E-Euro und Digitalwährungen: Deutsche Bank sieht Umstellung als alternativlos

Die deutsche Bank wagt sich in der Diskussion um die Einführung eines digitalen Euro als CBDC weit vor: In einem Positionspapier sieht man den Schritt hin zum E-Euro als unbedingt notwendig, um nicht den Anschluss etwa an China zu verlieren.

Inmitten der Corona-Krise und Lockdowns machen sich Experten der Deutschen Bank bereits Gedanken, was und wie sich ändern wird, wenn die Pandemie durch Impfstoffe ihren Schrecken verliert. In einem ausführlichen Bericht zu Trends und Zukunftsaussichten namens „Was wir für den Wiederaufbau tun müssen“ ist dabei dem Thema staatlich verantworteter Digitalwährungen (CBDC) ein ganzes Kapitel gewidmet. Und durchaus überraschend fordert die Deutsche Bank darin, eine solche Central Bank Digital Currency (CBDC) auch in Deutschland und der EU offensiv zu bewerben und zu fördern.

Argumente der Deutschen Bank für E-Euro

Die Logik, warum die Deutsche Bank jetzt als Fürsprecher für einen E-Euro auftritt, ist einfach nachvollziehbar. Anhand von Marktberichten aus 2020 wird aufgezeigt, wie bargeldloses Bezahlen seit März 2020 sprunghaft an Bedeutung gewonnen hat. Als die ersten Lock-downs Realität wurden, stiegen die Bürger auf Zahlungsprozesse per Kredit- und Geldkarten beziehungsweise Online-Überweisungen um. In Großbritannien etwa änderten demnach rund 40 Prozent der Verbraucher ihre Zahlungsgewohnheiten, auch aus Australien und Kanada liegen solche Daten vor. Mit ersten Lockerungen der Beschränkungen für das öffentliche Leben im Sommer nahm die Begeisterung für bargeldloses Bezahlen dann zwar wieder etwas ab, bleibt aber deutlich über dem Niveau von vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

Notenbanken und Geldpolitik sind demnach laut Deutscher Bank dringend gefordert, das aus dem 17. Jahrhundert stammende Modell von Bargeld zu überdenken. Derzeit seien in der westlichen Welt die in den USA beheimateten Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard die großen Gewinner der neuen Verhältnisse. In China wiederum haben WeChat Pay und AliPay ihre Vormachtstellung für das bargeldlose Bezahlen noch weiter ausgebaut. Wolle Europa nicht den Anschluss verlieren, müsse daher dringend der E-Euro her und auch in aller Deutlichkeit beworben werden.

Die Deutsche Bank führt auch das Marktumfeld mit Nullzinsen für den Umstieg zu einer CBDC an. Denn eine Digitalwährung reduziere die Gebühren für bargeldloses Bezahlen signifikant. Am Beispiel Schweden, wo eine E-Krone als CBDC bereits erprobt wird, wird folgende Rechnung aufgemacht: Eine Zahlung per E-Krone kostet weniger umgerechnet als 1 Euro-Cent an Gebühren. Die Zahlung per Karte schlägt demnach mit mindestens 10 Euro-Cent zu Buche plus 2 bis 4 Prozent Gebühren, wenn es um Online-Business geht.

Als größeres Hindernis bei der Akzeptanz eines E-Euro benennt die Deutsche Bank Bedanken der Bürger um Privatsphäre. In China seien nur 10 Prozent der Bevölkerung an diesem Thema interessiert, in Großbritannien, Frankreich und Italien zwischen 20 und 30 Prozent. In Deutschland fürchten demnach 42 Prozent der Befragten, dass durch eine CBDC ihre Geldflüsse nicht mehr anonym seien. Doch dieser Spitzenwert müsse kritisch betrachtet werden, denn Europa könne es sich nicht leisten, durch preiswerte Alternativen zum E-Euro Währungssouveränität an fremde Länder und private Anbieter zu verlieren, so die Deutsche Bank.

Schonungslos zeigt die Deutsche Bank auch auf, was ein E-Euro für den privaten Bankensektor bedeuten kann. Private Guthaben könnten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) gelagert werden und den Banken Einkünfte aus Überweisung, Karten- und Wechselgebühren wegbrechen. Hier sei die Politik gefragt, eine CBDC so fein zu justieren, dass weiterhin eine gesunde Balance zwischen Zentralbanken und Geschäftsbanken bestehen bleibe.

E-Euro bei der EZB – Lagarde erwartet Einführung

Derweil sieht die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, die Entscheidung über einen E-Euro als greifbar nah und erwartet grünes Licht. Ihre „Ahnung“ sei, dass im Januar 2021 das „Ja“ für eine CBDC der EZB kommen werde, sagte Lagarde laut Medienberichten in dieser Woche bei einer Konferenz. Bis der E-Euro dann „Früchte trage“, würden wahrscheinlich zwei bis vier Jahre vergehen. Auch Lagarde sieht den E-Euro im Grunde als unausweichlich, denn dieser sei „preiswerter, schneller und sicherer“ als weithin bekannt. Aus ihrer Sicht spurte die EZB zwar nicht, um im internationalen Vergleich erster mit einer CBDC zu werden. Doch auch Lagarde nennt die Stichpunkte Währungssouveränität und Auferhaltung der Autonomie der Euro-Zone als gewichtige Argumente pro E-Euro. In der EZB sind die Skeptiker in Sachen E-Euro zuletzt immer mehr in die Minderheit geraten, zu der allerdings auch die Deutsche Bundesbank zählt. Lagarde festigt ihre Position derzeit mithilfe einer Bürgerbefragung.

Fazit: Zukunftsmodell E-Euro

Klar, ein Positionspapier der Deutschen Bank sollte nicht überbewertet werden und auch Lagarde kann eine CBDC für den Euro-Raum nicht durch die EZB selbst absegnen. Doch die Argumente dieser beiden gewichtigen Stimmen für den E-Euro sind nahezu identisch und makroökonomisch zwingend. Der Druck auf die Politik wächst, die klare Entscheidung für den digitalen Euro zu fällen und nicht unnötig zu verzögern. Aus Perspektive der Kryptoszene wird der E-Euro den angenehmen Seiteneffekt haben, die Akzeptanz von Kryptowährungen insgesamt zu vergrößern und so möglicherweise zu positiven Kursentwicklungen bei Bitcoin und Co. beizutragen.


Wer noch keine Bitcoins hat kann diese hier kaufen: 

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*