Bitcoin Cash: Große Miner wollen 12,5 Prozent der Block Rewards für Ökosystem reservieren

Bei Bitcoin Cash haben die großen Mining Pools eine Initiative gestartet, mit der Geld für die Weiterentwicklung des Ökosystems von BCH gesammelt werden soll. Ihr Plan: 12,5 Prozent der Block Rewards bei BCH gehen automatisch in einen Fonds.

Im Konkurrenzkampf der großen Kryptowährungen ist ein entscheidendes Kriterium, wie schnell und innovativ die technologische Entwicklungsarbeit geschieht. Neue Anwendungsfälle, Sicherheitsfeatures und Skalierbarkeit sind nur einige Beispiele dafür, wie Altcoins einen Vorsprung in der Gunst der Nutzer erreichen wollen. In der Community von Bitcoin Cash (BCH) haben jetzt große Mining Pools als einflussreiche Mitglieder einen radikalen Vorstoß gewagt: Angeführt von Jiang Zhuoer, dem CEO von BTC.TOP, kündigen die wichtigsten Mining Pools bei BCH an, dass für ein halbes Jahr 12,5 Prozent aller geschürften Bitcoin Cash in einen Fonds abgeführt werden müssen, der die Arbeit von Entwicklern bezahlt. In einem Blogpost von Jiang Zhuoer heißt es, man werde Miner, welche bei der Initiative nicht mitziehen, sanktionieren, indem man deren neu geschürften BCH „verwaisen“ lasse. Der unter anderem von Antpool und Bitcoin.com mitgetragene Plan wirft Fragen auf, die auch den Kurs von BCH beeinflussen könnten.

Hintergrund zur „Zwangsabgabe“ von Minern bei BCH

Jiang Zhuoer bemüht Thesen des chinesischen Politikers Deng Xiao Ping als Argumente für die Vorgabe an Miner bei BCH: Die Farbe einer Katze sei unwichtig, entscheidend ist, dass sie Mäuse fängt, meint Jiang Zhuoer etwa. Und Debatten würden nur Zeit kosten, wichtiger sei Aktion. Hinter diesem fernöstlichen Gedankenkonstrukt verbirgt sich aber ein Ansatz, der Prinzipien von Dezentralität und Demokratie spottet. Schauen wir also auf die Fakten: Was die informelle Koalition da bei BCH machen will, könnte auch Putsch genannt werden. Ganz leger erwähnt Jiang Zhuoer, dass er und seine Mitstreiter die absolute Mehrheit der Hashrate bei BCH stellen. Zwar zweifeln andere Quellen dieses an. Doch etwa die „freundliche“ 51-Prozent Attacke bei BCH im Mai 2019 demonstrierte, dass BTC.TOP und Jiang Zhuoer in der Lage sind, ihre eigenen Regeln zu schaffen.

Rund 6 Millionen US-Dollar sollen vom 15. Mai 2020 an bis zum 15. November 2020 in die rhetorisch notdürftig getarnte „Abgabe“ eingesammelt werden. Eine Firma in Hongkong ist wohl bereits gegründet, die diese Mittel an Entwickler weiter verteilt. Solange Jiang Zhuoer und seine Partner dieses Konzept nicht vorher aufgeben, sind sie in der Lage, es durch pure Rechnerkapazitäten durchzusetzen. Natürlich fragen Kommentatoren bereits jetzt, an wen und nach welchen Kriterien die Mittel fließen. Doch die ursprüngliche Botschaft ist klar: Wer als Miner nicht mitmacht, wird mittels des 51-Prozent Prinzips von wenigen Marktteilnehmern kalt ausgebremst. Neue BCH von solchen Minern, die nicht 12,5 Prozent abführen, würden von der Mehrheit als nicht gültig validiert und in einer separaten Blockhain wertlos „verhungern“. Zusätzlich pikant wird dieses angekündigte Vorgehen dadurch, dass Bitcoin Cash erst im November 2018 einen kontroversen Hard Fork erlebte, der Kapital vernichtete.

Anleger diskutieren Pro und Contra bei Bitcoin Cash: Revolution oder Geniestreich?

Dem Kurs von BCH hat die Ankündigung der herrschenden Mehrheit der Miner aktuell weder geschadet noch geholfen. In ihrem Kern berührt sie tatsächlich das Thema der Entwicklungsarbeit, was bei vielen wichtigen Kryptowährungen entweder durch eine Stiftung oder den Herausgeber der Altcoins finanziert wird. BCH als Seitenzweig von Bitcoin kann eine solche Option nicht aufweisen, insofern macht der radikale und immerhin zeitlich begrenzte Vorstoß Sinn. Schon Ende 2019 hatte Bitcoin.com 200 Millionen US-Dollar für ähnliche Zwecke reserviert und der aktiven Community angeboten, also das vielfache der jetzt anvisierten Summe. Andererseits ist die Ankündigung der bestimmenden Mining Pools bei BTC ein Schlag ins Gesicht derer, die ihre Anlagen in Kryptowährungen durch Dezentralität geschützt sehen.

Der Markt wird entscheiden, welche Sichtweise überzeugender ist – das Kryptojahr 2020 bekommt im Endeffekt mit den News bei BCH ein weiteres Indiz dafür, was etwa IOTA durch Coordicide bewegt: Ist Dezentralität heiliges Gral für Mehrheitsentscheidungen oder Hindernis für Innovationen?


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