Deutscher Börsenstar Northern Data erneut in der Kritik

Die Northern Data AG mit Hauptsitz in Frankfurt war mit seinem Geschäftsmodell, Kapazitäten von Hochleistungsrechnern zu vermieten, bis Mittel Juli aus Sicht der Börse auf Erfolgskurs und konnte in der Marktkapitalisierung sogar die magische Marke von 1 Milliarde Euro knacken. Jetzt aber merken sich Zweifel an der Seriosität von Northern Data.

Droht nach der Insolvenz bei Wirecard mit der Northern Data AG ein zweiter Fall, in dem ein (Fin-)Tech-Unternehmen aus Deutschland abstürzt, weil Geschäftsberichte und Wirklichkeit nicht zusammenpassen? Wer den Aktienkurs der Northern Data AG betrachtet, kann den Einbruch vom 15./16. Juli 2020 nicht übersehen, um knapp 40 Prozent rauchte der Preis von gut 80 Euro auf unter 50 Euro in den Keller. Grund dafür waren die unter dem Pseudonym „Ken L“ veröffentlichte Analyse von Informationen, die Northern Data zu seinem Geschäft veröffentlicht. Jetzt hat „Ken L“ nachgelegt und nimmt abermals in einem Bericht auseinander, was die Northern Data AG seiner Meinung nach zu verschleiern versucht.

Die Norther Data AG – mehr Schein als Sein?

Die Northern Data AG bewirbt sich selbst als „Experten für HPC-Lösungen“, wobei HPC für High Performance Computing steht, also Hochleistungsrechner. Im US-Bundessstaat Texas baue man das „größte Rechenzentrum der Welt“, heißt es weiter. Dessen Kapazitäten würden an Kunden vermietet, die solche Leistungen für Video-Rendering, Projekte im Bereich Künstliche Intelligenz, Blockchains und ähnlich rechenintensive Aufgaben benötigen.

„Ken L“ meint beweisen zu können, dass Northern Data seine Kunden und Aktionäre an der Nase herumführt. In Wirklichkeit betreibe Northern Data fast ausschließlich Bitcoin Mining im Auftrag seiner Kunden, verlange von denen überhöhte Preise und klammere die Risiken aus, welche sich beim Mining von BTC durch die Preisentwicklung von Bitcoin ergeben. Die Northern Data AG hatte den ersten Bericht von „Ken L“ kategorisch als „Verleumdungskampagne“ abgetan, konnte den Kurssturz damit aber nur aufhalten, nicht umdrehen.

Ein wichtiger Punkt, den „Ken L“ anführt, ist der Preis, welchen Northern Data für seine Leistungen erhebt. Dieser wird in der HPC-Branche üblicherweise in US-Dollar pro Kilowattstunde (kWh) berechnet. Aus öffentlichen zugänglichen Informationen von Northern Data kommt „Ken L“ auf um 0,06 US-Dollar/kWh als Richtpreis bei Northern Data. Mitbewerber würden vergleichbare Leistungen wie der von Northern Data aber bereit für gut 0,03 US-Dollar anbieten, so „Ken L“. Entweder habe Northern Data die „dümmsten Kunden in der Kryptobranche “ gefunden oder das Unternehmen frisiere seine Bücher, weil die Kunden weniger als öffentlich bekannt bezahlen, so „Ken L“. In seiner zweiten Analyse bezweifelt er auch, dass die Northern Data AG in ihren Finanzberichten erhebliche Einfuhrzölle für Hardware berücksichtige. Er zeigt auch auf, dass sich Bitcoin Mining bei 0,06 US-Dollar/kWh erst ab einem Preisniveau von BTC über 9.000 US-Dollar wirklich rechnet und schon ab Kursen von unter 8.000 US-Dollar Verluste macht.

Die Northern Data habe in 2020 erst zwei Neunkunden gewonnen, führt „Ken L“ weiter aus, beide aus Japan, beide für Bitcoin Mining. Die Diversität seiner Kunden, die Northern Data durch das Schlagwort HPC vermittle, stimme nicht, alle größeren Kunden von Northern Data würden HPC für Bitcoin Mining anfordern. Dies gibt Northern Data zwar mittlerweile – wenn auch widerwillig – zu, verweist aber gleichzeitig auf steigende Nachfrage aus anderen Sparten, die man im nächsten Quartalsbericht auch sehen werde. „Ken L“ hält derweil fest an seinen Vorwürfen und empfiehlt Aktionären, im Detail nachzufragen, auch zu Angaben der Sicherheitszertifizierung der Server-Farm von Northern Data und warum man mehr über HPC als über das tatsächliche Business mit Bitcoin Mining spreche. Northern Data hat auf den zweiten Text von „Ken L“ bislang nicht reagiert.

Fazit: Die Story von Northern Data ist stark beschädigt

Auch wenn Skeptiker „Ken L“ vorwerfen, anonym zu agieren und deshalb wenig glaubwürdig zu sein – der Markt hat dessen ersten Bericht sehr ernst genommen und er wurde von Financial Times bis zu „Der Aktionär“ weitergetragen. Die Preiskurve der Northern Data Aktie zeigt mit einem aktuellen Kurs von 51 Euro, dass die Vorwürfe nicht im Wald verhallten, sondern im Gegensatz die Erklärungsversuche der Northern Data als wenig stichhaltig eingestuft wurden. Der zweite Bericht von „Ken L“ gibt keinen Grund, wieder Vertrauen in die Northern Data AG aufzubauen. Es besteht hingegen begründeter Anlass, annehmen zu müssen, dass die Northern Data AG mit Buzzwords und überoptimistischen Prognosen zwar Aktionäre anlocken und zunächst begeistern konnte. Doch wenn dabei entscheidende Informationen zu Risiken und Berechnungsgrundlagen nicht transparent kommuniziert wurden, sind die Aussichten für die Northern Data AG wohl alles andere als rosig und der Traum von dem deutschen Tech-Einhorn mit einer Marktbewertung von mehr als 1 Milliarde Euro wohl ausgeträumt.


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