Bitcoin als Klimakiller? – Ein Faktencheck

Kritiker von Bitcoin werfen der wichtigsten Kryptowährung vor, dass BTC durch sein energiefressendes Konzept umweltschädlich ist und den Klimawandel beschleunigt. Was ist dran an den Vorwürfen?

Bitcoin Befürworter müssen immer damit rechnen, als Umweltsünder in die Kritik zu geraten. Denn Bitcoin ist eine digitale Währung, deren Organisation großen Rechenaufwand voraussetzt – und die in der Blockchain vernetzten Computer benötigen nun einmal Elektrizität. Allerdings ist die Diskussion um den angeblichen Klimakiller Bitcoin oft auch von Polemik geprägt. Wir rechnen nach:

1. Der Energieverbrauch von Bitcoin wird zunächst einmal in Terawattstunden (TWh) beziehungsweise Gigawattstunden (GWh) gemessen. Die renommierte Universität Cambridge stellt einen Modellrechner zur Verfügung, der anhand der aktuell stattfindenden Aktionen in der Blockchain von BTC den anfallenden Elektrizitätsverbrauch kalkuliert. Dort zeigt sich, dass der durch Bitcoin verursachte Energieverbrauch großen Schwankungen unterliegt, die mit Handelsaktivitäten und dem für das BTC Mining wichtigen Schwierigkeitsgrad bei der Lösung von kryptografischen Aufgaben zusammenhängen. Momentan ist laut Universität Cambridge bei Bitcoin ein jährlicher Wert von um 130 THW zu erwarten.

2. Im zweiten Schritt geht es darum, den Elektrizitätsverbrauch von Bitcoin in den sogenannten CO2 Fußabdruck umzurechnen. Wir bedienen uns dabei dem von der US-Umweltbehörde EPA online gestelltem Rechner hier. Allerdings ist dabei nicht der Wert von 130 TWh relevant, sondern es muss zuvor abgeschätzt werden, wie viel der von Bitcoin konsumierten Elektrizität aus erneuerbaren Quellen kommt und wie viel aus klimaschädlichen Quellen wie Kohle, Gas und Öl. Die Cambridge Universität nennt in einer Studie für Bitcoin 39 Prozent Energie aus erneuerbaren Quellen, aus der Kryptobranche schätzt etwa CoinShare in einer Studie den Anteil „grüner“ Energie für BTC wesentlich höher auf 77,6 Prozent.

Für unsere Berechnung wählen wir den konservativen Ansatz der Universität Cambridge und kommen somit durch 61 Prozent von 130 TWh auf etwa 79 TWh jährlichen Energieverbrauch für Bitcoin aus nicht-erneuerbaren Quellen. Diese führen beim Rechner der EPA zu anschaulichen Vergleichen: Demnach verbraucht Bitcoin so viel umweltschädliche Elektrizität wie rund 9 Millionen US-Haushalte oder das Aufladen von 7 Milliarden Smartphones jährlich. Der oft genutzte Vergleich von Bitcoin im Energieverbrauch zu ganzen Ländern wie Holland oder Argentinien hingegen hinkt, da er nicht zwischen den unterschiedlichen Energiequellen unterscheidet.

3. Da wir hier in unserer Modellrechnung hauptsächlich US-Quellen nutzen, geht es jetzt also um das Äquivalent von etwa 61 Milliarden angloamerikanischen Pfund Kohlenstaub, den die Energieproduktion für Bitcoin jährlich verursacht. Das ist im Vergleich zu den globalen jährlichen Emissionen von 34 Milliarden metrischen Tonnen ein verschwindend kleiner Wert.

4. Anders sieht es allerdings aus, wenn wir den Energiehunger von Bitcoin in das Verhältnis zu anderen Zahlungssystemen setzen. Einer Schätzung zufolge ist eine Transaktion im Netzwerk von Visa rund 700.000 Mal energieeffizienter als eine Transaktion bei Bitcoin. Der Energiebedarf für das Drucken von Banknoten wird jährlich weltweit auf etwa 5 TWh geschätzt. Wieder andere Schätzungen sagen, das das traditionelle Bankensystem um die 100 TWh jährlich verbraucht. In dieser Kategorie ist Bitcoin demnach tatsächlich aus Sicht von Umweltschützern nicht konkurrenzfähig zu den bestehenden Geldsystemen.

5. Eine interessante Vergleichsgröße noch: Den Elektrizitätsverbrauch von Datenzentren weltweit beziffert die Internationale Energieagentur auf etwa 200 TWh. Dies wiederum entspricht rund 1 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs.

Fazit: Umweltfreundlich ist Bitcoin nicht – noch nicht

Wir sehen: Bitcoin ist bei seinem Energieverbrauch in Größenordnungen angelangt, die einem guten Umweltgewissen wehtun. Dies lässt sich nicht wegdiskutieren – führt uns aber dennoch zu einem eher optimistischen Ausblick. Denn mit der Bedeutung von Bitcoin stieg der Preis pro BTC auf nunmehr Werte von über 50.000 US-Dollar, was wiederum Mining auch außerhalb von China tendenziell profitabel macht. Damit vergrößern sich zugleich Anstrengungen, Bitcoin Mining und damit auch die Stabilität der Blockchain durch den Einsatz alternativer Energien zu realisieren. Dabei sind besonders Wasserkraftwerke gefragt, sowohl in China als auch in Amerika. Die Chancen stehen also gar nicht schlecht, dass Bitcoin in seinem Einfluss auf die Umwelt sogar als Faktor in die Geschichte eingeht, der den Umstieg auf alternative Energien beschleunigt. Denn dies ist die im Grunde einzige Stellschraube, die sich bei Bitcoin mit Blick auf die von BTC verursachten Umweltbelastungen drehen lässt.


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