Steem: Community, Entwickler, Kryptobörsen und TRON bekriegen sich

Bei Steem hängt der Haussegen schief: Gegen den Willen von Community und Kernteam haben führende Kryptobörsen und TRON einen Hard Fork durchgesetzt, der weitreichende Folgen hat. Für voraussichtlich 13 Wochen sind Steem Token eingefroren. Kritiker sprechen von einem feindlichen Take-over.

Unruhige Zeiten bei Steem (STEEM): Entwickler, Community und Teile des Teams beklagen auf Twitter und anderen Kanälen eine „feindliche Übernahme“. Justin Sun für TRON, Changpeng Zhao für Binance und Vertreter von Huobi hingen sprechen von einem notwendigen Schritt, um einen Angriff von Hackern abzuwehren. Was also ist da los bei der Kryptowährung STEEM, die mit einer Marktkapitalisierung von gut 63 Millionen US-Dollar derzeit Platz 72 in den TOP 100 einnimmt? Blockchain und Konzept von STEEM wurden von der Firma Steemit Inc. (dahinter steckte auch Dan Larimer, der jetzt für Eos verantwortlich ist)) entwickelt. Die Idee: Blogger veröffentlichen über die Blockchain ihre Artikel und werden dafür in STEEM belohnt, abhängig von der Zahl der Leser. Dann aber kaufte TRON Mitte Februar Steemit und offensichtlich begann damit der ganze Schlamassel.

Worum geht es beim Konflikt um STEEM?

Schon der Einstige von TRON bei Steemit fand in der Community und bei Entwicklern wenig Zuspruch. Man befürchtete, schon bald in die Blockchain von TRON und in TRX als Zahlungsmittel gezwungen zu werden. Zudem ist die schillernde Führungspersönlichkeit von TRON, Justin Sun, für sein wenig vorhersehbares Verhalten und fragwürdigen Führungsstils bekannt. Daraufhin wurde mit dem Soft Fork 2.2 bei Steem die Stimmrechte von TRON und Steemit deaktiviert und STEEM im Wert von etwa 10 Millionen US-Dollar eingefroren, die Steemit gehören. Der Verdacht liegt nahe, dass TRON und Justin Sun damit klar gemacht werden sollte, dass sie bei Steemit nicht erwünscht sind. Justin Sun spricht andererseits auf Twitter von einem Hackerangriff.

https://twitter.com/justinsuntron/status/1234690483298820097

Das natürlich wollten sich TRON/Steemit nicht gefallen lassen und drehten mit Hard Fork 22.5 die Uhr zurück. Um den Hard Fork durchzusetzen, benötigten sie Unterstützung. Die bekamen sie von den Kryptobörsen Binance, Huobi und Poloniex (bei der Justin Sun zuletzt investierte). Diese setzten bei ihnen für Staking geparkte STEEM erstmals aktiv ein, um sich an Abstimmungen über die Weiterentwicklung von Steem zu beteiligen und schlossen sich der Marschrichtung von TRON/Steemit an. Im Kern geht es also derzeit bei Steem darum, wer die zukünftige Entwicklung steuert: TRON und Justin Sun oder wie bisher die Community im Einklang mit dem Team von Steemit.

Was sind die Folgen der Turbulenzen bei Steem?

Was Binance, Huobi und Poloniex vermutlich zu spät bedacht haben ist die Tatsache, dass die gestakten Token jetzt für 13 Wochen nicht verfügbar sind. Binance Kunden können daher zum Beispiel gerade nicht ihre Steem von der Exchange abheben. Vielen Binance Kunden wird das natürlich nicht recht sein was da geschieht. In einem offenen Brief an die Community, der auch von Justin Sun reposted wurde, verspricht Steemit aka TRON aber, das Mainnet möglichst bereits wieder früher voll operabel zu machen mit einem weiteren Hard Fork. Dabei soll auch die Staking Dauer auf 1-3 Tage reduziert werden. Die Börsen (Binance, Huobi und Poloniex) würden also schon früher die Steem zurückbekommen.  Zudem wird zugesagt, die Steem Blockchain nicht gegen den Willen der Community in TRON aufgehen zu lassen. Drittes Versprechen, um die Gemüter zu beruhigen: Die Stimmrechte von Steemit und den Kryptobörsen würden ab dann nicht mehr wahrgenommen, wenn bei Steem die Ordnung wiederhergestellt sei.

