Neue Binance Kreditkarte: Skepsis und Vorfreude bei genauem Hingucken

Die Binance Kreditkarte steht in den Startlöchern und gleichzeitig schauen Fachleute aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Produkt. Die einen meinen, Binance verfehle das Ziel einer echten Krypto Kreditkarte. Die anderen loben die Binance Kreditkarte als verbraucherfreundliche Lösung.

Das Fremdeln der klassischen Finanzwelt mit der Kryptobranche ist kein Geheimnis, nur langsam trauen sich beispielsweise traditionsreiche Banken, Bitcoin und Co. für ihre Kunden zugänglich zu machen. Ein nahe liegendes Bindeglied zwischen Establishment und der jungen Welt der Kryptowährung könnten Kreditkarten sein. Immerhin sind die Kreditkarten von den Marktführern Visa und Mastercard weltweit akzeptiert und garantieren ihren Besitzern Bonität in fast allen Lebenssituation. Zuletzt hat Binance als weltweit größte Kryptobörse das Thema Kreditkarten offensiv aufgenommen. Zunächst wurde Finanzdienstleister Swipe übernommen, der bereits Kreditkarten in Verbindung mit Krypto anbietet. Kurz darauf kündigte Binance eine Kreditkarte unter eigenen Namen an, die in diesem Monat zunächst virtuell funktionsfähig sein und in wenigen Wochen auch physisch ausgeliefert werden soll.

Die Binance Kreditkarte erzeugt in der Kryptoszene viel Aufmerksamkeit und wurde mit Vorschusslorbeeren bedacht. Allerdings bemerken Skeptiker auch: Binance erfüllt eigentlich gar nicht das Versprechen einer Krypto-Kreditkarte. Denn Geschäfte in Bitcoin (BTC) und anderen Kryptowährungen sollten im Prinzip über die Blockchain abgewickelt werden und so sicher vor Einflüssen Dritter sein sowie Gebühren einsparen. Aber die Kreditkarten von Binance und Swipe in Zusammenarbeit mit Visa haben mehrere Mankos: Zunächst sind die drei genannten Unternehmen als Zwischenhändler beteiligt und wollen natürlich an Gebühren verdienen. Genauso wichtig ist, dass beim Nutzen dieser „Krypto-Kreditkarten“ im Endeffekt in Fiat abgerechnet wird und die Blockchain außen vor bleibt. Die Anbieter tauschen bei Zahlungsvorgängen Guthaben in Krypto in Fiat um, womit Dezentralität und Schutz vor fremden Einflüssen nicht mehr garantiert sind.

Die Vision einer echten Krypto-Kreditkarte

In der Realwelt nimmt die Zahl von Unternehmen, die Bitcoin und ausgesuchte Altcoins als Zahlungsmittel akzeptieren, kontinuierlich zu. Ob Burger King (genabgenommen Lieferando), Hotels und Flüge durch Reiseportale oder künftig auch Kaffee bei Starbucks – es sind längst nicht mehr nur kleine Firmen in nerdigen Nischen, die sich in Sachen Bitcoin progressiv zeigen. Eigentlich, so sollte man meinen, müsste es doch möglich sein, zumindest bei solchen Unternehmen Waren und Dienstleitungen direkt mit Krypto zu bezahlen. Doch dieses Feature verwirklicht auch Binance nicht, obwohl durch die schiere Marktmacht bestimmt gute Verhandlungspositionen mit Visa und Mastercard bestünden.

Der Binance-Konkurrent Coinbase ist derweil seinen eigenen Weg gegangen und hat es im Februar 2020 geschafft, bei Visa in den Kreis der „principal member“ aufgenommen zu werden. Damit verbindet sich das Recht, selbst Kreditkarten auszustellen und im Gegenzug Haftungsrisiken zu übernehmen. Doch auch bei der Coinbase Kreditkarte wird schlussendlich in Fiat abgerechnet und direkte Krypto-Zahlungen bleiben außen vor. Der Idee einer wirklichen Krypto-Kreditkarte kam zumindest in Deutschland nur das Angebot von TenX nahe, wo Bitcoin, Litecoin (LTC) und Ethereum (ETH) direkt eingesetzt werden konnten. Doch im Zuge des Debakels bei Dienstleister Wirecard musste auch TenX umsteuern. Nun wird auch dort immer in Fiat umgerechnet, bevor Zahlungen realisiert werden.

Fazit: Aktuelle Krypto-Kreditkarten lediglich Zwischenlösung

Aus Sicht von Anlegern in Krypto sind die damit verbundenen Kreditkarten zwar ein eleganter Weg, um Guthaben in Bitcoin und anderen Coins stets als Liquidität für Fiat vorzuhalten. Denn der Umrechnungsprozess findet im Hintergrund und sekundenschnell statt. Er kostet aber auch häufig satte Gebühren – wie sich die Binance Kreditkarte im Gebührenvergleich zeigt, ist weiterhin offen. Doch zu dem grundsätzlichen Ziel, mittels Kreditkarte ohne Zwischenstelle und direkt über die Blockchain und etwa in Bitcoin zahlen zu können, scheint es derzeit noch ein weiter Weg. Offenbar stoßen selbst Coinbase und Binance in dieser Frage bei Visa und Mastercard auf Blockadehaltung.

So können die Krypto-Kreditkarten genannten Offerten zwar durch Nutzerfreundlichkeit punkten und sind für viele sicherlich interessant. Aber der Durchbruch zu dem, was sich zumindest Teile der Kryptoszene wirklich erwarten, ist noch nicht erreicht. Positiver Seiteneffekt von Krypto-zu-Krypto Zahlungen in der Realwelt wäre übrigens voraussichtlich auch, dass sich mehr Preisstabilität einstellen sollte durch generierte Volumina.


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