IOTA: Frühe Investoren erhöhen Druck auf Gründer

Bei IOTA stehen erneut Geldflüsse rund um die Vorgängerfirma Jinn unter Scam-Verdacht. Ein früher Investor berichtet, wie 2014 Kapital angeworben wurde und was die IOTA-Gründer David Sønstebø und Sergey Ivancheglo damit wohl veranstaltet haben.

Als im Juli 2019 bekannt wurde, dass IOTA-Mitgründer Sergey Ivancheglo aka Come-from-Beyond/CFB auf eigenen Wunsch aus Führungspositionen bei IOTA ausscheidet, schien dies noch wie eine Randnotiz Der zweite Gründer von IOTA, David Sønstebø, fand warme Worte für CFB und es hieß, CFB werde IOTA als externer Entwickler und Berater weiter zur Verfügung stehen. Doch in Wirklichkeit entpuppte sich der Rückzug von Sergey Ivancheglo als Auftakt für Enthüllungen, die IOTA durch die Vorgängerfirma Jinn schwer belasten. Nun hat ein enttäuschter Investor, der sich 2014 bei Jinn finanziell engagiert hatte, die Story aus den Anfangsjahren von IOTA aus seiner Sicht aufgerollt. „Brnt“ nennt sich dieser Autor, bleibt bislang anonym und gibt an, sich mit mehreren anderen frühen Investoren um Entschädigung zu bemühen. So wie Brnt die Geschichte um IOTA, Jinn, Sønstebø und CFB schildert, klingt sie nach Exit Scam.

Wie aus Jinn IOTA wurde

David Sønstebø und Sergey Ivancheglo gingen im Herbst 2014 auf die Suche nach Investoren, um die Idee eines neuartigen Prozessors auf Basis des Ternärsystems zu verwirklichen. Dafür gründeten sie Jinn und boten Jinn Token an. Diese Jinn Token sollten als Anteile an dem Projekt betrachtet und mit 10 Prozent der künftigen Profite bedient werden, hieß es. 100.000 der 1.000.000 Anteile an Jinn wurde bei einer ICO am 1. Oktober 2014 verkauft, erinnert sich Brnt. Zunächst gab es – wenn auch sporadisch – Fortschrittsberichte von Jinn, das Hardware entwicklen sollte.

Doch dann folgte im November 2015 die große Überraschung. Die Investoren wurden von Jinn darüber informiert, dass man die Anteile in IOTA tauschen könne, eher wohl sogar solle. Denn hier den Kulissen hatten CFB und Sønstebø erkannt, dass ihr Projekt auch Software braucht. Diese Arbeit sollte unter der Firma IOTA AS gebündelt werden. Wer nicht jahrelang auf Ergebnisse bei Jinn warten wolle, sei mit IOTA besser bedient, wurde das Tauschangebot rhetorisch aufgehübscht. Brnt belegt seine Schilderungen durchweg mit Kopien von E-Mails und Diskussionsbeiträgen in Foren.

Ende November bis Dezember 2015 ging dann die ICO von IOTA über die Bühne. Dabei kamen neue Investoren an Bord, aber auch mancher, der Anteile an Jinn hielt, nahm das Angebot an. IOTA wurde ausdrücklich als Software-Projekt angepriesen, der IOTA Token sei insofern kein echter Coin und werde vielleicht nie auf Kryptobörsen gehandelt. Laut Brnt wurden dabei auch 42 Prozent der Jinn Token, die im Umlauf waren, in IOTA getauscht. Er selbst entschied auf Grundlage der damals vorliegenden Informationen anscheinend, besser seine Anteile an Jinn zu halten.

Unterdessen machte IOTA bei der ICO bekannt, dass IOTA Token, die nicht bis zum 11. Juli 2017 beansprucht würden, als Schenkung für die Gründung befindliche IOTA Stiftung betracht würden. Brnt zählt 81 Tera IOTA (Ti), die somit aus unterschiedlichen Quellen als Spenden gelten könnten, selbst bei aktuellen Kursen immer noch die stolze Summe von etwa 20 Millionen US-Dollar. Doch Zugriff auf diesen Schatz hat offenbar nur David Sønstebø und CFB ist derjenige, der seinen Anteil daran fordert.

