Mana bei IOTA 2.0 – Abkehr von gebührenlosen Transfers?

IOTA will 2021 die Abschaffung des zentralen Koordinators schaffen, was auch bedeutet, ein neues Prinzip bei der Validierung von Transaktionen einzuführen. Dabei soll Mana eine zentrale Rolle spielen. Jetzt erklärt IOTA genauer, was man sich unter Mana in der Praxis vorzustellen hat.

IOTA hat unter den Kryptowährungen durch gebührenfreie Transfers eine Sonderposition, die oft als Vorteil herausgehoben wird. Erreicht wird dieser Mechanismus dadurch, dass einzelne Netzwerkteilnehmer jeweils zwei andere Transaktionen bestätigen müssen, wenn sie eine eigene durchführen wollen. Abgesegnet wird jeder Transfers aber in letzter Instanz durch den zentralen Koordinator, den die IOTA Stiftung wie eine Art Super Node betreibt. Mit dem für 2021 angestrebten Umstieg auf IOTA 2.0 aka Coordicide soll der zentrale Koordinator abgeschafft werden – und somit muss auch ein neues Konsenssystem für die Validierung von Transaktionen kreiert werden. IOTA widmet in diesem Zusammenhang nun Mana einen Blogpost und legt dar, wie Mana als Extra-Token bei IOTA 2.0 funktionieren soll.

Dezentrales IOTA und die Rolle von Mana

Mana ist von IOTA als Token konzipiert, der als wichtiger Gradmesser dafür dient, ob ein Node bei Transaktionen zuverlässig und ehrlich agiert. Denn mit einem Reputationssystem für Nodes will IOTA erreichen, dass man ein schlankes, ressourcensparendes Protokoll bei der Konsensbildung erreicht. Bislang war angekündigt, dass jede Transaktion von (M)IOTA nach Coordicide auch die gleiche Anzahl von Mana enthält und an den Node ausschüttet, der den Transfer bestätigt. Für die IOTA Stiftung berichtet jetzt Entwickler William Sanders, dass zudem diskutiert wird, die Ausschüttung von Mana daran zu koppeln, wie aktiv ein Node ist. Die Entscheidung über die genaue Berechnungsmethode für Mana sei noch nicht gefallen, so Sanders, und werde davon abhängen, welcher Ansatz sich in Tests als robuster erweise.

Aber ist Mana dann nicht im Grunde eine Kopie von Delegated Proof-of-Stake (DPoS), einem Blockchain-Protokoll, welches beispielsweise bei EOS zum Tragen kommt? Dort gibt es für Nodes, die von Netzwerkteilnehmern als seriös ausgewählt werden, Coins als Gebühren für die Arbeit der Validierung. Sanders sagt, es gäbe zwar Parallelen zwischen DPoS und Mana, aber sie seien sehr begrenzt. Erstes Problem: Mana ist zwar eigentlich auch eine Belohnung für Nodes, soll aber keinen geldwerten Anreiz bieten. Zweites Problem: Wenn ein Node viel Mana anhäuft, zieht er auch automatisch die Valdierung von vielen Transaktionen an sich, weil die Reputation gut ist. Wenn dieser Node nun auf unseriöses Verhalten umschwenkt, könnte das Netzwerk von IOTA kompromittiert werden.

Lau Sanders soll Mechanismen greifen, welche diese Probleme lösen. Zum einen bleiben Mana und IOTA getrennte Token. Zum zweiten würden IOTA Stiftung und andere ehrliche Netzwerkteilnehmer immer mehr Mana halten als ein einzelner Node mit betrügerischen Absichten. Zum Dritten werde es sehr teuer, durch den Einkauf von IOTA an Mana zu gelangen, weil erhöhte Nachfrage den Preis treibe. Sanders sagt zudem, man erwarte keinen Sekundärmarkt für Mana. Andererseits räumt auch Sanders ein, dass es dazu kommen könne, dass Mana über Smart Contracts verliehen oder verkauft werde. Dies wäre insofern interessant, weil bei hoher Netzwerkbelastung von IOTA 2.0 Transaktionen priorisiert werden sollen, die bereit sind, mehr Mana einzusetzen.

Fazit: Mana bei IOTA 2.0 wirft Fragen auf

An sich klingt Mana bei IOTA bislang harmlos und die IOTA Stiftung verspricht weiterhin, dass für die meisten Nutzer Mana im Alltag keine Rolle spielen werde, sondern automatisiert im Hintergrund funktioniere. Der kritische Blick auf die Funktion von Mana erlaubt aber auch, Zweifel daran anzumelden, ob IOTA mit Mana nicht doch durch die Hintertür Gebühren für Überweisungen einführt. Denn ist es wirklich so ausgemacht wie IOTA meint, dass Mana nicht auch einen eigenen geldwerten Markt schafft? Das wird sich wohl erst auf dem langen Weg hin zu IOTA 2.0 in Testnets herauskristallisieren und damit hat man notfalls Zeit, im Konzept nachzujustieren. Die Gretchenfrage bleibt derweil: Nodes sollen Rechnerkapazität für die Validierung von fremden Transaktionen bereitstellen. Warum sollten sie dieses tun, wenn Mana als Belohnung für den Service keinen Geldwert hat und gleichzeitig die IOTA Stiftung die Rolle als zentraler Koordinator loswerden will.


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3 Kommentare

  1. Schöner Beitrag, aber die Gretchenfrage ist die falsche.
    Die Antwort ist einfach, weil IOTA einen echten industriellen Mehrwert für Unternehmen haben kann (entgegen 99% aller anderen Cryptowährungen). Unternehmen sind allein durch ihr Eigeninteresse und der Nutzung von IOTA daran interessiert nodes aufzusetzen. Kurz: Allein die Nutzung von IOTA ist ein wirtschaftlich getrieber Grund eigene Nodes zu betreiben.

    Das ist natürlich ein komplett anderer Anlass als bei anderen Cryptowährungen bei den Leute mit den Nodes Geld durch Fees Geld verdienen wollen. In dem Fall wollen/werden Unternehmen Nodes betreiben, weil es ihre eigenen Produkte verbessert.

    • Dass ist leider immer wieder dasselbe Grundsatzproblem – Es wird immer und immer wieder krampfhaft versucht Mechanismen aus klassischen Cryptowährungen auf IOTA anzuwenden. Das führt zu einem falschen Verständnis und einer komplett falschen Wahrnehmung der Technologie.
      Neue Ansätze wie die Tangle haben einen anderen Scope und einen anderen Kontext (insb. in Hinblick auf I4.0), auf den die klassischen Paradigmen von Blockchain nicht gelten.

  2. Völlig verkehrter Blickwinkel.
    Bei den Blockchains wird das Geld mit „minen“ verdient.
    Beim Tangle werden die Nodes betrieben um mit den Anwendungen Geld zu verdienen die auf dem Tangle laufen.

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