Ethereum 2.0: Vitalik Buterin dämpft Hoffnungen auf baldigen Vollzug

Die Wartezeit auf ein voll funktionsfähiges Ethereum 2.0 könnte länger dauern als erwartet. Zumindest sieht ETH-Erfinder Vitalik Buterin bisher erst 50 Prozent der nötigen Arbeit an dem Upgrade als abgeschlossen.

Für Ethereum (ETH) sollte 2022 eigentlich das Jahr werden, in dem grundlegende technologische Weiterentwicklungen live gehen und so Ethereum 2.0 begründen. Doch schon vor gut einem Monat hatte ETH-Erfinder Vitalik Buterin unter der dramatischen Überschrift „Endspiel“ aufgezeigt, welche Schwierigkeiten den Entwicklern bei Ethereum 2.0 noch bevorstehen. Nun machte Buterin in einem Interview klar, welche Auswirkungen die Herausforderungen bei Ethereum 2.0 auf den Zeitplan haben könnten. Die Kurzfassung: Erst rund 50 Prozent der Entwicklungsarbeit an Ethereum 2.0 sind abgeschlossen und der Abschluss des in Etappen geplanten Upgrades könnte sich noch über Jahre hinziehen.

Der Weg hin zu Ethereum 2.0 und wo wir stehen

Seit Dezember 2020, also seit gut einem Jahr, ist mit der Beacon Chain ein Netzwerk bei Ethereum in Betrieb, welches ETH2 unter praxisnahen Bedingungen testet. Dabei liegt das Hauptaugenmerk darauf, den Protokollwechsel bei Ethereum von Proof-of-Work (PoW) hin zu Proof-of-Stake (POS) zu vollziehen. Von PoS für Ethereum 2.0 wird unter anderem ein massives Einsparen beim Energieverbrauch erwartet. Unter dem Projektnamen „The Merge“ sollen die Beacon Chain und die bisherige PoW-Blockchain von Ethereum zusammengeführt werden und PoS zur technologischen Basis machen. „The Merge“ ist für das erste Halbjahr 2022 anvisiert. Geht „The Merge“ problemlos über die Bühne, hätte man laut Buterin etwa 60 Prozent Fortschritt bei Ethereum 2.0 erreicht.

Buterin erinnert daran, dass nach „The Merge“ noch vier weitere Module bei ETH implementiert werden müssen, bevor Ethereum 2.0 komplett wäre. Dabei nennt er „Sharding“ als wichtigstes Element. Mit Sharding sollen bis zu 64 Sidechains bei Ethereum Transaktionen, Smart Contracts und deren Validierung übernehmen und so Arbeitslast von der Haupt-Blockchain nehmen. Damit wäre voraussichtlich auch die Probleme hoher Transaktionsgebühren bei ETH gelöst und die eng begrenzte Kapazität von möglichen Transaktionen pro Sekunde Vergangenheit. Mit Sharding würde Buterin von gut 80 Prozent Abschluss bei Ethereum 2.0 sprechen. Weitere Module betreffen technologische Details im Hintergrund, aber auch Themen wie Zensurresistenz.

Nehmen wir also Buterin beim Wort und rechnen nach: Von der Ankündigung der Beacon Chain bis hin zum Start brauchte es schon ein Jahr, bis hin zu „The Merge“ werden es nochmals mehr als 12 Monate. Falls Sharding und die anderen Module ebenso viel Zeit verschlingen, wird ein komplettes Ethereum 2.0 frühestens Ende 2023 Wirklichkeit, wahrscheinlich sogar erst 2024. Buterin verspricht zwar paralleles Arbeiten an allen Baustellen, aber verschweigt auch nicht, dass manches nicht so schnell wie früher gedacht funktionieren wird.

Fazit: Wird aus Ethereum 2.0 vorerst nur ein ETH 1.5?

Beispielsweise in unserem Jahresrückblick zu Ethereum haben wir schon drauf hingewiesen, dass ETH 2.0 nur schrittweise in Funktion treten wird und deshalb manche Erwartungshaltung zu hoch gesteckt ist. Die neuen Ausführungen von Buterin lassen auch zu, bei „The Merge“ als nächstem Schritt erst von einem Ethereum 1.5 zu sprechen. Denn die aus Sicht von Nutzern wichtigsten Fragen Skalierbarkeit und Transaktionsgebühren werden von „The Merge“ allenfalls im kleinen Maßstab angegangen. Sharding ist aus dieser Perspektive in der Praxis die wichtigere Messlatte, wie auch Buterin einräumt. So gilt weiterhin: Ethereum hat mit Version 2.0 viel versprochen, aber noch nicht viel geliefert. Tempo und Ergebnisse der Entwicklungsarbeit haben das Potenzial, die Preiskurve von ETH vorerst mittelfristig zu beeinflussen und das weniger positiv als in optimistischen Szenarios.


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