Kontrolliert China den Bitcoin?

Es klingt zwar wie eine gewagte These, doch es gibt auch belastbare Anhaltspunkte dafür: China hat im Ökosystem von Bitcoin (BTC) die Kontrolle übernommen. Stimmt das überhaupt und was könnte es für Auswirkungen haben?

Bitcoin (BTC) als erste und weltweit bekannteste Kryptowährung hat längst den Status erreicht, wo im Umfeld Theorien aller Art wuchern. Eine davon lautet: BTC kann sein Versprechen der Dezentralität und damit verbundenem Schutz vor gezielten Einflüssen nicht mehr erfüllen, weil China bei Bitcoin die beherrschende Rolle spielt. Wer so etwas verbreitet, führt meist zwei gewichtige Argumente an:

1. Die Hashrate von Bitcoin wird von Minern mit Sitz in China dominiert. Beispielsweise eine interaktive Karte des Zentrums für alternative Finanzen Cambridge stützt diese Aussage, die in der Faktenlage unumstritten ist:

Demnach versammeln sich in China aktuell mehr als 65 Prozent aller Rechnerkapazitäten, die das Netzwerk von Bitcoin aufrecht erhalten. Wirtschaftlich betrachtet ergibt sich dies aus den Rahmenbedingungen: Strom in China ist vergleichsweise billig und macht Mining bei BTC so erst profitabel. Andere wichtige Standorte für Bitcoin Mining mit Geschäftsabsichten sind weit abgeschlagen. Nur in den USA, Russland und Kasachstan sind jeweils mehr als 5 Prozent der Hashrate angesiedelt und niemals auch nur annähernd 10 Prozent.

2. China hat sich in der Entwicklung von ASICS einen unaufhaltbaren Vorsprung erarbeitet. Fast alle dieser weltweit genutzten Spezialcomputer, die für Bitcoin Mining konzipiert sind und im Einsatz die Hashrate antreiben, stammen aus China. Auch dies ist grundsätzlich korrekt und beinhaltet weitere Vorteile für das Reich der Mitte. Dort sind ASICs preiswerter, weil keine Importsteuern anfallen, und neueste Modelle sind früher als anderswo erhältlich.

Aus dieser Situation wiederum ergeben sich zwei Fragen:

1. Kann China eine 51-Prozent-Attacke auf Bitcoin koordinieren?

Ein solcher Angriff bedeutet, dass ein Lager die Blockchain von BTC gezielt übernimmt und manipuliert. Theoretisch wäre das wohl möglich. Doch der Blick auf die Verteilung der Hashrate in China zeigt: Die Miner sind in den Regionen breit verteilt und es sind ausländische Investoren an den großen Mining Pools beteiligt. Schwer vorzustellen, dass diese alle an einem Strang ziehen, um eine 51-Prozent-Attacke auf Bitcoin zu stemmen, um damit einen Crash zu provozieren, der auch ihrem eigenen Geschäft schaden würde.

2. Kann China den Preis von BTC beeinflussen?

Durch die Ballung der Bitcoin Miner in China wird dort auch das Gros der neuen BTC geschürft, nach dem Bitcoin Mining vom Mai sind das rund 900 BTC täglich, von denen etwa 600 auf China entfallen. 900 BTC haben aktuell einen Wert von gut 8 Millionen US-Dollar. Selbst wenn sie alle sofort verkauft werden – was übrigens an manchen Handelstagen nahezu geschieht -, machen diese Verkäufe viel weniger als 1 Prozent des gesamten täglichen Handelsvolumens von Bitcoin aus. Auch tieferg ehende Analysen zum Einfluss von Bitcoin Minern auf den Preis von BTC zeigen deutlich: Die Marktmacht, um im Tagesgeschäft substanziell am Preis von Bitcoin zu drehen, haben die Miner aus China nicht.

Fazit: Chinas Rolle bei Bitcoin ist nicht völlig unbedenklich

Folgt man der Logik von Ökonomen, kann China kein Interesse haben, seine technisch bedingte Vormachtstellung bei Bitcoin auszuspielen. Der damit einhergehende Vertrauensverlust in BTC würde den Preis aller Voraussicht nach nachhaltig einbrechen lassen, womit ganze Geschäftsmodelle (Bitcoin Miner, BTC-Börsen, ASIC-Hersteller etc.) zerstört würden.

Die Dominanz Chinas in Sachen Hashpower ist vielmehr aus anderen Gründen bedenklich. Das Land wird zentral und undemokratisch regiert. Anordnungen aus Peking könnte sich die chinesische Bitcoin-Branche kaum entziehen; die Coronakrise hat vorgeführt, wie resolut die kommunistische Führung vorzugehen weiß. Und China will einen eigenen, staatlich gestützten Stablecoin launchen. Die Vorbereitung dafür sind weit fortgeschritten. Wenn der „E-Yuan“ als Central Bank Digital Currency (CBDC) kommt, könnte das autoritäre System aggressiv gegen andere Krytowährungen vorgehen, befürchten manche. Diese Theoretiker sehen damit möglicherweise verbundenen Auswirkungen auf die Hashrate bei Bitcoin und vielleicht auch letztendlich den Preis als viel gravierender an als die Gefahr, welche BTC von der Kryptoindustrie aus China droht.


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1 Kommentar

  1. Aus dem Artikel:
    900 BTC haben aktuell einen Wert von gut 8 Milliarden US-Dollar.
    ->
    Das wäre ein Kurs von 8.888 Millionen US-Dollar pro Bitcoin. Habe ich was verpasst

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