Bitcoin in El Salvador: Studie zeigt wenig Akzeptanz für BTC im Alltag

El Salvador wird seit der Anerkennung von Bitcoin (BTC) als gesetzliches Zahlungsmittel vom Sommer 2021 von Teilen der Kryptoszene hochgelobt. Doch eine Studie zeigt: Im Alltag ist Bitcoin in El Salvador nicht wirklich angekommen.

Glaubt man manchen Bitcoin Maximalisten, ist El Salvador so etwas wie das „gelobte Land“. Denn in El Salvador hat Bitcoin (BTC) seit Sommer 2021 den Status eines gesetzlichen Zahlungsmittels und ist dort so theoretisch gleichgestellt mit dem als Landeswährung benutzen US-Dollar. Aber eine Studie der berühmten US-Forschungsorganisation National Bureau of Economic Research zeigt: Die großen Bitcoin Pläne von El Salvador und Präsident Nayib Bukele spielen in der Lebenswirklichkeit der rund 6,5 Millionen Einwohner nur eine untergeordnete Rolle.

Nur 20 Prozent der Salvadorianer nutzen Bitcoin regelmäßig

Die Forscher befragten für ihre Studie im Februar 2022 rund 1.800 Haushalte in El Salvador direkt, also persönlich. Demnach sind es aktuell nur noch 20 Prozent der Bürger, welche die offizielle Chico Wallet für Bitcoin im Alltag benutzen. Mit dem Download der Chico Wallet war für Salvadorianer ein Bonus von 30 US-Dollar in Bitcoin verbunden. Diese Möglichkeit haben anscheinend gut zwei Drittel aller Bürger wahrgenommen, das BTC Geschenk ausgegeben und danach aber größtenteils wieder auf die gewohnten Zahlungsweisen Cash und/oder Bankkarten umgestellt. Auch interessant: Die Option, mit Bitcoin und der Chibo Wallet Steuern zu bezahlen, wird laut den Befragungen überhaupt nicht wahrgenommen. Ebenso leblos scheint es mit dem Anwendungsfall auszusehen, durch Bitcoin Transaktionen für Geldüberweisungen ins Ausland Gebühren zu sparen.

Wirtschaft in El Salvador wenig begeistert von Bitcoin

Mau sieht es für Bitcoin in El Salvador auch aus, wenn man die Perspektive wechselt und aus Sicht von Geschäftsleuten auf BTC als gesetzliches Zahlungsmittel sieht. Laut der Studie akzeptieren rund 20 Prozent aller Firmen im Land tatsächlich Bitcoin und diese Gruppe setzt sich hauptsächlich aus Großunternehmen wie McDonalds und Starbucks zusammen. Die Gesetzeslage erlaubt es Geschäfte und Dienstleistern, die Annahme von Bitcoin zu verweigern, falls die individuellen technischen Möglichkeiten nicht ausreichen. In El Salvador sind immer noch um ein Drittel aller Menschen ohne Smartphone und Internet. Wichtiges Detail bei der geschäftlichen Nutzung von BTC in El Salvador: 88 Prozent aller so eingenommenen Bitcoin werden sofort wieder in US-Dollar umgetauscht und also nur kleine Anteile als Reserven gehalten oder für B2B eingesetzt.

Konzept von Bitcoin als Ersatzwährung funktioniert in El Salvador nur eingeschränkt

Das National Bureau of Economic Research hat eine gut 100-jährige Geschichte und verweist auf Dutzende von Nobelpreisträgern unter seinen Mitgliedern als Beweis für Seriosität und Unabhängigkeit. Tatsächlich findet sich in dem 17-seitigen Papier zu Bitcoin in El Salvador keine Stelle, in welcher sich die Forscher die harsche Kritik der USA und auch des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu eigen machen. Von diesen Stellen bekommt Präsident Nayib Bukele überdeutlich signalisiert, dass man seine Entscheidung pro Bitcoin schon allein aus währungspolitischen Gründen ablehnt und eine Kehrtwende fordert.

Sucht man nach Argumenten für die Bitcoin Adoption in El Salvador, stößt man der Studie zufolge auf zwei Gruppen: Junge und gut ausgebildete Bürger sowie (internationale) Großunternehmen. Hier wird BTC tatsächlich in die Alltagsstrukturen integriert. Doch ein anfängliches Interesse an Bitcoin von breiteren Gesellschaftsschichten hat sich El Salvador schon wieder verflüchtigt, auch wenn mit der Chivo Wallet und BTC-Geldautomaten Infrastruktur vom Staat aufgebaut wurde.

Fazit: „Bitcoin Revolution“ in El Salvador schon gescheitert?

Das Abfeiern von El Salvador als Bitcoin Land verbietet sich angesichts systematischer Menschenrechtsverletzungen und dem autoritären Demokratieverständnis von Präsident Nayib Bukele eigentlich ohnehin. Doch auch wenn man Moral und moderne Gesellschaft beiseitestellt und sich auf die sozioökonomischen Aspekte von BTC dort beschränkt – wie es die Studie tut -, ergibt sich ein ernüchterndes Zwischenfazit: Trotz spürbarer geldwerter Anreize (30 US-Dollar Geldgeschenk, subventionierte Gebühren etc.) für Bitcoin in El Salvador ist die Akzeptanz vorerst auf niedrigem Niveau stehen geblieben. Für den normalen Bürger oder Geschäftsmann sind demnach keine Vorteile von Bitcoin gegenüber dem gewohnten US-Dollar im Alltag so spürbar, dass ein nachhaltiges Umschwenken erfolgen würde.

Diese Erkenntnisse dürften viele westliche Bitcoin Fan sauer aufstoßen – aber als Anleger sollte man sie im Hinterkopf behalten, wenn sich die Diskussion um BTC als gesetzliches Zahlungsmittel in anderen Ländern Südamerikas und Afrikas dreht.


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