Wirecard Insolvenz: Sind auch Crypto.com, TenX und Co. betroffen?

Der Finanzdienstleister Wirecard hat vor dem Hintergrund von „verschwundenen“ 1,9 Milliarden Euro Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen hat als Herausgeber von Kreditkarten wie von TenX und Crypto.com Verbindungen zur Kryptobranche. Was passiert nun?

Am Ende ging es schneller als gedacht: Donnerstagmittag machte Wirecard bekannt, dass man einen Antrag auf Insolvenz beim Amtsgericht München eingereicht habe. Angedeutet hatte sich das Scheitern der einstigen Börsenstars bereits vor einer Woche, als Wirecard eingestehen musste, dass 1,9 Milliarde Euro Aktiva zwar in den Büchern verzeichnet sind, aber in Realität nicht existieren. In der Kryptoszene herrscht seit em Unruhe, denn im Hintergrund ist Wirecard auch als Herausgeber von Krypto-Visa-Kreditkarten wie etwa TenX und Crypto.com tätig. Sind Guthaben sicher und die Kreditkarten weiterhin nutzbar?

Das Desaster von Wirecard und die Kryptobranche

Das Fachportal Sifted mit der Financial Times im Rücken hat die Lage bei Wirecard aus Sicht von FinTech-Kunden genauer betrachtet. Demnach verbreite sich zwar teilweise Panik, aber diese sei unberechtigt. Denn die jungen Firmen, die mit innovativen Lösungen in der Finanzsparte mit Wirecard kooperieren, seien durchweg Kunde bei Wirecard Card Solutions (WCS) und nicht beim Mutterunternehmen Wirecard AG. Wirecard Card Solutions hat seinen Sitz in Großbritannien und konnte für das Geschäftsjahr 2018 rund 2,5 Millionen Pfund Gewinn vor Steuern vermelden. WCS fungiert laut Sifted unabhängig von der börsennotierten Wirecard AG und sei deshalb von der Insolvenz nicht direkt betroffen. Befragte FinTech-Unternehmen würden durchweg davon ausgehen, zumindest für den Moment weiter auf die Dienste von WCS zu vertrauen.

Kris Marszalek, der CEO von Crypto.com, versicherte auf Twitter abermals, dass alle Fiat-Guthaben sicher seien, auch für den Fall, dass Wirecard seine Dienste einstellen müsse. Er weist aber auch daraufhin hin, dass unklar sei, ob nicht auch Tochtergesellschaften von Wirecard nun zur Disposition stünden.

Bei der Wirecard AG heißt es derzeit, es werde geprüft, ob auch für Tochtergesellschaften Insolvenz angemeldet werden müsse. Festzuhalten ist in jedem Fall: Bei WCS lagern keine Guthaben von Kreditkarten-Kunden, sondern WCS übernimmt die Zahlungsabwicklung und die Herausgabe der Kreditkarten. Nach den bislang liegenden vorliegenden Informationen würden also im schlimmsten Szenario von WCS herausgegebene Kreditkarten für ungültig erklärt, Einlagen auf ihnen aber nicht in der Insolvenzmasse verschwinden.

Fazit: Pleite von Wirecard ein Weckruf für die Kryptobranche

Kryptobörsen wie Bitfinex und Krypto-FinTechs wie TenX können schon seit Jahren ein Lied davon singen, wie schwer es für sie ist, Kooperationspartner aus den Sparten Banken und Versicherungen zu finden. Coinbase beispielsweise überlegt deshalb, Selbstversicherer zu werden und hat sich mit Erfolg um eine eigenständige Rolle als Herausgeber von Kreditkarten im Visa-Verbund bemüht. Was mit WCS wird, bleibt vorerst unklar, dort gibt es keine Statements zur Situation. Laut Sifted hat sich beispielsweise auch Revolut als Krypto-freundliches FinTech auf WCS verlassen, aber schon vor Monaten begonnen, nach neuen Lösungen zu suchen. Der Zusammenbruch von Wirecard könnte also branchenweit noch weite Kreise ziehen, aber Du als indirekter Kunde scheinst Dir zumindest keine Sorgen um Deine Guthaben machen zu müssen.

Update 26.06.2020: Mittlerweile ist klar, dass auch Wirecard Card Solutions seinen Dienst einstellen muss. Damit werden innerhalb der nächsten 48 Stunden auch die TenX und Crypto.com Karten ungültig. Die Guthaben sind davon aber nicht betroffen. Diese bekommen die Kunden problemlos zurück. 


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