Brnt fühlt sich ob der Deals aus der Vergangenheit betrogen und spricht von Exit Scam. Seine Argumentation lautet: Man habe sich bei Jinn unter klaren Konditionen eingekauft. IOTA im Rahmen eines Umtausch sei keine attraktive Option gewesen. Beim Investment in Jinn sei zudem klar zugesichert worden, dass bei Zukäufen oder einem Exit von Jinn die frühen Anteilseigner am Profit mit 10 Prozent beteiligt würden. Auch dies sei bei der Neuausrichtung von Jinn/IOTA nicht geschehen.

Sønstebø und CFB – beides Bösewichte von IOTA?

Im Anschluss auf das Ausscheiden von CFB bei IOTA ging es zwischen ihm und Sønstebø heftig zu, Fäkalsprache und Vorwürfe der Verleumdung waren und sind öffentlich nachzulesen. Im März 2020 dann kündigte CFB ein neues, sauberes IOTA an, die Idee verläuft aber bisher im Sand. Gegen Sønstebø erheben unterdessen auch ein ehemaliger Mitarbeiter und ein selbst ernannter Kritiker schwere Vorwürfe.

CFB, der in der Kryptoszene als privat nicht einfach bekannt ist, kommt bei der Aufklärung der Anfänge von IOTA/Jinn durchweg ohne größere Kritik davon. Denn immerhin hat erst CFB das Thema der „verschwundenen“ IOTA im Millionenwert überhaupt öffentlich gemacht und will dem Vernehmen nach, dass diese endlich an die IOTA Stiftung gehen.

Brnt sieht das etwas anders und will seinen Anteil am Kuchen. Doch auch er schießt sich auf Sønstebø ein, der eine vernünftige Regelung unmöglich mache. Er zitiert einen Sønstebø , der mal öffentlich bekennt, den legalen Überblick über Jinn, IOTA, Labs und Prozessoren verloren zu haben. Dieser Sønstebø instruiert aber CFB zuvor, Spendengelder nicht an bestimmte Adresse zu senden, denn diese sei „sauber“ von der Vergangenheit Jinn/IOTA AS. Und dieser Sønstebø sagt, er besitze Jinn bis heute komplett und verlangt 13,5 Ti von CFB.

Fazit: Systematisches Versagen oder böse Absicht bei IOTA-Gründern?

Wie man die Vergangenheit bei IOTA auch dreht und wendet: Es wirkt schon lange nicht mehr wie ein Versehen, was Sønstebø zu verantworten hat. Brnt liefert dafür im Grunde keine neuen Beweise, aber eine neue Sichtweise. Denn er legt das Augenmerk auf die allererste Finanzrunde, die Sønstebø und CFB veranstalteten und dabei noch klare Bedingungen unter dem wichtigen Hinweis auf direkte Beteiligung versprachen. Das, was dann passierte beim Umsteigen auf IOTA, können gutwillige Beobachter noch als typisches Start-up-Chaos bezeichnen.

Doch aus dem Blickwinkel eines früheren Investors, ob nun bei Jinn oder IOTA, ist ein solch mildes Urteil kaum zu erwarten. Da liegen also seit Jahren erhebliche Summen in IOTA und Jinn Anteilen auf Konten, die Sønstebø für sich privat beansprucht. Das geht konträr zu den Zusagen, unbeanspruchte Token als Spenden für die IOTA Stiftung zu betrachten. Das widerspricht auch den Interessen der frühen Jinn Investoren, die Geld in die Entwicklung von Hardware anlegen wollten und keineswegs spenden.

Solange sich David Sønstebø nicht bequemt, die Situation transparent aufzulösen, muss er auch den Verdacht aushalten, Investorengelder zu veruntreuen. Ob in der Angelegenheit vielleicht am Schluss doch ein Gericht entscheiden muss? Uns ist bislang von keinem juristischen Vorstoss bekannt, potenzielle Kläger scheinen das Prozesskostenrisiko zu scheuen. Brnt schließt eine Klage zumindest nicht aus.

Derweil droht Sønstebø als Chef der IOTA Stiftung immer mehr zur Belastung für das gesamte Projekt zu werden. Denn schließlich verhandelt er weiter im Namen von IOTA mit der Großindustrie über Kooperationen und die Gesprächspartner werden die Nachrichten über sein Verständnis von Geschäftspraktiken kennen. Ohne Aufklärung – am besten durch externe Prüfer – wird dieser Krypto-Krimi ganz bestimmt kein Ende finden.


