US-Börsenaufsicht verklagt Kik Messenger wegen unregistrierter ICO

Der 2017 per ICO gelaunter Kryptowährung KIN droht das Aus. Die US-Börsenaufsicht SEC hat Anklage gegen die die hinter KIN stehende Firma KIK Interactive erhoben. Die SEC meint, die ICO bei KIN habe Anleger getäuscht und sei nicht ordnungsgemäß angemeldet worden. Jetzt drohen KIK Schadensersatzzahlungen, eine Geldstrafe und weitere Verfügungen.

In den USA spitzt sich ein Streit zwischen der US-Börsenaufsicht SEC und den Herausgebern der Kryptowährung KIN, KIK Interactive, juristisch zu. Die SEC reichte Anklage gegen KIK ein und will vor einem New Yorker Gericht beweisen, dass KIK mit KIN leichtfertig das Vertrauen von Anlegern missbraucht habe. Die ICO im Jahr 2017 von KIN war nicht registriert, hätte es nach Ansicht der SEC aber sein müssen. Bei KIN handle es sich genehmigungspflichtige Wertpapiere (Securities). Die SEC legt in zahlreichen weiteren Punkten dar, was bei KIN alles falsch gelaufen sein soll. KIK selbst wehrt sich gegen die Vorwürfe und wirft seinerseits der SEC vor, Innovationen zu blockieren. Die SEC will erreichen, dass KIN vom Markt genommen wird und KIK die Anleger, die an der 100 Millionen US-Dollar ICO teilgenommen haben, auszahlt und entschädigt.

Details aus der Klageschrift der SEC gegen KIN

Die grundsätzliche Argumentation der SEC im Fall KIN ähnelt der, die schon 2018 bei Paragon PRG und AirToken AIR angewandt wurde: Der KIN sei als Security (Wertpapier) beworben worden, habe aber die für die Herausgabe eines solchen Finanzinstruments notwendige Genehmigung nicht eingeholt. Deshalb sei Anlegern erheblicher Schaden entstanden. Verglichen mit den ursprünglich eingenommen 100 Millionen US-Dollar bei der KIN-ICO liegt die Marktkapitalisierung mittlerweile bei deutlich weniger als ein Viertel. Die SEC führt eine Reihe von Beispielen an, wo KIN aka KIK die Anleger getäuscht hätten. So seien Versprechen nicht eingehalten worden, dass KIN breits auf verschiedenen Handelsplattformen gehandelt werden könne. Auch das um KIN versprochene Eco-System von Webanwendungen sei nicht wirklich entstanden. Kurzum: KIN sei ein Wertpapier ohne Wert.

Anders als bei anderen bekannten Konflikten zwischen SEC und ICO-Organisatoren hat es aber keine außergerichtliche Einigung gegeben. Deshalb landet der Fall jetzt vor Gericht. Der Kurs des KIN fiel in den vergangenen 24 Stunden nach der Veröffentlichung der Anklageschrift um fast 30 Prozent.

KIN Kursentwicklung in den letzten 12 Monaten

Wie KIK sich gegen die SEC wehren will

KIK mit Hauptsitz in Kanada glaubt, dass die klassische Definition von Securities nicht geeignet sei für Kryptowährungen. Es müsse ein neuer sogenannter Howey Test her. Der Howey Test fragt ab, wohin das bei einer ICO eingenommene Geld fließt und schließt daraus, ob es sich um Securities handelt. KIK hat nach eigenen Angaben 5 Millionen US-Dollar für den Rechtsstreit zur Seite gelegt und sammelt per Crowdfunding weitere Mittel. Unter dem Motto „Verteidigt Krypto“ sind dort mittlerweile gut 4 Millionen US-Dollar in Kryptowährungen zusammengekommen. KIK sieht den Fall KIN als Präzedenzfall und meint: Wenn die SEC recht bekäme, würden Innovationen und Kryptowährungen behindert. Tatsächlich haben sich mit den Krypto-Analysten Messari, der Kryptobörse Shapeshift und dem Krypto-Investmentmanager Arrington XRP Capital bereits drei mittelprominente Markteilnehmer hinter KIK und „Defend Crypto“ gestellt.

Wie geht es weiter mit KIN?

Ein erster Gerichtstermin ist noch nicht angesetzt. Dass es zwischen KIK und der SEC in der Causa KIN noch zu einer außergerichtlichen Einigung kommt, scheint angesichts der öffentlich verhärteten Fronten sehr unwahrscheinlich. Fraglich ist auch, ob KIK überhaupt in der Lage wäre, die Anleger zu entschädigen. Denn aus der Anklage geht hervor, dass KIK ohne die ICO bereits in die Insolvenz gerutscht wäre und nur die ICO dem Unternehmen das Überleben gesichert hat. Wie die Chancen vor Gericht stehen, ist für Außenstehende kaum einzuschätzen. Die Anklageschrift der SEC allerdings liest sich über Strecken wie ein Lehrstück dazu, wie bei ICOs getrickst und gelogen wird. Der KIN ist nie über einen Exotenstatus bei den Altcoins hinausgekommen und taumelt im Kurs jetzt in Richtung Shitcoin. Erschwerend kommt hinzu, dass KIN bei keiner seriösen Börse mehr gehandelt wird. Doch dass die Auseinandersetzung einen gewissen grundsätzlichen Charakter für die Kryptobranche in den USA hat, werden wohl auch Kritiker des KIN eingestehen.


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