Tron Stablecoin USDD schwächelt weiter – spekuliert Gründer Justin Sun?

Seit fünf Tagen hat der algorithmische Stablecoin USDD seine 1:1 Anbindung an den US-Dollar verloren. Ein Crash wie bei Terra (LUNA) und UST wird befürchtet. Zu Tron-Gründer Justin Sun wirft eine Theorie Fragen auf.

Der im Ökosystem von Tron (TRX) verankerte algorithmische Stablecoin USDD notiert am fünften Tag in Folge mehr als 2 Cent entfernt vom angestrebten Niveau 1,00 US-Dollar. Die Abkopplung von USDD startete am Montag und viele in der Kryptoszene wetten darauf, dass der Trend USDD und Tron weiter ins Minus treibt. Auch ein riesiger Crash wie im Mai bei Terra (LUNA) und dem dortigen algorithmischen Stablecoin UST wird für möglich gehalten. Doch auf Twitter ist eine Theorie zu finden, die ein ganz anderes Szenario zeichnet: Demnach hätte Justin Sun als Gründer von Tron ein ureigenes Interesse daran, Spekulationen zu USDD und TRX anzuheizen.

Um den Gedankengang nachzuvollziehen, muss man sich in den Kopf eines ausgebufften Poker-Spielers versetzen. Twitter-Nutzer TheImmutable glaubt nämlich, dass Parallelen zwischen USDD und Tron zu Terra und USD gewaltig hinken, aber absichtlich nicht offen gelegt werden. Unterschied Nummer Eins: Theoretisch sollten beim Generieren von USDD automatisch TRX im entsprechenden Wert zerstört (burned) werden. Dieser auch in der Gegenrichtung funktionierender Mechanismus ist Grundkonzept algorithmischer Stablecoins. Doch bei Tron landen die TRX, die für das Erzeugen von USDD bezahlt werden, nicht im Nirwana, sondern in einer Wallet der Tron Stiftung.

USDD gar kein algorithmischer Stablecoin im engeren Sinn?

Wenn diese Information von TheImmutable stimmt, ist USDD gar kein echter algorithmischer Stablecoin. Er zitiert auch einen anderen Fachmann, demnach es die Stiftung rund 36 Millionen US-Dollar Reserven kosten würde, USDD auf die versprochene 1:1 Koppelung an den US-Dollar zurückzuführen. Ein solche strategische Intervention an den Märkten könnte Justin Sun wohl veranlassen und wäre finanziell überschaubar. Doch soweit TheImmutable die Situation interpretiert, versuchen Justin Sun und die Stiftung gar nicht ernsthaft, USDD am freien Markt mit Reserven zu stabilisieren. Denn ein solcher Schritt würde ihre eigentliche Taktik stören, meint TheImmutable.

Er zeigt auch auf, dass USDD im freien Handel kaum Volumen entwickelt und zudem zu großen Teilen an der Kryptobörse Poloniex stattfindet. Eben diese Plattform gehört seit Ende 2019 zum Imperium von Justin Sun. Laut TheImmutable hat Justin Sun so jetzt mit Poloniex einen Handelsplatz, an dem er die Preisbildung von USDD mit eigenen Positionen bequem beeinflussen kann. Bleibt aber die Frage, warum Justin Sun daran interessiert sein könnte, USDD zu dumpen und Zweifel an der Zukunft von TRX zuzulassen?

Ein Ansatz: Justin Sun habe die Entwicklung geplant, selbst im Vorfeld auf fallende Kurse mit Short-Positionen gewettet und so Profite generiert. Zudem würde er durch Gebühren von Fremdhändlern bei Poloniex mitverdienen. Eine weitere Idee: Wenn USDD „gerettet“ wird und zur 1:1 Bindung an den US-Dollar zurückkehrt, könnet dies auch Werbung für den algorithmischen Stablecoin sein. Als UST bei Terra in die Knie ging, waren dort fast 20 Milliarden US-Dollar in UST angelegt. USDD weist aktuell eine Marktkapitalisierung von rund 700 Millionen US-Dollar auf und es wäre im Sinne des Erfinders, wenn diese Kennzahl deutlich steigt.

Fazit: Abgesang auf USDD war verfrüht – was kommt als nächstes?

Die Rechnung zu USDD ist im Grunde sehr einfach: Wer den Tron Stablecoin derzeit kauft, bekommt 1 US-Dollar mit 3 bis 4 Prozent Abschlag, der dann zu realisieren ist, falls USDD sich wieder stabilisiert. Entsprechende Spekulationen bei UST und Terra führten aber zu massiven Verlusten. Die deutliche Überdeckung von USDD (laut Webpräsenz aktuell fast 300 Prozent) legt eigentlich nahe, dass dieser Stablecoin über kurz oder lang zur Anbindung an den US-Dollar zurückgeführt wird.

Aber Justin Sun wurde schon in der Vergangenheit Insider-Trading vorgeworfen. Zudem sind die Handelsplätze für USDD rar und nicht vom besten Ruf. Nimmt man noch die von TheImmutable aufgestellte These hinzu, dass Justin Sun im Geheimen die Fäden zu USDD anders führt als angenommen, wird klar: Ein Investment in USDD braucht mindestens gute Nerven und fundierte Eigenrecherche. Sich blind auf die Parolen von Justin Sun, Tron und USDD zu verlassen, könnte weiterhin schnell zum finanziellen Albtraum werden.


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