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15 Kommentare

  1. Wo genau soll denn der Exit Scam liegen? Dass die gekauften/getauschten IOTAs bis 11. Juli 2017 beansprucht werden mussten, wurde ja ganz klar VORAB transparent kommuniziert. Da kann ich jetzt eigentlich kein Problem erkennen.

    Woher weiß man denn nun, dass diese 81 TI im Besitz von David Sonstebo liegen und nicht bei der IOTA Foundation? Wenn sie im Besitz der IOTA Foundation wären – was genau wäre dann der Vorwurf an Sonstebo?

    Dass dieser BRNT seine Jinn Token nicht umgetauscht hat, ist natürlich aus seiner Sicht ärgerlich. Aber da kann ja Sonstebo nichts dafür und Jinn Labs hatte ja auch bis kurz vor der Pleite noch aktiv Mitarbeiter beschäftigt. Dass ein Unternehmen die Tätigkeit einstellt, ist ja nun noch lange kein Hinweis auf einen Exit Scam und generell ein Risiko, das jeder Investor einplanen muss.

    • David hatte im Vorfeld angekündigt die Investoren bei JINN „NIE“ hängen zu lassen und immer einen Umtausch 1:1 (im Wert) anzubieten. Dieses Wort wurde gebrochen und das reicht es als Exit-Scam zu bezeichnen zumal David das Thema für sich nun beendet hat.

  2. Übrigens ist die Überschrift „IOTA: Frühe Investoren erhöhen Druck auf Gründer“ irreführend. Jinns Labs hat mit IOTA rechtlich gesehen überhaupt nichts zu tun. David Sonstebo ist, bzw. war Co-Founder von beiden Unternehmen, das stimmt. Das war es aber auch schon.

  3. IOTA wird euch einfach zu mächtig. Deswegen tut ihr alles, um der IF zu schaden. Das ihr nachweislich lügen verbreitet, dringt auch immer mehr ans tageslicht 😉

    • IOTA wird zu mächtig??? In welcher Blase lebst du?? Ein Freund von mir arbeitet bei Siemens und Siemens wird bald abspringen, weil sie sich mehr erhofft hatten. Zudem hat die Foundation es einfach verpennt selbst Patente einzureichen, um zu verhindern, dass nur ein kleiner Industrieteil die Wertschöpfungskette nutzen darf. Die Sache hat sich damit für eine weltweite Adaption über Unternehmensgrenzen hinweg erledigt.

      • Meine Blase heißt „exponentielles Wachstum“. Den Patentanmeldungen nach wächst der Zukünftige Usecase von Iota rasant. In den Patenten ist die Rede von IOTA, nicht vom Tangle. Colored Token können auch nur In Verbindung mit den IOTA Coin funktionieren.
        Das Siemens abspringen wird halte ich ohne Quellenangabe für einen Fake, da sie erst vor 6 Tagen neue Patente angemeldet haben die mit IOTA in Verbindung stehen. IOTA ist eine Foundation, übrigens genauso wie Cardano und bedarf keiner Patentanmeldungen.

  4. Ihr seid richtige Durchblicker, was? Mein Kumpel, der „den Hof“ fegt, ist selbst an mehreren von diesen Patenten beteiligt. Keine Ahnung, was ihr arbeitet, aber jedenfalls weder in der IT, noch in der Industrie! Ansonsten wüßtet ihr nämlich, dass Patente verschiedene Stufen an Fristen durchlaufen müssen. Das was publiziert wird, ist 18 Monate alt! Die Arbeit für das Patent über 2 Jahre alt. Und stellt euch vor, in der Industrie beantragt Patente mit dem Ziel eine Erfindung ausschließlich selbst zu nutzen und sämtlichen anderen Firmen die Nutzung zu untersagen!! Habt ihr eine Vorstellung davon, wieviele Patente ein Konzern jedes Jahr einreicht, ohne sie jemals zu nutzen?? Wir reichen sogar Patente ein, mit dem absoluten Wissen, sie niemals zu verwenden, sondern ausschließlich um den Wettbewerbern, einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen! Nichts schadet einem Kurs einer Kryptowährung mehr, als ein Haufen Patente, die eine barrierefreie Nutzung dieser verbieten!
    Vielleicht solltet ihr erstmal nachdenken, bevor ihr von Dingen redet, von denen ihr nicht die geringste Ahnung habt!

    • Und Markus ist Siemens abgesprungen… Sind schon mehr als ein halbes Jahr her als du diesen Nachrichtengeschrieben hast gemacht hast? Was sagt dein Kumpel heute?

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