Für den Moment hat das alles aber nicht ausgereicht, um den Hausfrieden wiederherzustellen. Mit Entwickler Michael Vandeberg, Kommunikationschef Andrew Levine und Softwareingenieur Steve Gerbino erklärten mindestens drei Mitglieder des bisherigen Steemit-Teams ihren Rücktritt. Das Team hinter der Steem Wallet zog die App zurück, andere externe Entwickler folgten diesem Beispiel mit ihren Apps. Steemit um Justin Sun und TRON hat jetzt zwar die Herrschaft, aber Steem wird nur noch von Teilen der Community unterstützt und verliert wichtige Ressourcen.

Warum die Einmischung von Binance und anderen Kryptobörsen pikant ist?

Binance, Poloniex, Huobi und andere Kryptobörsen haben sich in dem internen Krieg bei Steem auf die Seite von TRON und Justin Sun geschlagen. Dies trifft teilweise auf wenig Verständnis, da sie dafür STEEM von Anlegern nutzen, die bei den Plattformen lagern, um durch Staking dazu zu verdienen. Normalerweise würde man davon ausgehen, dass sich die Kryptobörsen als Treuhänder von Kundenguthaben bei internen Auseinandersetzungen neutral verhalten. CZ für Binance immerhin sagt () mittlerweile, er habe seine Position überdacht und Binance werde vermutlich die Nutzung der Stimmrechte zurückziehen.

https://twitter.com/cz_binance/status/1234574737768095746?s=20

Auch von Huobi ist ähnliches zu hören. Die Crux: Da STEEM Token durch Hard Fork 22.5 derzeit nicht beweglich sind, ist unklar, ob dies technologisch überhaupt möglich ist.

Harsche Kritik an der Situation kommt auch von Krypto-Legende und Ethereum Erfinder Vitalik Buterin. Er spricht auf Twitter von dem ersten Beispiel einer „de facto Attacke durch Bestechung“ und zielt damit darauf, dass Justin Sun mit CZ und anderen Börsenchefs persönlich befreundet ist. Diese weisen den Vorwurf zurück, dass Geld für ihre Entscheidung geflossen sei, Sun zu stützen. Dennoch trifft Buterin den wunden Punkt: Kundengelder in Form von STEEM und damit verbunden Stimmrechten für wegweisende Entscheidungen bei Steem koordiniert einsetzen? Das hat mehr als einen merkwürdigen Beigeschmack.

Wie geht es weiter mit Steem und Steemit?

Für den Moment ist die Situation bei Steem durch Hard Fork 22.5 eingefroren. Aufgelöst werden kann dies technologisch nur durch einen weiteren Hard Fork. An der Witness Liste von Steem lässt sich gut ablesen, wie es um die aktuellen Mehrheitsverhältnisse steht. Sie zeigt die validierenden Nodes und unter den ersten 20, die aktiv sein dürfen, hält der von TRON initiierte Hard Fork 22.5 eine überwältigende Mehrheit. Vielleicht aber begreift aber auch Justin Sun, dass Steemit und STEEM ohne aktive Community wertlos wird und lenkt ein. Denn den Machtkampf um die Blockchain können er und TRON vielleicht gewinnen, doch ohne Beteiligung der organisch gewachsenen Steem-Gemeinde geht das eigentliche Konzept von Steemit nicht mehr auf.

Bleiben wird auf jeden Fall die Frage, ob es okay ist, wenn Kryptobörsen Stimmrechte wahrnehmen durch Coins, die eigentlich gar nicht ihnen gehören, sondern ihren Kunden. Gerade Binance steht dabei unter Beobachtung, weil man sich wiederum bei TRON durch den Einstieg ins dortige Staking in einer führenden Position befindet und theoretisch Entscheidungen beeinflussen könnte.


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