E-Euro: Jetzt drückt Estland aufs Tempo

EU-Mitglied Estland will mit seiner Zentralbank die Einführung einer staatlich gestützten Digitalwährung (E-Euro) erproben. Ein entsprechendes Projekt wurde jetzt gestartet. Spannend ist der Ansatz, den E-Euro auf eine bereits in Estland genutzte staatliche Blockchain aufzusetzen.

Ganz im Norden der EU hat sich das kleine Estland mit gerade 1,3 Millionen Einwohnern über die letzten Jahrzehnte einen Namen als „E-stonia“ gemacht. Denn in dem baltischen Staat wurde früh eine papierlose Regierung als Ziel ausgerufen, es wurde Wahlbeteiligung online ermöglicht und überhaupt gilt in Tallinn und Umgebung das Ziel: Im 21. Jahrhundert sollen die Bürger möglichst in allen Aspekten per Internet am öffentlichen Leben teilnehmen können. Als neuen Schritt dahin hat Estland jetzt den E-Euro in den Fokus gerückt. Die Eesti Pank, die estnische Zentralbank, startet ein Projekt, welches die technologische Grundlage einer CBDC (Central Bank Digital Currency) ausloten soll. Dabei stützt man sich laut Pressemitteilung auf die in Estland entwickelte KSI Blockchain, die bereits bei Wahlen und in der öffentlichen Verwaltung zum Einsatz kommt.

Hintergrund zu Estland und E-Euro

In der Europäischen Zentralbank (EZB) wurde zuletzt die Idee eines E-Euro mehr und mehr positiv betrachtet. Das jüngste Positionspapier der EZB fordert eine Entscheidung in 2021. Estland will nun seine technologische Lösung KSI Blockchain in Zusammenarbeit mit dem einheimischen Blockchain-Unternehmen Guardtime propagieren. Guardtime macht in einem Blogpost zu E-Euro und CBDC klar: Aus Gründen von Sicherheit, Transparenz und Manipulationssicherheit solle der E-Euro auf einer echten dezentralen Blockchain basieren. Die meisten internationalen bisherigen Projekte in Sachen CBDC wie etwa in Schweden lassen den Notenbanken als zentraler Instanz auch bei digitalen Währungen die Option, in Geldtransfers einzugreifen.

Ein Haken am estnischen Vorstoß: Die KSI Blockchain speichert bereits die digitalen Daten fast aller Bürger. Denn sie dient schon im Gesundheitssystem, bei der Steuererklärung, im Bildungssektor und anderswo als technologische Basis für E-stonia. Anonym würde der E-Euro so also eher nicht. Zweiter Haken: Die Eesti Pank und Guardtime sehen Hunderttausende von Transaktionen pro Sekunde beim E-Euro voraus, auf eine solche Belastung ist die KSI Blockchain noch nicht getestet. Um Skalierbarkeit und Akzeptanz der CBDC zu erproben, will sich das estnische Projekt bis zu zwei Jahre Zeit nehmen.

Fazit: Beim E-Euro beginnt technologischer Wettbewerb

Vor wenigen Wochen noch freute sich Tezos (XLM), mit seiner Blockchain als technologischer Basis bei französischen Tests für einen E-Euro ausprobiert zu werden. Estland kontert mit seiner KSI Blockchain und einem klaren Bekenntnis der Zentralbank in Tallinn zu dezentralen Lösungen. Während in der EZB eine Entscheidung zur CBDC noch aussteht, bereiten einige Euro-Länder bereits ihre Position im Detail vor. Deutlich wird dabei, dass es auch Befürworter einer echten Blockchain für den E-Euro gibt. Estland erhofft sich davon zudem Vertrauen der Bürger, die nicht wollen, dass der E-Euro in strittigen Fällen von der EZB verwaltet werden könnte bei einem technologisch zentralen Ansatz. Und nicht zuletzt spekuliert man in Tallinn, wo viel Stolz zu selbstentwickeltem E-Government herrscht, natürlich auch über Arbeitsplätze und Folgeaufträge rund um den E-Euro. Das Rennen um die Führungsrolle beim E-Euro scheint eröffnet.


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