DeFi – Hipster-Blase oder sinnvolle Innovation?

Ob SUSHI oder YFI, ob DAI, AAVE oder Maker – es sind derzeit sogenannte DeFi-Token, welche Markt und Diskussion in der Kryptobranche bestimmen. In den Boom mischen sich nachdenkliche Töne, die das Konzept mancher Shooting-Stars in Frage stellen.

Lange Jahre gab es in großen Teilen der Kryptoszene einen gewissen Grundkonsens: Man kauft sich Bitcoin (BTC) oder Ethereum (ETH) und macht dann – erst mal gar nichts. HODL nennt sich dieses Verhalten und Anleger fühlen sich damit wohl, weil die ganz großen Zeiten von Bitcoin ja erst noch kommen sollen. Spätestens dann, wenn Zentralbanken das Scheitern ihrer Geldruck-Politik einräumen müssen, werde sich die Geduld mit BTC und Ethereum auszahlen, lautet ein gewichtiges Argument solcher Investement-Strategien. Doch in den vergangene Wochen und Monaten erlebt die Kryptobranche neue Projekte, die mit DeFi werben und Traumrenditen einfahren. Bahnt sich da eine neue Ära in der Welt der Kryptowährungen an und ist es Zeit, sein Depot umzuschichten? Oder wird bei DeFi und Token wie SUSHI und YFI (yearn.finance) oder der dezentralisierten Kryptobörse Uniwap viel Lärm um nichts gemacht?

Pro-Argumente für DeFi

Ohne ins Detail zu gehen: Im Grunde alle derzeit erfolgreichen DeFi-Token drehen sich um Leihgeschäfte. Sie sammeln Liquidität und stellen diese gegen Zinsen zur Verfügung. Sie punkten – mehr oder weniger stark – dadurch, dass diese Geschäfte dezentralisiert und automatisiert durch Smart Contracts und DApps organisiert werden. Gebühren, die sonst Kryptobörsen oder zentralisierte Anbieter auf der Haben-Seite verbuchen können, sind bei DeFi marginal und werden wie etwa bei SUSHI oft an Anleger weiterverteilt. Uniswap als die zentrale Anlaufstelle für DeFi hat mittlerweile im Handel Tagesvolumen erreicht, die gleichziehen mit dem Niveau von Coinbase als größter US-Kryptobörse.

Wer sich einzelne Token wie Maker (MKR), DAI oder Compound (COMP) anschaut, erkennt auch hier das Konzept dezentralisierter Leihgeschäfte. Weiterentwicklungen wie YFI (yearn.finance) treiben das Geschäft mit den Zinsen auf die Spitze, indem sie eingelegtes Kapital ständig hin- und herbewegen in dem Bestreben, Bestzinsen auf dem Markt mitzunehmen und so Anleger glücklich zu machen.

DeFi ist von dieser Perspektive aus gesehen also die Lösung, um Gebühren einzusparen und den zentralisierten Anbietern in der Kryptobranche ihr Geschäftsmodell madig zu machen. „Wir holen uns zurück, was uns gehört“, lässt sich das Motto zusammenfassen – und ist dabei keine Utopie. Es braucht aber auch aktives Verfolgen der Marktbewegungen und könnte etwa damit verglichen werden, Fiat ständig von einem Tagesgeldkonto auf das andere umzuschichten auf der Jagd nach den besten Konditionen.

Contra-Argumente gegen DeFi

Nicht nur Nörgler bemerken: Wenn wie jetzt neue DeFi-Token quasi im Tagestakt auftauchen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich durch unausgereiften Code und zwielichtige Anbieter Enttäuschungen bis hin zum Totalverlust einstellen. Ein erstes spektakuläre Beispiel gibt es mit YAM bereits. Bei SUSHI mahnt der erste externe Audit dringende Nacharbeit der Entwickler an, auch wenn keine kritischen Sicherheitsfehler der höchsten Kategorie entdeckt wurden.

Ethereum-Anleger der ersten Stunde erinnern sich an den DAO Hack von 2016, der sich einen Fehler in Smart Contracts eines dezentralisierten Investmentfonds zunutze machte und die Kryptoszene erschütterte. Wer heute auf DeFi setzt, muss sich auf saubere Arbeit der Entwickler verlassen – denn nur Experten können die komplexen Befehlsketten in Smart Contracts selbst überprüfen. Die Möglichkeit, bei offensichtlichen Manipulationen und Hacks das Rad zurückzudrehen, bietet echtes DeFi nicht. Zentralisierte Anbieter haben in der Vergangenheit von Fall zu Fall entschieden, ob sie das eigentlich heilige Prinzip der Dezentralität nicht doch zugunsten ihrer Kunden antasten.

Der wohl gewichtigste Einwand von DeFi-Skeptikern lautet: Woher in aller Welt kommt denn nun das Geld, welches die Kurse von DeFi-Token explodieren lässt. Binance-CEO Zhao Changpeng warnt vor (versteckten) Subventionen in Form der Herausgabe von neuen Token und Blasenbildung. Ethereum-Erfinder Vitalik Buterin spottet über die Politik neuer Projekte, die Coins in Größenordnungen „nachdrucken“, welche selbst Zentralbanken wie Gralshüter der Geldstabilität erscheinen lassen. Ihr Einwand zielt darauf, dass DeFi den Beweis von nachhaltigem Nutzen erst noch antreten muss.

Fazit: DeFi kann Kryptobranche verändern – muss aber nicht

Es herrschen aufregende Zeiten mit DeFi und bei ausgeklügelten Lösungen hat „Decentralized Finances“ Revolutionspotenzial. Gleichzeitig lässt sich mit DeFi als Buzzword momentan wohl so ziemlich alles verkaufen. Hinter welchen Projekten nachhaltige Substanz besteht und sich eine Community versammelt, die an Weiterentwicklung interessiert ist, muss sich noch herausstellen. Risikofreudige Investoren werden sich jetzt auf DeFi-Token stürzen. Konservative Anleger halten wahrscheinlich an Bitcoin als Goldstandard unter den Kryptowährungen und Ethereum als Silber fest, wo sich schon Ökosysteme von Anwendungsfällen über seriöse Dienstleister bis hin zu Hardware Wallets bewährt haben. Doch die Finanzsysteme und Aktienmärkte haben in ihrer Geschichte immer wieder bewiesen: Wer Innovationen ignoriert, verpasst die Momente, in denen Erfolgsgeschichten ihren Anfang nehmen.


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