IOTA: Entwickler verlässt Stiftung mit beißender Kritik

Die IOTA Stiftung muss künftig ohne Philipp Blum auskommen. Blum äußerst heftige Kritik an den Praktiken und Plänen, welche in der IOTA Stiftung vorherrschen. Zweifel an der Zukunft von IOTA sind erlaubt.

IOTA hat ein Problem mehr: Mit der Entlassung von Entwickler Philipp Blum wurde eine Blog Post von ihm öffentlich in dem er die IOTA Foundation in vielen Punkten kritisiert. Gerade ein Jahr hat Blum bei IOTA hauptberuflich als „Developer Advocate “ gearbeitet. Jetzt macht er in einem offenen Brief sehr deutlich, warum der Blick hinter die Kulissen ihn bei IOTA nicht in Sachen Zukunftsfähigkeit des Projekts überzeugt hat. Im Ton sachlich, im Detail unerbittlich exakt – es ist eine nüchterne Abrechnung, die Blum zu IOTA vorlegt. Für Dich als Anleger ist das Schreiben von Blum von Bedeutung, denn es zeigt auf, woran es bei IOTA krankt. Wir fassen zusammen.

IOTA-Entwickler: IOTA geht das Geld aus und läuft technisch der Konkurrenz hinterher

Philipp Blum hat vor seiner Tätigkeit bei IOTA in diversen anderen Webprojekten gearbeitet, auch dort oft in der Schnittstelle zwischen technischer Entwicklung und Kommunikation mit Anwendern. Er kann also Erfahrungen vergleichen und weist in seinem Bericht zu IOTA ausdrücklich darauf hin, dass er der Stiftung weiterhin Erfolg wünscht. Blum nennt sechs Themengebiete, an denen IOTA zu scheitern droht:

1. Transparenz: Blum kritisiert, dass die IOTA Stiftung nicht ausreichend über ihre finanzielle Lage informiert. Zwar gibt es hier eine Webseite von IOTA, in der eingehende Spenden vermerkt werden. Doch deren Daten stimmen laut Blum nicht immer mit der Adresse der Wallet zusammen, auf der die IOTA Stiftung Guthaben verwaltet. Bei der laufenden Kosten von über 1 Million US-Dollar monatlich werde der IOTA Stiftung in 13 Monaten das Geld zugehen, schlussfolgert Blum auch aus der Burn Rate und dem Vermögen. Im Klartext: Wenn es IOTA nicht sehr schnell gelingt, profitabel zu arbeiten, werden die Rücklagen aufgezehrt sein und professionelle Entwickler von der IOTA Stiftung nicht mehr bezahlbar sein. Blum führt auch den Streit zwischen den Gründern Sergey Ivancheglo (CFB) und David Sønstebø als Beispiel für mangelnde Transparenz an und wirft ihnen vor, sich um Geld zu zoffen, welches eigentlich der IOTA Stiftung zustehen solle.

2. IoT (Internet der Dinge): IOTA will hier zum Industriestandard werden. Doch laut Blum passiert in diesem Kernbereich von IOTA im Maschinenraum viel zu wenig. Das Protokoll von IOTA sei nach wie vor nur mit wenigen anderen Netzwerken kompatibel und bei der Hardware nur bei teuren Lösungen sicher anwendbar. Statt sich auf diese zentralen Themen zu konzentrieren, so Blum, verschwende man Zeit und Kapazitäten darauf, Tools neu zu programmieren und Webanwendungen zu schaffen anstatt native IoT-Lösungen. Kurzum: IOTA habe technologisch sein eigentliches Ziel aus den Augen verloren.

3. Technologie: Bei IOTA werden wichtige Teilprojekte manchmal nur von einer Person betreut. Wenn diese wegfällt, sei auch der jeweilige technologische Ansatz kaum weiterzuführen. Und Blum wiederholt: Der Fokus auf das eigentliche Netzwerk, welches bekanntlich nicht stabil läuft, sei abhandengekommen und IOTA spüre die Auswirkungen an allen Ecken und Enden.

