Stablecoins: G20 gibt Empfehlungen für international koordinierte Regulierung

Die G20-Staaten arbeiten intensiv daran, Stablecoins deutlich stärker als bisher zu regulieren. In einem Arbeitspapier des Komitees für finanzielle Stabilität der G20 werden Empfehlungen zum Umgang mit Stablecoins ausgesprochen.

Lange Zeit schien es so, aus als ob sich internationale Organisationen wie die G20 wenig für das Themenfeld Kryptowährungen interessieren würden. Doch mit den Plänen zu Facebook Libra kam Bewegung in die Sache, die G7-Gruppe etwa setzte eine Beobachtungsgruppe ein. Jetzt reagieren auch die G20, der Zusammenschluss der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Sie hat ihr Financial Stability Board (FSB) auf Stablecoins angesetzt und das Komitee hat nun Empfehlungen veröffentlicht. In dem 62-seitigen Papier werden zwar weder Facebook Libra noch bereits bestehende Stablecoins wie Tether (USDT) namentlich genannt. Man spricht stattdessen abstrakt von Global Stablecoins (GSCs) – doch die Stoßrichtung ist klar: Stablecoins in ihrer bisherigen Form bergen demnach Risiken für Währungsstabilität und sollen deshalb gezielt und international koordiniert Regeln unterzogen werden.

Wie sich die G20 die Regulierung von Stablecoins vorstellt

Das FSB war im Juni 2019 von der G20 beauftragt worden, in Sachen GSCs tätig zu werden, also kurz nach der offiziellen Ankündigung von Facebook Libra. Das jetzige Arbeitspapier wartet noch bis Mitte Juli 2020 auf Reaktionen und soll anschließend im Oktober von der G20 verabschiedet werden. Es lassen sich acht grundsätzliche Forderungen herausfiltern:

  1. Nationale Finanz- und Regulierungsbehörden sollen Kapazitäten bereitstellen beziehungsweise schaffen, um GSCs an die Leine zu nehmen.
  2. Da Alleingänge dabei zum Scheitern verurteilt sein würden, sollen die Bemühungen international koordiniert geschehen.
  3. Nach dem Prinzip „Gleiches Geschäft – gleiche Risiken – gleiche Regeln“ (same business – same risks – same rules) soll gelten: Ganz gleich auf welcher technologischer Basis ein Stablecoin beruht und welche Währung er abbildet – internationale etablierte Regulierung für Finanzprodukte sollen auch auf Stablecoins angewendet werden.
  4. Dabei ist insbesondere darauf zu achten, dass Stablecoins tatsächlich durch geeignete Finanzreserven abgesichert sind.
  5. Um Geldwäsche, illegale Finanzierungen und ähnliche Tätigkeiten zu verhindern, sollen Herausgeber von Stablecoins weitreichende Dokumentationspflichten erfüllen und mit Behörden kooperieren.
  6. Nutzer von Stablecoins sollen deutlich über Risiken und Regeln informiert werden.
  7. Falls Stablecoins gegen Regulierungen verstoßen, soll mit aller Macht entschieden gegen sie vorgegangen werden.
  8. Bei aller Regulierungswut – das FSB betont „Verhältnismäßigkeit“, will also GSCs nicht generell verbieten.

Fazit: Stablecoins müssen sich auf Veränderungen einstellen

Wenn wie zu erwarten aus dem Arbeitspapier und den Empfehlungen verbindliche Abmachungen unter den G20-Staaten und der EU werden, dürften Freud und Leid in der Kryptobranche dicht beieinanderliegen. Positiv wäre dann, dass Stablecoins rechtlich anerkannt werden können und aus der juristischen Grauzone herauskommen. Bei dem Großprojekt Facebook Libra etwa könnte wieder Schwung entstehen, denn dort wurde mehrfach versprochen, den Launch erst dann zu betreiben, wenn Konsens um die Regulierung erzielt ist.

Anderseits könnten private Stablecoins wie Tether, USD Coin (USDC) oder Paxos Standard (PAX) ins Straucheln geraten, weil sie neue Dokumentationspflichten erfüllen müssen. Bei Tether, das US-Dollar abbildet und als Mutter aller Stablecoins gilt, gibt es beispielsweise immer wieder berechtigte Zweifel an der Absicherung durch Reserven in Fiat. Nicht betroffen von den Vorschlägen der G20 sind zunächst übrigens Projekte im Bereich Central Bank Digital Currency (CBDC), wo Zentralbanken Sicherheit und Seriosität garantieren wollen.


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