Bitcoin: Knacken Quantencomputer die Verschlüsselung schon 2022?

Ein starkes Argument für Bitcoin (BTC) ist Manipulationssicherheit. Doch immer wieder flammen Diskussionen auf, ob künftig Quantencomputer die Verschlüsselung im Netzwerk von BTC auflösen können. Jetzt macht die Jahreszahl 2022 die Runde.

Panikmache oder dringend notwendige Warnung? Das Thema Quantencomputer beschäftig die technisch interessierten Teile der Kryptoszene immens und Berichte aus den USA lassen erneut aufhorchen. Kurz gesagt geht es darum, wann sogenannte Quantencomputer die Leistungsfähigkeit erreichen, um die bisher üblichen Verschlüsselungsstandards in den Blockchains von Bitcoin (BTC) und anderen Kryptowährungen auszuhebeln. Im Herbst 2019 stellte Google seinen selbst entwickelten Quantum Computer vor. Dieser scheint noch weit davon entfernt, die Sicherheit von BTC zu gefährden. Doch Experten wie etwa von der auf Kryptogramme spezialisierten Firma Post-Quantum sagen: Man müsse nicht auf Googles Supercomputer und ähnliche privatwirtschaftliche Projekte schauen. Die Gefahr für die Integrität von Bitcoin komme vonseiten auf staatlicher Ebene heimlich vorangetriebener Quantencomputer.

Hintergrund zu BTC, Verschlüsselung und Quantencomputer

Vereinfacht erklärt lösen Quantencomputer ihnen zugeteilte Aufgaben nicht mehr im gewohnten binären System von 0 und 1, sondern legen diese Informationen auf Quantenbits (qubit) zusammen. Dadurch entsteht zwar eine kleine Fehlerquote, doch die Rechenleistung erhöht sich exponentiell. Googles Quantum Computer kommt auf etwa 54 qubits Leistung und Fachleute sind sich einig, dass für das Knacken des BTC-Codes mindestens 4.000 qubits nötig wären. Diese Gewissheit bei der Berechnung ergibt sich demnach aus den verwendeten Standards SHA-256 und ECDSA (Elliptical Curve Digital Signature Algorithm) bei der Erstellung neuer Blöcke und Public Keys für Bitcoin.

Ein Quantencomputer könnte bei entsprechender Leistungsfähigkeit diese Verschlüsselung knacken, indem er den Rechenprozess umkehrt und aus dem Public Key bei BTC den Private Key errechnet. Damit wäre Zugriff auf Wallets möglich. Zudem könnte ein Quantencomputer als Miner bei Bitcoin quasi im Handstreich die Kontrolle über die Blockchain übernehmen, da er neue Blöcke schneller findet als alle anderen Netzwerkteilnehmer. Für Anleger in Bitcoin ist das natürlich ein Horrorszenario, weit mehr als 150 Milliarden US-Dollar beträgt aktuell der umgerechnete, theoretische Wert aller Bitcoin. Wenn deren Sicherheit nicht mehr durch Kryptografie garantiert ist, würde der Kurs wohl blitzschnell Richtung Null fallen.

Bei Google glaubt man, dass zwischen 2025 und 2030 der Moment kommt, wenn bisher benutzte Verschlüsselung wie unbrauchbar wird. Andere Experten betonen, dass Quantencomputer auf eine Aufgabe hin optimiert wird und das Knacken des Bitcoin Codes dabei nicht unbedingt im Vordergrund stehe.

Doch es gibt auch andere Stimmen. Andersen Cheng, CEO von Post-Quantum, lässt sich auf Twitter folgendermaßen zitieren: Die wirklich funktionierenden Quantencomputer werden nicht öffentlich angekündigt, „weil wer auch immer einen hat, zum Herrscher des Universums wird“.

Plakativ beschrieben meint Cheng damit, dass es mit einem solchen Durchbruch bei der Entwicklung von Quantencomputern mühelos möglich wird, verschlüsselte Nachrichten mitzulesen oder streng gesicherte Computernetzwerke zu infiltrieren. Auch an anderer Stelle deutet Cheng an, dass in Geheimprogrammen von NATO und Nachrichtendiensten die Arbeit an der nächste Generation von Quantencomputern schon weiter gediehen ist als bekannt.

Ein Indiz dafür, dass man die Herausforderung ernst nimmt, neue Verschlüsselung-Standards zu schaffen, sind Bemühungen des National Institute of Standards and Technology (NIST). Die US-Behörde richtet bereits Konferenzen unter dem Titel „PQC (Post-Quantum Cryptographie) Standardisierung“ aus und Beiträge zeigen, wo die Wissenschaft steht. Dort wird das potenzielle Problem nicht nur abstrakt behandelt, sondern nach Lösungen gesucht.

Von dieser Warte aus betrachtet lässt sich auch nachvollziehen, warum in der Kryptoszene keine Panik wegen der Quantencomputer ausbricht. Zum einen weisen Größen wie Ethereum-Erfinder Vitalik Buterin oder Leemon Baird von Hedera Hashgraph auf historische Erfahrungen hin: Mit Updates im Code lassen sich Blockchains schützen, noch bevor Gefahr von überlegenen Computersystem droht. Und zum Zweiten hätten Geheimdienste wohl kein Interesse daran, ihre Kapazitäten auf Bitcoin zu richten. Dazu sind die Summen, die dort kursieren, dann doch noch weit zu klein und das Geheimnis eines Quantencomputers der Superlative zu wertvoll.

Fazit: Quantencomputer bleiben vorerst theoretisches Problem für Bitcoin

Fassen wir zusammen: Die Verschlüsselungstechnik von Bitcoin (BTC) und vielen anderen Kryptowährungen ist nicht absolut zukunftssicher und sollte deshalb durch Updates weiterentwickelt werden. Doch bis Quantencomputer in privaten Händen eine Gefahr darstellen, ist dafür auch ausreichend Zeit. Ob in China, Russland oder den USA im staatlichen Auftrag die Forschung an Quantencomputer weiter ist als bekannt? Es klingt nach Verschwörungstheorie, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Jedoch hätten solche Projekte wohl andere Ziele als Bitcoin. Es wird dennoch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass Krypto-Anleger vor einem durch Quantencomputer ausgehende Gefahr für ihre Einlagen gewarnt werden. Denn unter dem Buzzword „Quantencomputer“ lassen sich Szenarien und Lösungen verkaufen, hier können Interessengruppen auf einfache Art Aufmerksamkeit generieren.


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