4. Partnerschaften: Eigentlich sollten Kooperation allen Beteiligten helfen, so Blum. Doch IOTA vergebe Lizenzen ohne Partner darauf zu verpflichten, das Mainnet zu unterstützen und Anpassungen öffentlich zu machen und zur Verfügung zu stellen. Diese führe zu der Situation, dass die Industrie zwar gerne das Tanglenet von IOTA nutze, aber eigene Versionen davon aufsetzen (Private Tangle). Diese wichtige Information sei vielen Mitgliedern der IOTA Community nicht bewusst.

5. Sicherheit: Blum kommt auf die gravierende Sicherheitslücke in der offiziellen Trinity Wallet von IOTA zurück, welche das Mainnet bei IOTA einen Monat zum pausieren zwang. Blum sagt, es werde zwar öffentlich meist das Wort „Hack“ benutzt, um Verantwortung abzuschieben. Aber aus Sicht von Blum war es gar kein „Hack“. Stattdessen hätten schwerwiegende Versäumnisse bei IOTA in Sachen Sicherheitsprüfung („audit“) zu dem Debakel geführt. Als man den Finanzdienstleister Moonpay bei der Trinity Wallet integrierte, wurde dies überhaupt nicht auf Sicherheitsaspekte hin geprüft, so Blum. Er selbst nutze wie viele andere Entwickler sowieso eine andere Wallet als die Trinity Wallet für IOTA. Dennoch: Das Problem habe auffallen müssen, bevor es die Guthaben von IOTA Nutzern und Anlegern in Gefahr brachte.

6. Privatsphäre: IOTA verspreche, die Privatsphäre als Grundprinzip hochzuhalten. Doch bereits der Blick auf die diversen Online-Präsenzen von IOTA zeigt: Dort wird mit Cookies und Trackern nur so um sich geworfen, ohne dass man den Betrachter darüber aufgeklärt. Zweifelhaft sei auch, ob IOTA dort überhaupt Tools von Google brauche. Alles in allem verletze IOTA die Regeln der Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union ständig und intern werde dies nicht thematisiert. Blum klopft sich hier aber auch selbst auf die Schulter, denn er habe diese Problematik bei der Privatsphäre und IOTA schon frühzeitig öffentlich gemacht, bevor er anfing, bei IOTA zu arbeiten.

Fazit: IOTA steht auf wackligen Beinen – Untergangsstimmung?

Blum meint, dass NANO als Konkurrent zu IOTA seinen bisherigen Arbeitgeber technologisch bereits überholt habe. Das in der Kryptoszene heiß diskutierte Reizthema „Coordicide“ streift Blum nur kurz, sieht aber die erfolgreiche Umsetzung von „Coordicde“ als Voraussetzung für die Zukunft von IOTA. Wie eingangs erwähnt: Es ist zwar inhaltlich eine vernichtende Generalabrechnung zu IOTA, die Blum vorlegt. Doch der Ton, den er dabei anschlägt, ist nicht der eines Rachefeldzugs. Blum ist enttäuscht von einem Projekt, das ihn fasziniert hat, und musste dann in der Praxis erleben, wie Anspruch und Wirklichkeit, Außendarstellung und Interna auseinanderklaffen. Vergessen sollte dabei allerdings nicht werden, dass Blum von der IOTA Foundation entlassen wurde.

Erst letzte Woche hatte ein selbst ernannter Insider namens Hund für Sorgenfalten bei IOTA gesorgt. Blums Kritik geht inhaltlich weiter, da technologisch geprägt. Auffallend ist: Die IOTA Stiftung kommentiert die Vorwürfe bislang kaum, nur Hans Moog hat auf die Anschuldigungen geantwortet, wirklich überzeugende Argumente hat er dabei nicht. Der Kurs von IOTA zeigt sich derweil etwas erholt bei knapp über 0,20 US-Dollar. Aber all das, was wir bei IOTA wiederholt über die internen Verhältnissen erfahren, gibt wenig Grund zur Hoffnung, dass IOTA die große Erfolgsstory wird, auf die immer noch viele hoffen. Es scheint bei der IOTA Stiftung fundamentale Schwierigkeiten zu geben; finanziell, strategisch und nicht zuletzt auch in der technologischen Kompetenz.


