Was ist SAFT (Simple Agreement for Future Tokens)?

Um eine Anschubfinanzierung zu organisieren, verfallen Krypto-Projekte bisweilen auf das Prinzip eines sogenannten SAFT (Simple Agreement for Future Tokens). Was sich dahinter genau verbirgt und was der Unterschied zu ICOs und IEOS ist, erklären wir Dir hier.

Anfang 2019 haben wir die Prognose aufgestellt, dass sich beim Launch neuer Kryptowährungen zunehmend das Finanzierungsmodell ändert – und recht behalten. Anfang 2020 ist wieder zu beobachten, wie die Kryptobranche nach neuen (legalen) Wegen sucht, um Investoren anzulocken und dabei insbesondere in den USA nicht in Konflikt mit den Aufsichtsbehörden zu kommen, SAFT lautet das frische Zauberwort, die Abkürzung für Simple Agreement for Future Tokens, ins Deutsche übersetzt „Einfache Vereinbarung über künftige Token“. Vorgestellt wurde das Konzept von SAFT erstmals im Oktober 2017 in einem Whitepaper, für das unter anderem Marco Santori als Jurist und Chef von Blockchain.com verantwortlich zeichnete.

SAFT (Simple Agreement for Future Tokens) einfach erklärt

Die Motivation für SAFT rührt daher, dass die mächtige US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) sich zunehmend für erste Verkaufsrunden neuer Kryptowährungen interessiert und auch im Nachhinein Geldstrafen und Rückabwicklung angeordnet hat. Dabei dreht sich die Frage immer darum, ob der neue Token als Security Token einzustufen und deshalb genehmigungspflichtig ist. Dazu wendet die SEC den Howey Test an und kommt meist zu dem Ergebnis: Bei dem Angebot neuer Token ist von einem klassischen Investments auszugehen und deshalb müssen strenge Dokumentationspflichten zum Anlegerschutz eingehalten werden. Um diese aufwendige und kostspielige Prozedur zu umgehen, wurde SAFT erfunden, wie der Untertitel des Whitepapers bereits verrät: „Für ein regelkonformes Umfeld beim Verkauf von Token“.

Wenn Token durch SAFT angeboten werden, existieren sie nur auf dem Papier. Das Projektteam skizziert seine Idee und geht damit auf Investorensuche. Diese erwerben durch ihr Kapital das Recht an künftigen Token, üblicherweise zum Vorzugspreis. Angeboten werden Utility Token, also solche Altcoins, bei denen keine Gewinnabsichten im Vordergrund stehen, sondern mit denen in einem geschlossenen Netzwerk Services eingekauft werden können. Zum Zuge kommen bei SAFT nach amerikanischem Verständnis nur sogenannte akkreditierte Investoren, die nachweisen können, über ausreichend Erfahrung mit Risikokapital zu verfügen. Mit diesem Kunstgriff umgehen durch SAFT finanzierte Projekte nach eigener Meinung eine Zulassungspflicht bei der SEC und registrieren ihr Vorhaben lediglich.

Für risikobereite Anleger ist das Prinzip SAFT dennoch interessant. Denn in der Praxis bekommen sie als erste neue Token zugeteilt und können sie erfahrungsgemäß auch schnell auf Kryptobörsen handeln. Neben dieser Gewinnchance ergibt sich eine zweite, wenn das jeweilige Projekt wirklich funktionsfähig wird und die Kryptowährung als Utility Token im besten Fall an Wert zulegt.

ICOs, IEOs und STOs als Alternativen zu SAFT

Lange Zeit war eine ICO (Initial Coin Offering) die erste Wahl zur Finanzierung von Krypto. Doch spätestens seitdem bei Projekten wie EOS die ICO Milliardensummen einspielte, schob die SEC solchen Praktiken den Riegel vor. Als ein Ausweg wurden Security Token Offerings (STOs) angesehen, die aber wegen Regulierungsauflagen in den USA nie wirklich durchstarteten. Die Kryptobörse Binance setzte mit der Konzept IEO (Initial Exchange Offering) einen Trend, bei dem neue Kryptowährungen nicht direkt von den Initiatoren verkauft, sondern durch eine Kryptobörse auf den Markt gebracht werden. Die Gemeinsamkeiten zwischen ICOs und IEOs überwiegen die Unterschiede bei Weitem und die SEC hat sich zum Thema IEO bislang nicht klar positioniert. Deshalb klammern IEOs den US-Markt üblicherweise aus.

Kritik an SAFT

Der für Dich wichtigste Haken an SAFT ist: Du hast im Normalfall überhaupt keine Chance, in den künftigen Altcoin zu investieren, weil nur akkreditierte Investoren zugelassen sind. Dies führt direkt zum zweiten Kritikpunkt an SAFT: Das Prinzip ist mit Blick auf die SEC für den US-Markt optimiert, ob SAFT etwa auch in der EU rechtskonform ist, steht noch offen. Und selbst in den USA hat die SEC noch keine Grundsatzentscheidung zu SAFT als Finanzierungsinstrument getroffen, obwohl Krypto-Juristen wie Marco Santori versprechen, dass keine Problem auftreten sollten. So schön die Idee SAFT also klingt – das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Gehört SAFT die Zukunft bei der Finanzierung von neuen Token?

Gerade noch gewöhnen wir uns an IEOs von Binance als Anhaltspunkt dafür, welche neuen Altcoins zukunftsträchtig sind – und jetzt soll SAFT das Maß der Dinge darstellen? Beim Blick in die USA ist das wohl so, dort aber sind andere frühe Investmentmöglichkeiten in Kryptoprojekte rar gesät. Binance verzichtet in den USA auf IEOs komplett, Coinbase hat sich in das juristisch komplexe Feld noch nicht vorgewagt. Für die Krypto-Projektteams ist SAFT attraktiv, da sie dadurch keine direkten Firmenanteile abgeben und auch keine Gewinne anstreben müssen. Dass Kleinanleger bei SAFT außen vor bleiben, scheint in den USA nebensächlich.

Wer aus Deutschland auf SAFT-Projekte schaut, weiß zumindest: Hier gehen erfahrene Investoren ins Risiko. Ob sich daraus später eine Erfolgsgeschichte entwickelt, ist aber keinesfalls garantiert. Du solltest Dir bei der Offerte neuer Coins – ob nun per SAFT, IEO oder durch andere Methoden – weiterhin selbst eine Meinung auf Grundlage vorliegender Informationen bilden, bevor Du investierst. Denn nach wie vor gilt: Aus der Masse von Altcoins haben es in den vergangene Jahren nur eine Handvoll geschafft, sich tatsächlich gewinnbringend zu etablieren. Selbst Großprojekte wie Ripple (XRP) oder IOTA sind in ihren Kursentwicklungen weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. SAFT ist also keineswegs eine Art Prüfsiegel von unabhängiger Stelle, sondern schlicht ein junges Finanzierungsinstrument vorrangig in der US-Kryptoszene.


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