekt beispielsweise den letzten dortigen Gouverneur Chris Patten als Kommentator. Der Anspruch von Project Syndicate ist, zu jedem wichtigen Thema einen sachkundigen Autor vorzuweisen. Für Facebook Libra soll dies eben Joseph Stiglitz sein.

Stiglitz beginnt seine Ausführungen mit dem mit Hinweis: Dass gerade Facebook und seine Verbündeten meinten, die Welt brauche eine weitere Kryptowährung, verdeutliche, wie diese sich von der Realität der Währungs- und Wirtschaftspolitik abgekoppelt hätten. Problem bei den Leitwährungen US-Dollar, Euro, Yen und Renminbi sei nicht mehr die Stabilität und Inflation, sondern allenfalls Deflation. Der Bankensektor sei zudem bereits in der Lage, Überweisungen und Zahlungen in Sekundenschnelle abzuwickeln. Was fehle, sei also keine neue Währung, sondern mehr Wettbewerb unter den Banken. Für die USA empfiehlt er, Überweisungsgebühren und Gebühren für Kreditkarten zu deckeln. Den Banken und Notenbanken sei es über Jahrzehnte gelungen, Geldgeschäfte sicher abzuwickeln und einen Großteil illegaler Geldflüsse einzudämmen. Was also könne das Geschäftsmodell sein, das hinter Facebook Libra steckt, fragt Stiglitz rhetorisch.

Zum eine könne Facebook hoffen, mit Einlagen auf den Libra über Zinsen Geld zu verdienen. Dies wäre aber auch über andere Anlageformen zu realisieren. Stiglitz glaubt, das es Libra darum gehe, eine Kryptowährung aufzubauen, die sich Kontrollen weitgehend entziehe. Damit dann würden illegale Aktivitäten möglich, die sogar im Interesse des derzeitigen US-Präsident Donald Trump seien könnten. Denn wenn der Libra transparent kontrolliert würde, sei es keine Kryptowährung mehr, so Stiglitz.

Eine andere Idee hinter dem Libra könne sein, die Daten der Nutzer zu „Minen“ und dann daraus Profit zu schlagen. Dies sei aber ein Risiko für die Privatsphäre und letztendlich auch die Demokratie. Stiglitz bezieht sich hier indirekt auf den Einfluss, die politische Werbung, ausgespielt per Mikrotargeting bei Facebook, auf vorhergegangene Wahlen gehabt haben soll.

Stiglitz schließt zynisch: Die Banken hätten lange Zeit gebraucht, um das in sie gesetzte Vertrauen zu schmälern. Facebook sei dies innerhalb weniger Jahre gelungent. Wenn Facebook vor der Wahl stünde, Versprechen zu halten oder Geld einzunehmen, werde sich der Konzern immer für den Profit entscheiden. Wer Facebook Geld anvertraue, sei ein „sucker“, übersetzt ein Trottel, Dummkopf oder Narr. Doch niemand wisse besser als Facebook mit seinen 2,4 Milliarden Nutzern, wie viele solcher Trottel jede Minute geboren würden.

Stiglitz vs. Facebook – Wer behält Recht?

Stiglitz schreibt für sein Publikum – den Einblick bekommt man, sobald der Text aus Sicht der Kryptoszene gelesen wird. In Wirklichkeit geht es dem Ökonomen, der dem liberal-konservativen Spektrum zugerechnet wird, darum, die klassische Finanzwelt mit ihren Instrumenten zu verteidigen und einige Seitenhieb auf die USA unter Trump loszuwerden. Völlig außer acht lässt er beispielsweise, dass Facebook mit seinen Partnern sicherlich auf keinen Fall in den Ruf kommen will, der Libra sei ein Mittel für illegale Geschäfte. Auch seine Forderung nach mehr Wettbewerb läuft insofern ins Leere, das Kryptowährungen kein neues Phänomen mehr sind und in der EU der Libra bereits die Bankenwelt zu Reformen antreibt. Verbündete findet Stiglitz bei Institutionen wie der G8. Verwunderlich bleibt, warum eine renommierte Plattform wie Project Syndicate nicht zumindest ein Plus und Contra organisiert und einen Libra-Befürworter parallel zu Worte kommen lässt.


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