Terra (LUNA) und UST auf Ramschniveau – der Crash und seine Folgen

Hoffnungen darauf, dass der Absturz von Stablecoin UST (TerraUSD) und Terra (LUNA) noch aufgehalten werden könnte, haben sich im Nichts aufgelöst. Die Kryptoszene analysiert den Crash und seine Effekte.

Das Ende von Terra (LUNA) und dem verknüpften Stablecoin UST (TerraUSD) begann vor gut einer Woche langsam, ungewöhnlich hartnäckige Abweichungen bei der 1:1 Anbindung von UST an den US-Dollar markierten den Anfang. Anschließende Rettungsversuche verpufften und mittlerweile ist klar: Das Ökosystem um LUNA ist spektakulär implodiert. LUNA notiert weit unter 1 Cent und war direkt vor dem Crash noch um 80 US-Dollar wert. UST, vormals planmäßig mit 1 US-Dollar gehandelt, ist auf einen theoretischen Wert von um 17 Cent gefallen. Mindestens 40 Milliarden US-Dollar Kapital von Anlegern wurde innerhalb weniger Tage bei LUNA und TerraUSD versenkt. Die Wogen haben sich noch lange nicht geglättet und es drängen sich Fragen auf:

1. Was zwang LUNA und UST in die Knie? Kurzgesagt: Der Algorithmus, der die Stabilität von UST garantieren sollte, hat unter hoher Belastung versagt. Als Anleger begannen, im großen Stil UST aus DeFi Protokollen wie Anchor und Curve abzuziehen, setzte Schieflage ein. Und der Mechanismus, der eine solche Situation mittels LUNA auffangen sollte, kam technologisch an seine Grenzen. Eigentlich sollten beim Auslösen von UST parallel LUNA im gleichen Wert generiert werden – wie auch vorher beim Erstellen von UST dafür LUNA im Gegenwert zerstört („burned“) wurden. Doch die Blockchain von LUNA kam den Massenanfragen nicht mehr hinterher und die Liquiditätspools in der DeFi Sparte waren schnell leergefegt. Die Dominoeffekte waren letztendlich nicht mehr aufzuhalten.

2. Was ist mit den 3,5 Milliarden US-Dollar Reserve der Luna Foundation Guard (LFG) Stiftung passiert, die bei solchen Szenarios ein zweites Schutzschild bilden sollten? Ab Montag (9. Mai) wurden die Gelder in Tranchen freigegeben. Eigentlich sollten sie durch Stützungskäufe UST auf das Niveau von 1 US-Dollar zurückbringen und so dem Algorithmus mit LUNA die Chance geben, sich wieder einzupendeln. Dass dies es nur für wenige Stunden Effekte zeigte, ist mittlerweile offensichtlich. Blockchain-Recherchen von großen US-Kryptomedien wie CoinDesk können bisher nur beweisen, dass die in Bitcoin (BTC) gehaltenen Reserven an die Kryptobörsen Gemini und Binance flossen. Was dann geschah, ist nicht belegt.

3. Was sagen die Verantwortlichen? Chef und Gründer bei Terra ist Do Kwon. Er hatte Zweifel an der Stabilität des Algorithmus für UST und LUNA immer verlacht und war auch öffentlichkeitswirksame Millionenwetten gegen Kritiker eingegangen. Jetzt beteuert Do Kwon bei Twitter, dass es ihm das Herz breche zu sehen, wie der Absturz Vermögen vernichtet hat. Do Kwon sagt, weder er selbst noch ein verbundenes Unternehmen oder Institution habe von der Situation profitiert. UST schreibt Do Kwon ab, doch LUNA will er neu aufstellen.

4. Was sagen Experten? Changpeng Zhao als CEO der weltgrößten Kryptobörse Binance erklärt bei Twitter, er glaube nicht an einen Erfolg der aktuell diskutierten Pläne für eine Neuaufstellung von LUNA. Er fordert von der Stiftung transparente Dokumentation über den Einsatz der 3,5 Milliarden Reserven für UST ein. Ethereum-Gründer Vitalik Buterin wiederholt seine Position, undurchsichtige DeFi Geschäfte und Experimente wie algorithmische Stablecoins sollten gestoppt werden, da sie wie nun im Endeffekt der gesamten Kryptoindustrie schaden. Man müsse Einsätze von Ethereum (ETH) und anderen Kryptowährungen für Herausforderungen der Echtwelt priorisieren, so Buterin.

5. Beginnt jetzt eine Eiszeit für Bitcoin und Co.? BTC und alle wichtigen Altcoins haben im von LUNA und TerraUSD verursachten Strudel mächtig Federn gelassen und sind über die vergangene Woche um 10 und mehr Prozent ins Minus gefallen. Der Höhepunkt dieses Trends scheint überwunden und es formieren sich Stützungslinien bei den Preiskurven. Der Schock aber sitzt tief und es dürfte auch an weiterer Aufarbeitung der Geschehnisse bei UST und LUNA liegen, wann und wie Optimismus in der Kryptoszene wieder nachhaltigen Aufwärtstrend erlaubt. Die Gefahr einer langen Trockenphase besteht nach wie vor.

Fazit: Risikobereitschaft prüfen – Lehre aus dem Schicksal von UST und LUNA

Manche Anleger mögen die ständigen Warnhinweise auf Risiken bis hin zu Totalverlust beim Handel mit Kryptowährungen nicht sonderlich ernst nehmen. LUNA und UST haben jetzt auf bittere Art und Weise gezeigt, wie berechtigt diese gesetzlich vorgeschriebenen Warnungen sind. Höchste Zeit also für alle Anleger und so auch Dich, Risikobereitschaft und Portfolio zu prüfen. Wer bei LUNA und UST zumindest Stop-Loss oder Stop-Limits für seine Guthaben gesetzt hatte, konnte die Verluste noch eingrenzen.

Beunruhigend: Das neueste große algorithmische Stablecoin Projekt Decentralized USD (USDD) vom ohnehin berühmt-berüchtigten Tron-Gründer Justin Sun findet aktuell mit dem Versprechen von 30 Prozent Jahreszins großen Zulauf.


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