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8 Kommentare

  1. Ich empfehle jedem den Originalpost auf Reddit zu lesen, ich hatte einen ganz anderen Eindruck als der Autor hier: ein Entwickler wird gekündigt und ärgert sich darüber und postet alles negative in einer zusammenhanglosen Liste. Darauf antworten Hans Moog unaufgeregt sachlich. Nur einen Punkt hat Hans ausgelassen, die verbleibenden Mittel der Foundation, das hätte mich schon interessiert.

    • Ja, Hans hat sachlich auf Dinge aufmerksam gemacht, die durchaus berechtigt sind. Die wichtigste Außereinandersetzung war zum Thema ECDSA. Ich stimme ihm komplett zu, dass Ed25519 der bessere Algorithmus ist. ECDSA hat diverse Probleme. Unbkannte Herkunft des Seeds und der Parameter. Es gibt die Befürchtung, dass die NSA in der Lage ist bestimmte Fälle in der Kurve dadurch knacken zu können. Selbst wenn das der Fall sein sollte, ist das immer noch mit erheblichen Aufwand verbunden. Die Erfahrung bei SHA zeigt allerdings, dass die NSA eher dazu neigt Parameter zu wählen, die deutlich stärker sind. Immerhin werden diese Empfehlungen auch an US Unternehmen herausgegeben. Es ist besser, wenn sowohl China, als auch die USA nicht in der Lage sind diese Daten lesen zu können. Soviel zum technischen Teil. Auch wenn Ed25519 technisch der bessere Algorithmus ist, so darf man nicht ausblenden, dass crypto Chips vorwiegend mit ECDSA produziert werden. Ed25519 Chips gibt es kaum auf dem Markt. In einer Debatte mit Hans kam bereits heraus, dass IOTA nicht nur den Fokus auf IoT gesetzt hat. Versteh mich nicht falsch. Das ist vollkommen in Ordnung und berechtigt. Allerdings hat sich IOTA eine andere Vision gegeben. Da ist die Rede von „Enabling the true Internet-of-Things through the Machine Economy.“.
      Wenn der Fokus tatsächlich IoT wäre, müsste man derartige Fakten einfach deutlich stärker gewichten.
      Die Kommentare sind auf Reddit nachverfolgbar, wobei man meine Antworten per Hand ausklappen muss. Die Community hat sie so weit runter gevotet, dass sie nicht mehr ausgeklappt sind.
      https://www.reddit.com/r/Iota/comments/gk91zd/about_leaving_the_iota_foundation/fqr69q5/

  2. Der Artikel fasst den Teil mit dem EDF nicht richtig zusammen. Der EDF ist nur der Fund für die Community. Dafür gibt es den verlinkten Tracker. Nach der Kritik wurde dieser allerdings inzwischen angepasst. Die Daten dort sind inzwischen aktuell. Der EDF Fund ist unabhängig vom Fund der IOTA Foundation selbst. Vielleicht hätte ich das noch etwas besser erläutern müssen. Der Artikel war vor allem an die IOTA Community gerichtet.

  3. Selbst für den Kritiker und Stänkerer ist die Sache, an die er kritisiert, von hohem Wert. Wäre es ihm egal, wäre er auch kein Kritiker und Stänkerer.

    Solange IOTA heftiger Kritik ausgesetzt ist, desto näher ist IOTA daran, etwas Bedeutsames zu schaffen.

  4. Hört sich für mich nach Frust an. Jeder weiß dass in JEDEM Unternehmen nicht alles immer wie geschmiert läuft, und trotzdem sind sie erfolgreich. Ich lasse mich dadurch nicht verunsichern, es gibt einfach zu viele Argumente die für IOTA sprechen.

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