Europäische Zentralbank: Von Kryptowährungen wie Bitcoin geht aktuell keine Gefahr aus

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ein Positionspapier zu Kryptowährungen vorgelegt. Tenor der Währungshüter: Der Einfluss von Bitcoin und Co. auf den europäischen Wirtschaftsraum ist bislang so gering, dass die Stabilität nicht gefährdet wird. Eine einheitliche Regulierung sei dennoch ratsam.

Die Diskussionen um regulatorische Anerkennung von Kryptowährungen hat jetzt auch die Europäische Zentralbank (EZB) erreicht. In einem Positionspapier fasst die Arbeitsgruppe Kryptowährungen der EZB zusammen: Die Bedeutung von Bitcoin und Co. auf die Realwirtschaft sei derzeit noch so gering, dass von den Kryptowährungen kein Risiko auf die Stabilität des europäischen Wirtschaftsraums ausgehe. Dennoch empfehle man der Politik, eine EU-weit einheitliche Regulierung von digitalen Währungen zu schaffen, damit sich nicht einzelne Staaten zu „Einfallstoren“ für mögliche hochspekulative Geschäfte in der Kryptobranche entwickeln. Grundsätzlich sei die EZB gewappnet, in Einzelfällen einzugreifen. Der Idee, einen Stablecoin auf Euro-Basis durch die EZB herauszugeben, erteilte die Währungsbehörde vorläufig eine Absage. Dafür sehe man aktuell keine ausreichend öffentliche Nachfrage.

Wichtige Details der EZB-Analyse zu Kryptowährungen

Bislang hat sich die EZB mit Stellungnahmen zur Kryptobranche zurückgehalten. Insofern ist es für Anleger von gewisser Bedeutung, dass sich die mächtige Zentralbank ausführlich zu Wort meldet. In der Bestandsaufnahme der EZB fällt auf:

  • Die Währungshüter konzentrieren sich auf den Bitcoin, da dessen Marktkapitalisierung mehr als 50 Prozent aller nennenswerten Kryptowährungen abbildet und sich der Gesamtmarkt im Gleichschritt mit dem BTC entwickelt.
  • Die Kursentwicklungen des BTC sind extremer als sogenannte historische Blasen in spekulativen Geschäften wie der Dotcom-Blase oder der Tulpenblase.
  • Die Volatilität von Kryptowährungen liegt weit höher als die von klassischen Aktienmärkten und durch Sicherheiten wie Gold oder Öl abgebildeten Finanzinstrumenten.
  • Der Euro spielt beim Handel mit Bitcoin eine untergeordnete Rolle. Nur etwa 11 Prozent des BTC-Handels werden über Euro abgewickelt, der US-Dollar dominiert mit über 40 Prozent, gefolgt vom japanischen Yen mit rund 20 Prozent. Der chinesische Renminbi/Yuan ist laut EZB als Fiat für den BTC-Handel auf Null abgestürzt – Grund dafür dürften gesetzliche Verbote in China sein.
Bitcoin Handelsvolumen nach Fiat Währung
  • Zwar seien in den USA in Einzelfällen Bitcoin Futures zugelassen, die Nachfrage aber überschaubar. Die Genehmigung für weitere Bitcoin Futures sei in den USA bisher nicht geschehen. Hier schimmert durch, dass die EZB keine Notwendigkeit für Bitcoin Futures sieht.
  • Da sich die bekannten Bitcoin Futures aber stabil an Kursentwicklungen koppeln, sieht die EZB bei ähnlich konstruierten Ersatzinstrumenten wie ETFs keinen dringenden Regulierungsbedarf.
  • Bitcoin und Co. werden in der EU fast ausschließlich von privaten Haushalten gehalten, institutionelle Anleger machen zusammengezählt weniger als zehn Prozent aller Investitionen in Kryptowährungen im EU-Raum aus.
Bitcoin Besitzer in der EU
  • Italien ist mit geschätzten 700 Millionen Euro Investments in Bitcoin und Co. das Land, welches mit großem Abstand in der EU am meisten interessiert in solchen Anlagen ist. Denkt hier jemand an Mafia und Schwarzgeld? Für Belgien schätzt die EZB etwa 250 Millionen Euro Anlagen in Kraptowährungen, für Deutschland knapp 100 Millionen Euro.
  • Der ICO-Boom ist eingebrochen, auf die Milliarden-Umsätze von 2018 sind im laufenden Jahr nur solche Millionenhöhe gefolgt.

Was folgt aus der EZB-Analyse zum Kryptomarkt?

Die EZB findet Argumente, warum sie keine Notwendigkeit sieht, in Sachen Kryptowährungen von sich aus aktiv zu werden. Der Gesamtmarkt von Bitcoin und Altcoins ist demnach so klein, dass keine systematischen Risiken entstehen können. Dies hängt aus Sicht der EZB vor allem damit zusammen, dass Kryptowährungen im Alltag nicht im großen Stil akzeptiert werden. Da sich dies aber ändern kann, sei aus Gründen des Verbraucherschutzes eine gesamteuropäische Regulierung zu empfehlen. Dies widerspricht Vorstößen etwa aus Frankreich und Deutschland, wo die Regierungen zunehmend den Eindruck vermitteln, sich dem Themenfeld Kryptobranche aktiv anzunähern.

Zusammengefasst ist es wohl so wie fast immer bei Institutionen: Sie bewegen sich langsam. Die EZB demonstriert Handlungsfähigkeit bis hin zu Überlegungen eines Stablecoins auf EU-Basis, regt einen Dialog mit der europäischen Politik zu einem regulatorischen Umfeld für Finanzinstrumente in der Kryptobranche an und lässt durchblicken, dass man insbesondere in Sachen Bitcoin die Situation in den USA verfolgt. Skepsis ja, Ablehnung nein – für Anleger ist die EZB-Analyse kein schlechtes Signal.


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